Kinoplakat: Spider-Man 2
Die entfernten Verwandten
Comic und Film werden ein
Titel Spider-Man 2
(Spider-Man 2)
Drehbuch Alfred Gough + Miles Millar + Michael Chabon
nach den Comics von Stan Lee + Steve Ditko
Regie Sam Raimi, USA 2004
Darsteller Tobey Maguire, Kirsten Dunst, Alfred Molina, James Franco, Cliff Robertson, Rosemary Harris, J.K. Simmons, Donna Murphy, Daniel Gillies, Dylan Baker, Bill Nunn, Willem Dafoe, Vanessa Ferlito, Aasif Mandvi, Cliff Robertson, Ted Raimi, Elizabeth Banks, Bruce Campbell, Gregg Edelman, Elya Baskin, Mageina Tovah, Daniel Dae Kim, Hal Sparks, Joel McHale, Stan Lee, Kelly Connell, Brent Briscoe, Emily Deschanel, Jason Fiore-Ortiz, Scott Spiegel, Andrew Bale, Christine Estabrook, Molly Cheek, John Paxton, Lou Volpe, Joy Bryant, Joanne Baron u.a.
Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 127 Minuten
Deutschlandstart
8. Juli 2004
Inhalt
Irgendwann hast Du die Schnauze einfach voll. Peter Parker hat sich für heulende Eltern in Feuersbrünste geworfen, um kleine gewindelte Schreihälse zu retten. Er hat Arschlöcher für die Polizei abholfertig verpackt, die mit Pistolen und in Überzahl alternde Damen um ihre Handtasche erleichtern wollten. Und unter Einsatz seines Lebens hat er die Stadt vor dem irren GRÜNEN KOBOLD bewahrt, der mit Bomben um sich warf.

Und was ist der Dank: Der Chef vom Pizza-Dienst feuert ihn, weil Peter „nie zuverlässig” ist, „nie pünktlich”. Seine geliebte Mary Jane will einen Uniform tragenden Schnösel heiraten, der nicht nur Football auf dem Mond gespielt hat, sondern auch noch Sohn des Zeitungsverlegers J. Jonah Jameson ist, der Peter für Fotos von SPIDER-MAN regelmäßig übervorteilt. Und sein Professor an der Columbia-University macht ihn darauf aufmerksam, dass seine Noten bedenklich abrutschen und er, Dr. Connors, ihn, Peter, durchfallen lassen werde, wenn sich das nicht ändere. Außerdem hat sein Spinnenkostüm im Waschsalon sein einziges weißes Hemd verfärbt und sein Netz spritzt auch nicht mehr so zuverlässig, wie einst.

Ist es wirklich verwunderlich, dass Peter eines Tages seine geheime Identität als SPIDER-MAN in die Tonne kickt und schwört, fortan ein anderer Mensch zu sein?

Kinoplakat: Spider-Man 2

Jameson jubiliert in seinem Bugle schon, er habe den Wandkrabbler verjagt. Und damit käme er auch durch, aber gerade jetzt wäre der Blau-Rote ganz sinnvoll: Mary Jane Watson nämlich wurde entführt, die Verlobte seines gefeierten Astronauten-Sohns. Und wohl nur SPIDER-MAN wäre in der Lage, sie zu retten.

Otto Octavius heißt der Entführer. Der war bis vor Kurzem ein gefeierter Atomphysiker, dem allerdings ein Kernschmelze-Experiment schief ging und der dadurch mit vier zusätzlichen Tentakeln verwachsen ist – bis zu vier Meter ausfahrbar, unzerstörbar, sich selbst steuernd und – fatal – auch ihren Träger steuernd, Otto Octavius, der sich seitdem Doctor Octopus nennen lässt – Doc Ock! Eigentlich wollte der nur ein paar Banken ausrauben, um genug Geld zur Wiederholung seines Experimentes zusammenzubekommen. Aber dazu brauchte er auch noch eine Substanz, die zu den am seltensten vorkommenden der Welt zählt. Also machte er einen Deal mit Harry Osborn, der die Substanz besitzt. Seit dessen Vater von SPIDER-MAN getötet wurde – in seiner zweiten Identität des GRÜNEN KOBOLDes (was Harry nicht ahnt) – schiebt Harry Zorn auf SPIDER-MAN. Sein Deal mit Doc Ock lautet: „Bringe mir SPIDER-MAN, dann gebe ich Dir die Substanz!”

In der Zwischenzeit hatte Peters alte Tante May ihrem Neffen was über wahres Heldentum erzählt. Sie kennt zwar seine Doppelidentität nicht, aber der Nachbarjunge vermisst SPIDER-MAN und die Verbrechensrate in der Stadt ist um 75 Prozent gestiegen, seit SPIDER-MAN die Netze eingerollt hat. Und zu oft zuckte es Peter in den Fingern und – wie gesagt – Doc Ock hat sich MJ geschnappt.

SPIDER-MAN kommt wieder, wird aber bald von Doc Ock fertig gemacht und Harry Osborn aufs Sofa gelegt. Während der dem bewusstlosen, gefesselten Helden die Maske vom Gesicht reißt, wiederholt Octavius sein Experiment - mit zerstörerischen Folgen für die Stadt, wenn niemand einschreitet …

Was zu sagen wäre

Für ein Sommer-Blockbuster-Movie ist „Spider-Man 2“ sehr charakterbezogen (neudeutsch: character driven). Eine Superhelden-Comic-Verfilmung, bei der die Action mal gerade 25 Prozent des ganzen Films ausmacht.

