Plakatmotiv: Ipcress – Streng geheim (1965)
Britischer Agent zwischen Killern
und unglamourösem Büroalltag
Titel Ipcress – Streng geheim
(The Ipcress File)
Drehbuch Bill Canaway + James Doran
nach dem gleichnamigen Roman von Len Deighton
Regie Sidney J. Furie, UK 1965
Darsteller Michael Caine, Nigel Green, Guy Doleman, Sue Lloyd, Gordon Jackson, Aubrey Richards, Frank Gatliff, Thomas Baptiste, Oliver MacGreevy, Freda Bamford, Pauline Winter, Anthony Blackshaw, Barry Raymond, David Glover, Stanley Meadows u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 109 Minuten
Deutschlandstart
2. Juli 1965
Inhalt

London in den 1960er Jahren: Das Leben eines Geheimagenten im Dienst der britischen Regierung ist nicht unbedingt aufregend. Morgens wacht man mit zerwühlten Haaren in seiner kleinen Wohnung auf, die man mit seinem kargen Gehalt sich gerade so leisten kann, um dann mal wieder einen langweiligen Tag mit einer Observation zu verbringen.

Das ist der Tagesablauf von Harry Palmer, der allerdings kein ganz gewöhnlicher Agent ist. Denn seine Vorgesetzten sind nicht unbedingt zufrieden mit ihm. Attribute wie arrogant, anmaßend, renitent und undurchsichtig finden sich in seiner Personalakte, auch kriminelle Neigungen werden dort vermutet. Von Befehlen, stramm stehen und „Ja“-Sagen hält Palmer sowieso nicht viel.

Als er also wieder mal zu seinem Vorgesetzten, Colonel Ross, zitiert wird, wappnet sich Palmer für einen weiteren Anschiss. Aber Ross versetzt ihn nur in eine andere Einheit. „Ist das eine Beförderung, Sir?“ „Wenn Sie so wollen? Ja.“ Ross befiehlt ihm, zu einer kleineren Spionageabwehr-Einheit unter Leitung von Major Dalby zu wechseln. Palmer ersetzt dort einen Agenten, der bei dem Versuch, die Entführung des britischen Atomphysikers Radcliff zu verhindern, getötet wurde. Zu Dalbys Team gehören die junge Jean Courtney, die von Palmer – zunächst scheinbar einseitig – beäugt wird, und der freundliche Jock Carswell. Dalby beauftragt sie, eine Person albanischer Herkunft namens Grantby sowie dessen rechte Hand Housemartin zu finden. Dalby glaubt, bei der Entführung ginge es um Lösegeld, und Grantby wäre der Drahtzieher.

Plakatmotiv (UK): Ipcress – Streng geheim (1965)Trotz einer Menge unnötiger Bürokratie kann Palmer durch einen Kontakt bei Scotland Yard Grantby und Housemartin aufspüren, doch die beiden überlisten ihn und entkommen. Kurz darauf erfahren Carswell und Palmer, dass Housemartin verhaftet worden ist, aber als sie das Polizeirevier erreichen, finden sie ihn nur noch tot vor. Er wurde von jemandem, der sich als Harry Palmer ausgab, liquidiert. Bei der Durchsuchung der Lagerhalle, in der Housemartin aufgegriffen wurde, findet man nur ein loses Tonband mit der Beschriftung „Ipcress“. Auf dem Band ist eine verstörende Geräuschkulisse.

Grantby wird kontaktiert, und die Übergabe von Atomphysiker Radcliff für 25.000 Pfund Sterling wird vereinbart. Tage später wird klar, dass Radcliff mental schwer Schaden genommen hat und nicht mehr als Wissenschaftler eingesetzt werden kann. Carswell hat derweil herausgefunden, dass Radcliff einer Gehirnwäsche unterzogen wurde.

Dann überschlagen sich die Ereignisse: Carswell wird mit Palmer verwechswelt und erschossen, Carswells „Ipcress“-Akte, in der 16 weitere behandelte Wissenschaftler aufgeführt sind, verschwindet aus Palmers Schreibtisch und in seinem Apartment findet er die Leiche eines CIA-Mannes. Offenbnar will ihm jemand Mord und Verrat in die Schuhe schieben …

Was zu sagen wäre

Produktion: Harry Saltzmann, Musik: John Barry, Set-Design: Ken Adam, Bildschnitt: Peter Hunt – das Setting: der britische Geheimdienst. Es ist, als hätten Familienmitglieder des Kino-James-Bond versucht, ihrem Agenten mal den Eskapismus auszutreiben zugunsten britischer Bürokratie.

Herausgekommen ist Harry Palmer: blond, Brillenträger, eher kühl als charmant und schlägt sich mit dem täglichen Formular-Irrsinn einer Behörde herum. Kommt es zu einer Schlägerei, bleibt die Kamera auf Abstand, konstatiert nüchtern statt lüstern Palmers Überlegenheit. Anders als Connery den charming Bond, James Bond, spielt Michael Caine seinen Harry Palmer unterkühlt, er wirkt unzugänglicher. Palmer kocht gerne, hört klassische Musik und arbeitet nur deshalb für den Geheimdienst, weil dieser ihn wegen Schiebereien aus der Kriegszeit erpresst.

Ken Adam hält seine Settings betont nüchtern, unglamourös, weit weg von jenen Giga-Bauten, die er den Bond-Schurken spendiert. Extravagant dafür geriert sich Otto Hellers Kamera, die der gerne schräg aufs Stativ stellt, im Anschnitt Lampenschirme, Ventilatoren, Schlüssellöcher – Regisseur Sidney J. Furie scheint ganz verliebt in Bilder aus extremer Perspektive, Menschen filmt er gerne aus Trottoir-Untersicht.

Die Story kommt nur langsam in Gang, betont nüchtern baut Furie seinen Agentenfilm auf, der eher Drama ist als Thriller. Langsam entfaltet sich die Geschichte zweier rivalisierender Dienste und eines gut gekleideten Herrn, der irgendwie im Wissenschaftler-entführen-und-gegen-Lösegeld-frei-lassen-Business arbeitet, in dessen Zusammenhang dann dass titelgebende Ipcress in bester Alfred-Hitchcock-Tradition als MacGuffin durch den Film geistert, dessentwegen sympathische Agenten und unsympathische Killer ihr Leben lassen.

Ein vor allem wegen der Kameraeinstellungebn und wegen Michael Caines unverbrauchter Roheit ist der Film sehenswert. Er bekam zwei Fortsetzungen.

Wertung: 6 von 8 D-Mark