Kinoplakat: Sommer in Orange
Herzig-gute Völkerverständigung
mit Generationenkonflikt
Titel Sommer in Orange
Drehbuch Ursula Gruber + Georg Gruber
Regie Marcus H. Rosenmüller, Deutschland 2011
Darsteller Amber Bongard, Petra Schmidt-Schaller, Oliver Korittke, Georg Friedrich, Chiem van Houweninge, Brigitte Hobmeier, Béla Baumann, Daniel Zillmann, Thomas Loibl, Bettina Mittendorfer, Florian Karlheim, Wiebke Puls, Heinz Josef Braun, Gundi Ellert, Daniela Holtz, Thomas Wittmann, Daniel Brunner, Carla Sprenger u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
18. August 2011
Inhalt

Deutschland, Anfang der 1980er Jahre: Es ist die große Zeit der Friedensbewegung. Die Terroristen der RAF treiben noch ihr Unwesen. Eine Gruppe Sannyasins zieht von Berlin auf einen Bauernhof in Talbichl, einer kleinen Gemeinde in Oberbayern. Den Hof hat einer von ihnen, Siddharta, von der Oma geerbt. Die Gruppe plant, dort ein Therapiezentrum zu eröffnen.

Die Dorfbewohner begegnen den Neuankömmlingen reserviert, finden die orangene Kleidung, ihre Meditationsrituale und die Freizügigkeit, mit der sie auch nackt durchs Gras tanzen, eher fremd. Siddharta, der den Hof geerbt hat, lebt aktuell in einer Beziehung mit Amrita und deren beiden Kindern, die sie mit einem anderen Mann hat, der längst seiner Wege gegangen ist. Die Kinder, Lili (13) und Fabian (8), die durch den Umzug alle ihre Freunde verloren haben, finden sich in der Dorfgemeinschaft zunächst überhaupt nicht zurecht.

Anders, als die Erwachsenen, die sich wenigstens untereinander haben, sind Menschen im Alter von Lili und Fabian alles … Lederhosenträger, die Dialekt sprechen und gemein sind. Und mit der autoritären Ordnung in der Schule hat es Lili auch nicht so. Schnell ist sie in Talbichl die Außenseiterin, die man herumschubst. Lili, die ohnehin mit dem Sannyasin-Kram nicht so viel anfangen kann, wie ihre Mutter, passt sich der Kleidung und den Ritualen der Dorfbewohner an, während sie zuhause weiterhin den alternativen Lebensstil ihrer Wohngemeinschaft pflegt.

Lili fühlt sich von ihrer Mutter vernachlässigt, da Amrita dauernd mit ihren persönlichen Problemen beschäftigt ist und sich zum Bhagwan-Vertrauten Prem Bramana hingezogen fühlt. Siddharta reagiert auf diese Beziehung ebenso eifersüchtig wie das Kommunenmitglied Gopal, als sich dessen neuer Schwarm Leela mit dem örtlichen Postboten einlässt. Bei einem Dorffest kommt es zum offenen Konflikt zwischen den verschiedenen Gruppen und Personen …

Was zu sagen wäre

Wunderbar leichtfüßig. Eine fish-out-of-water-Komödie über dem Durchschnitt, die allerdings erst in den letzten 20 Minuten an Fahrt gewinnt. Vorher sieht man ihr den Zorn der Autoren auf die realen Vorbilder ihrer Geschichte an - das ist nicht lustig-machen, was Ursula und Georg Gruber da geschrieben haben, das ist verarbeitete Verzweifelung, der Regisseur Rosenmüller den notwendigen Kick Ironie beigegeben hat und dann zwei Kulturen aufeinander loslässt.

Wenn die orange gewandete Lily zum ersten Mal in ihre neue Schulklasse kommt, sitzen da lauter Kinder in fast farblosen Klamotten - graublau, graurosa, graugelb,graubeige, graupastell … Im Laufe des Films werden die Kinder bunter und die Sannyasins, die sich als spießiger und misstrauischer herausstellen, als die vermeintlich so verbohrten Dörfler, immer blasser. Die Sympathien von Buch und Regie liegen augenscheinlich bei den Talbichlern, bei denen der Bürgermeister und ein, zwei andere ein bisschen verbohrt rückständig sein dürfen und erst durch Fehler lernen müssen, andere aber neugierig sind auf die Neuen im Dorf.

Und am Ende steht der Traum von der großen Völkerverständigung, geleitet durch die normative Kraft der Vernunft.

Wertung: 5 von 7 €uro