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Kinoplakat: Spider-Man
Bei diesem Real-Comic
bebt die ComputerGra-FX
Titel Spider-Man
(Spider-Man)
Drehbuch David Koepp
nach den Comics von Stan Lee + Steve Ditko
Regie Sam Raimi, USA 2002
Darsteller Tobey Maguire, Kirsten Dunst, Willem Dafoe, James Franco, Cliff Robertson, Rosemary Harris, J.K. Simmons, Michael Papajohn, "Macho Man" Randy Savage, Joe Manganiello, Ted Raimi, Bill Nunn, Bruce Campbell u.a.
Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 121 Minuten
Deutschlandstart
6. Juni 2002
Inhalt

Während eines Studienausfluges an die Columbia-University in Manhattan wird der junge Peter Parker von einer gentechnisch gezeugten Spinne in die Hand gebissen. In den kommenden Tagen erfährt der Junge nach und nach, dass sich sein Körper verändert hat: Ihm ist eine ansehnliche Muskulatur gewachsen, mittels feinster Widerhaken in den Fingern kann er senkrechte Wände hoch krabbeln, aus seinem Handgelenk verspritzt er eine klebrige Netzflüssigkeit.

Unter seinen Schulkameraden ist der Junge eine Lachnummer. Ein Streber, niemand mag den schüchternen Schwächling, der bei seiner Tante May und seinem Onkel Ben aufwächst. Heimlich schwärmt er für Mary Jane Watson, die im Haus nebenan wohnt, im Dauerkrach mit ihrem Vater liegt und in der Schule mit Peters ärgster Nemesis, Flash Thompson, geht. Nach einer Rauferei, bei der Peter Flash mit seinen neuen Kräften schwer verletzt, flieht er aus der Schule und muss sich von seinem fürsorglichen Onkel eine Predigt über „Große Kraft, die eine große Verantwortung“ nach sich zieht, anhören.

Um überhaupt eine Chance bei Mary Jane zu haben, braucht Peter Geld. Er will sich ein flottes Cabrio kaufen. Eine Zeitungsanzeige verspricht 3.000 Dollar demjenigen, der im Ring drei Minuten gegen den Catcher Bone Saw McGraw durchhält. Um unerkannt zu bleiben, zieht er sich ein rotes Sweatshirt mit einer stilisierten schwarzen Spinne an, wickelt sich eine rote Maske um den Kopf und steigt als „Mighty Spider“ in den Ring und legt Bone Saw in knapp einer Minute flach. Der Veranstalter speist ihn mit ein paar Dollar ab und der dürren Erklärung, er habe ja eben keine drei Minuten im Ring gestanden. Als der Mann wenige Minuten überfallen und ausgeraubt wird, rührt der unscheinbare Junge mit den proportional gewachsenen Spinnenkräften keinen Finger.

Wenig später ist Onkel Ben tot, ermordet von einem Gangster, der zur Flucht Bens Auto brauchte. Peter stellt den Mann und stellt fest: Onkel Bens Mörder ist der Mann, den Peter kurz vorher hatte laufen lassen … Onkel Bens Worte hallen ihm im Kopf: „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung.“

Bald macht ein geheimnisvolles maskiertes Wesen von sich reden, das Geschäftsüberfalle, Gewaltdlikte in den dunklen Seitengassen New Yorks und Handtaschenraub vereitelt und im Verlegerbüro des Boulevardblattes „Daily Bugle“ rauchen die Köpfe um Herausgeber J. Jonah Jameson, der den sogenannten Spinnenmenschen zum bösartigen Kriminellen stempeln will – allein, es fehlen ihm Fotos für die Titelseite.

Da taucht Peter Parker in seinem Büro auf und liefert ihm sensationelle Fotos des Maskierten, den man mittlerweile Spider-Man getauft hat; Peter hat seine Kamera per Netz in eine Hausecke gehängt und sich selbst in Action fotografiert. Zweimal muss er auch Mary Jane aus der Klemme helfen, die sich prompt in den Maskierten verliebt. Von Flash Thompson hat sie sich mittlerweile getrennt.

Und plötzlich rauscht ein grüngekleideter Irrer auf einem Jet-Gleiter durch die Straßen der Stadt, ermordet die Konzernspitze der OSBORN-Corporation und wirft mit Bomben um sich. SPIDER-MAN greift beherzt ein und schlägt den Grünen in die Flucht.