Die CGI wackeln immer noch

Wenn ich dem Film etwas ankreiden möchte (also dies' lieber gleich zu Beginn, um es hinter mich zu bringen): Im Titelvorspann wird die Geschichte aus dem ersten Teil in gezeichneten Bildern nacherzählt. Hier hätte ich echte Comic-Zeichnungen schöner gefunden. Außerdem … naja … erkenne ich hinter den CGI-Szenen immer noch den Computer, der das Filmbild komponiert. Das werde ich so lange monieren, bis es nicht mehr auffällt.

Teaserplakat: Spider-Man 2And now for something completly different: Schon der Titelvorspann ist toll (unabhängig von der eingangs erwähnten Kritik). Schöne Idee, den ersten Teil mal so zusammenzufassen, statt in schwerfälligen Filmszenen.

Kino für Jungs

Zum Einstieg gesellt sich der Ausstieg: Der letzte gesprochene Satz im Film („Schnapp' sie dir, Tiger!”) ist ebenso Gänsehaut, wie das letzte Bild: Der versonnene Blick der Unangenehmes ahnenden, dennoch standhaft bleibenden Freundin MJ ist Comicsprache pur. Bestes „Jungs-Kino“.

Dieser Film macht richtig Spaß. Und Doc Ock ist der Grund. Wunderbar animiert, großartig gespielt, entzückend entwickelt. Alfred Molina scheint tatsächlich mit seinen Tentakeln – eine perfekte Mischung aus CGI und Puppenspiel – zu verschmelzen. Wenn er Hauswände hochklettert, stockt der Atem. Seine Kämpfe mit Spidey sind so dicht choreografiert, dass die Mängel des CGI nicht mehr auffallen.

Zerrissene Helden, Schurken aus Versehen

Und die Geschichte? Es ist ein Film über zerrissene Persönlichkeiten. Peter Parker kämpft gegen seinen SPIDER-MAN. Mary Jane verleugnet ihre wahre Liebe. Harry Osborn kämpft gegen seinen Racheinstinkt, als er die Wahrheit über SPIDER-MAN erfährt. Otto Octavius kämpft gegen den aufkeimenden Doc Ock. Tante May kämpft gegen ihren Schmerz nach einer Enthüllung ihres Neffen. Selbst J. Jonah Jameson schafft eine Zerrissenheit zwischen Hilfe suchen und Auflagen steigerndem Hass.

Schön, dass Ock am Ende nicht mit großem Tschingdarassabumm von dannen geht, sondern überzeugt wird, seine menschliche Intelligenz höher zu werten, als seinen mörderischen Traum. Dazu passt auch die sehr zeitgemäße Motivation des … Schurken(?). Wenn etwas in den Comics der 60er, 70er Jahre gestört hat, dann dieses schurkische „Nur die Spinne kann mich aufhalten, also muss ich sie …”. Papperlapapp! Ocks Gegnerschaft ist – viel realistischer – einfach nur ein Abfallprodukt.

SPIDER-MAN kommt an

Spider-Man verliert – irgendwie – seine Kräfte. Ich erspare uns jetzt all die möglichen Interpretationen, wieso ausgerechnet in dem Moment, wo seine geliebte Mary Jane einen anderen hat, Spider-Man keine klebrige weiße Flüssigkeit mehr glaubt verspritzen zu können. Es ist schön, dass sich die Produzenten auf diese Weise die Zeit gönnen, sich mit dem irrlichternden Privatleben ihres Helden zu befassen, das dem Publikum offenbar so nahe ist, dass es zu Millionen die Lichtspielhäuser flutet - in die hibbelige Unruhe im Kinosaal bei mangelnder Action mischen sich denn auch dauernd Verständnis zeigende Bemerkungen.

Zusammengefasst habe ich bei Spider-Man 2 sehr den Eindruck, ein Comic eins zu eins auf die Leinwand adaptiert zu erleben. Und dass J.K. Simmons' Rolle als J. Jonah Jameson ausgebaut wurde, ist unbedingt zu begrüßen. Der Kerl ist großartig. Alfred Molina als Doc Ock ist charmant und teuflisch und abgründig. Ocks Tentakel sind fürchterliche Bedrohungen mit eigenem Leben. Mary Jane ist erwachsen geworden - Jungs! Im Gegensatz zu Euch werden Frauen das: erwachsen. Und nachdem jetzt halb New York zu wissen scheint, wie der freundliche Nachbar Spinne unter seiner Maske aussieht, bin ich gespannt, wie die Produzenten in Teil 3 damit umgehen.

Ein Vermieter namens Ditkovich

Dass Peters bösartiger Vermieter „Mister Ditkovich“ heißt, ist eine skurrile Verbeugung vor dem ersten Spider-Man-Zeichner Steve Ditko. Und dass Harry Osborn sein Schicksal entdeckt und mit dem einarmigen Dr. Connors bereits die zivile Identität meines Lieblings-Schurken, Echse, auftaucht, lässt mich um mindestens zwei weitere Teile nicht bange werden. Außerdem wäre da ja noch der Sandman, Mysterio, Elektro …

Wertung: 5 von 6 €uro