Kinoplakat: Shank
Beunruhigender Blick
in eine nahe Zukunft
Titel Shank
(Shank)
Drehbuch Paul Van Carter
Regie Mo Ali, UK 2010
Darsteller Kedar Williams-Stirling, Adam Deacon, Ashley Bashy Thoma, Michael Socha, Jan Uddin, Kaya Scodelario, Jennie Jacque, Rheanne Murray, Jerome Holder, Colin Salmon, Terry Stone, Robbie Gee, Luke de Woolfson, Robert Fucilla, Eddie Kadi u.a.
Genre Drama
Filmlänge 90 Minuten
Deutschlandstart
21. August 2010 (nur: Hamburg Fantasy Filmfest)
Website shankthefilm.com
Inhalt
London 2015: Die soziale Gesellschaft funktioniert nicht mehr. Alle staatlichen Einrichtungen, die Armut bekämpfen oder lindern sollen, wurden privatisiert, also quasi abgeschafft. Während sich die wohlhabende Bevölkerung in bewachten Sicherheitsgebieten verschanzt, ist der Alltag der meisten Menschen in den Slums bestimmt vom Kampf um Essen und ein gelegentliches Dach über dem Kopf. Arbeit gibt es nicht. Schulen auch nicht. Jugendliche leben vom schnellen Deal mit gestohlener - oder gefundener - Ware. Ausschlaggebend ist, welcher Gang man angehört und wie viel Respekt man genießt.

Rager ist der Anführer der Paper Chaserz - sie haben sich der Jagd nach dem „Papier”, nach Geldscheinen verschrieben. Während eines eskalierenden Streits wird er von einer rivalisierenden Gang ermordet. Die übrigen Paper Chaserz wollen Rache - allen voran der erst 14-jährige Junior, Ragers Bruder. Die Chazers gehen auf Feldzug und suchen Verbündete bei den anderen Gangs …
Was zu sagen wäre

Ein in Hip-Hop-Style erzählter Film. Das Skelett der Story - die Geschichte einer Rache - ist uninteressant. Zumindest nicht neu. Wir kennen das aus zahllosen Banden-Filmen: Ein Mitglied stirbt, die anderen sinnen auf Rache oder sind gar verpflichtet dazu, zwischendurch wird diskutiert, wie man denn diesen „Kreislauf der Gewalt” mal durchbrechen kann und am Ende gibt es Tote. Das ist in „Shank” nicht anders.

Interessant wird der Film durch sein Setting: Eine westeuropäische Großstadt in wenigen Jahren, die offenbar hauptsächlich aus Slum und Straßenschlacht besteht - Nutten bieten ihre blanken Brüste zur Schau, ein Obdachloser kackt auf belebter Straße in den Rinnstein, junge Leute rauben Wehrlose aus, die auch schon nichts haben. Die westeuropäische Großstadt ist London, die Welthauptstadt der Börsenzocker. Wenn man sich ansieht, in Nachrichten und gelegentlichen TV-Reportagen, wie die Zockermentalität an den Börsen, wie die Schuldenpolitik in den Regierungspalästen die Menschen in Scharen in die Obdachlosigkeit zwingen, ist dieses London 2015 plötzlich gar nicht mehr so abstrakt und weit weg.

Regisseur Mo Ali schneidet den Film wie einen Musicclip, nimmt ihm fast alle Farbe und macht die Slums dadurch asch-grau. Er nutzt Soundeffekte zum Szenenwechsel und springt zwischendurch in die Grafik eines Computerspiels, um seine Geschichte zu erzählen. Das ist nicht in jedem Moment ganz nachvollziehbar, zwingt aber den Zuschauer, sich neu zu sortieren und die Charaktere neu einzuordnen.

Dieser Jugend sind die Träume nach Romanzen im Sonnenuntergang längst ausgetrieben: Im London des Jahres 2015 herrscht die Mentalität des Ego-Shooters - Er oder ich. So fiktional ist diese social fiction gar nicht.

Wertung: 4 von 6 €uro