HInter der Maske des grünen Irren verbirgt sich der Industrielle Norman Osborn verbirgt, Gründer der OSBORN-Werke, der von seinem Aufsichtsrat gerade entlassen worden war und Peter als väterlicher Freund unterstützt. Aber Norman Osborn weiß bald, dass Spider-Man eben jener Peter Parker ist, bester Freund seines Sohnes Harry, der sich – zu Peters Frust - in die rothaarige Mary Jane Watson verguckt hat.

Jetzt geht der Grüne aufs Ganze. Erst greift er Peters Tante May an und entführt dann Mary Jane auf die Spitze der Brooklyn-Bridge. Dort ober bringt er Spider-Man/Peter Parker in eine Zwickmühle …

Was zu sagen wäre

Sam Raimi wird dem Thema seines Films gerecht – abgewandelt heißt es: „Mit vielen Dollar-Millionen einen Kult-Comic zu verfilmen birgt eine große Verantwortung!“

Tobey Maguire macht seine Sache ganz gut

Tobey Maguire (Gottes Werk & Teufels Beitrag – 1999; Die WonderBoys – 2000) macht als Peter Parker keine so schlechte Figur. Mit dem Peter meiner Kindheit hat er zwar nichts zu tun. Andererseits sieht ein schüchterner Bücherwurm nun mal eher so aus, wie Maguire ihn darstellt, als wie die Comics ihn darstellten, die ich Mitte der 70er Jahre entdeckte. Kirsten Dunst mit rot gefärbten Haaren als Mary Jane Watson versprüht keinen Jota jener quirligen Energie, die ihr Comicvorbild auszeichnet. In ihrer sanften Pausbäckigkeit erinnert sie eher an die blonde Gwendolyn Stacy, die in den ersten 122 Ausgaben Peters Love-Interest war und dann vom Grünen Kobold ermordet wurde. Damals hießen die Comics noch „Die Spinne“ und wurden in Deutschland vom Hamburger Williams Verlag herausgegeben. Sie erschienen bei uns zeitversetzt um etwa zehn Jahre in den 1970er Jahren und spiegelten der deutschen Kernzielgruppe Teenager eine amerikanische Welt aus den frühen 60er Jahren wider.

Teaserplakat: Spider-ManWeil Gwendolyn Stacy, genannt Gwen, Tochter eines honorigen ehemaligen Police-Captains in den Neufassungen der Comicserie nicht mehr auftaucht, haben sich die Produzenten mit Mary Jane geholfen – die war in den Anfängen als Gegenentwurf zu Gwen eingeführt worden: ein rothaariger Feger, der keine Party auslässt und versucht, den schüchternen Peter aus der Reserve zu locken. In den späteren Weiterführungen der Serie heiraten die beiden und Mary Jane, die alle „M.J.“ rufen, wird ein gefeiertes Fotomodel.

Die größte Nummer ist „Daily Bugle“-Verleger J. Jonah Jameson, der von J.K. Simmons („Der Schakal“, 1997, Es begann im September, 2000, The Mexican, 2001) gespielt wird und mit seinem Bürstenhaarschnitt und den Zigarrenstumpen wirkt, wie aus den Comics in den Computer gescannt und auf 3D aufgeblasen - genial!

Tante May ist gütig, der Green Goblin wie Joker

Eine der wichtigsten Figuren im Spider-Universum ist Peters Tante May. Rosemary Harris („Tom & Viv“ – 1994, „Sunshine – Ein Hauch von Sonnenschein“ – 1999, The Gift – Die dunkle Gabe – 2000) ist etwas fülliger, als ihr gezeichnetes Vorbild, kann es an Herzenswärme aber jederzeit mit ihr aufnehmen. Onkel Ben, der naturgemäß nicht lange dabei war – der Film übernimmt hier die Comic-Story nahezu 1:1 – wirkt durch die altersweise Autorität Cliff Robertsons über seinen Tod hinaus. Das ist dem Comic damals nicht gelungen.

Willem Dafoe (Leben & Sterben in L.A. – 1985, Platoon – 1986, „Mississippi Burning“ – 1988, „Die letzte Versuchung Christi“ – 1988, Das Kartell – 1994, „Der englische Patient“ – 1996) spielt den Grünen Kobold und dessen Alter Ego Norman Osborn. Er – ebenso wie James Franco, der seinen Sohn Harry spielt und nicht nur aussieht wie James Dean, sondern diesen auch in einer HBO-Serie gespielt hat – hat äußerlich am wenigsten Ähnlichkeit mit seinem Comic-Vorbild. Aber das spielt keine Rolle! Dafoe spielt das „Werden zum Monster“, seine Dämonisierung sensationell. In einer Schlüsselszene kämpft er gegen sein Bild im Spiegel, das ihn mit hässlicher Fratze gleichsam anspringt. Da ist Dafoe der Superschurke, wie ich ihn mir wünsche. Die Maske des Kobolds hingegen ist eine große Enttäuschung: ein grüner, fratzenhaft gestalteter Helm mit starrer Physiognomie. Das ist billig in Zeiten, in denen George Lucas per Computer ganze Horden von Soldaten inklusive Falten im Gesicht, Rostflecken und Kratzern auf die Leinwand lässt. Manchmal wirkt Willem Dafoe, wie der wahnsinnige Bruder des „Joker“ aus den BATMAN-Filmen.

Danny Elfman zitiert seinen BATMAN-Score

Auch der Vorspann-Titel erinnert sehr an den 1989er-BATMAN. Das liegt vor allem an der Musik und wundert dann nicht mehr, wenn unter „Music“ Burtons Haus- und Hofkomponist Danny Elfman genannt wird. Statt aus dem Superhelden im Gummikostüm einen gutwilligen Psychopathen mit Netzstrümpfen zu machen, bleibt Sam Raimi den ethisch-moralischen Grundsätzen Spider-Mans treu. Da wirkt sogar das blau-rote Kostüm nicht lächerlich und wenn sich die Skyline in den weißen Augenschalen widerspiegelt, dann bekommt das Ganze sogar mythischen Reiz.

Im Comic versprüht Spider-Man seine Allzweckwaffe, die klebrige Netzflüssigkeit aus eigens angefertigten Düsen am Handgelenk. Im Film öffnen sich Venen im Handgelenk; die Netzflüssigkeit produziert sein Körper. Regisseur Raimi (Armee der Finsternis – 1992; Tanz der Teufel – 1981) erklärt, es sei im modernen Kino nicht glaubwürdig zu verkaufen, dass ein verschüchterter Schüler eine Flüssigkeit erfindet, die alle großen Labors dieser Welt nicht hinbekommen, obwohl sie sich damit eine goldene Nase verdienen würden. Da ist was dran. Und so baut Raimi eine Szene ein, in der Peter all seine Fähigkeiten ausprobiert – Schwingen, Springen, Wände-hoch-Krabbeln – und hilflos mit seinen Händen herumfuchtelt, um herauszubekommen, wie sich denn nun diese Flüssigkeit aus dem Handgelenk verschießen lässt. Kurz darauf klatscht er beim ersten Schwung am Netz gegen eine Plakatwand.

Kompilation verschiedener Hefte

Die Story ist ein Kompilation vor allem aus „Die Spinne, MARVEL-Comic #1“ und „Die Spinne, MARVEL-Comic #122 + #123“: Peter Parker verändert sich und erlebt (im Film) den Showdown auf der Brücke im Kampf gegen den Kobold um das Leben Mary Janes – in den Comics leitete dies einst das Ende Gwendolyn Stacys ein. Genug Stoff für ordentlich Action. Die privaten, also ruhigen Szenen mit Peter, seiner Familie, seinen Freunden und dem Verleger des „Daily Bugle” fallen dagegen nicht ab! Das mag daran liegen, dass Tobey Maguire, Kirsten Dunst, Willem Dafoe, James Franco, Cliff Robertson (Flucht aus L.A. – 1996; Schwarzer Engel – 1976; Die 3 Tage des Condor – 1975), Rosemary Harris und J.K. Simmons gut gewählte Fixsterne im MARVEL-goes-to-the-Movies-Universum sind.

Einzig Spideys Schwünge durch die Straßenschluchten Manhattans sind gewöhnungsbedürftig und manchmal nur mit einem „Na ja, das geht halt wohl nicht besser“-Schulterzucken zu ertragen. Komplett im Computer entstanden, müssen wir uns ein ums andere Mal mit einer ungleichmäßig zuckelnden, unsauber choreografierten Pixel-Gestalt zufriedengeben. Das fällt dann leicht, wenn wir uns statt dessen daran freuen, dass Sam Raimi alles versucht hat, die Bewegungen und Körperhaltungen seines Helden aus den Comicvorlagen en detail zu übernehmen. Das muss man erst einmal schaffen.

Wertung: 4 von 6 €uro
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