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Kinoplakat: Shadow of the Vampire
Eine schwarze Blutsauger-Saga
über die hohe Kunst des Kinos
Titel Shadow of the Vampire
(Shadow of the Vampire)
Drehbuch Steven Katz
Regie E. Elias Merhige, UK, USA 2000
Darsteller John Malkovich, Willem Dafoe, Udo Kier, Catherine McCormack, Cary Elwes, John Aden Gillet, Eddie Izzard, Ronan Vibert, Nicholas Elliott, Sophie Langevin, Myriam Muller, Milos Hlavac, Marja-Leena Junker, Derek Kueter, Norman Golightly u.a.
Genre Drama, Horror
Filmlänge 92 Minuten
Deutschlandstart
21. Juni 2001
Inhalt

Im Osten Europas will Friedrich Wilhelm Murnau on location den größten und realistischsten Film aller Zeiten drehen: „Nosferatu“! Um sein Ziel zu erreichen, hat Murnau einen Darsteller für die Figur des Vampirs engagiert, der angeblich ein Schüler Stanislavskis ist und das Method Acting betreibt, sich also komplett in die Rolle des Graf Orlok hineinversetzt und nur kostümiert und geschminkt erscheint. In Wahrheit ist Max Schreck, der angebliche Schauspieler, ein echter Vampir.

Die Crew ist ahnungslos, erfährt nur, dass Schreck seine Rolle so ernst nimmt und man ihn deshalb niemals bei Tageslicht antreffen wird. Die ersten Aufnahmen sind phänomenal, doch schon bald beginnen die ersten Mitglieder des Teams, sich auffallend schwindelig und blutleer zu fühlen. Bald hat man den ersten Toten zu beklagen. Eine unter-der-Hand-Abmachung zwischen Regisseur und Hauptdarsteller war, dass Schreck als Gage für seine Leistungen das Blut der Hauptdarstellerin Greta Schröder bekommen sollte – nicht das des ganzen Filmteams. Aber längst ist es zu spät für eine Umkehr.

Murnau weiß, dass ein Künstler Opfer bringen muss – auch wenn sich „Nosferatu“ als Angelegenheit auf Leben und Tod entpuppt …

Was zu sagen wäre

Ein Regisseur geht für den gewünschten Realismus über Leichen, ein unsterblicher Vampir tut alles für den unsterblichen Ruhm – und der Vampir in einem der, wenn nicht dem wegweisenden Vampirfilm ist tatsächlich einer. E. Elias Merhiges Film nach einem Script von Steven Katz trieft vor boshafter Ironie und bearbeitet eine sehr interessante Idee.

Kinoplakat: Shadow of the Vampire

Weit allerdings trägt diese Idee nicht; sie versandet irgendwo zwischen Szenen in den Karpaten und Szenen in Wismar. Wenn das Team merkt, was los ist, sitzen lediglich noch Zuschauer im Kinosessel, die sich an den wunderschönen Bildern von Lou Bogue ergötzen, die ständig zwischen satten Sepia-Braun-Tönen und grobkörnigem Schwarzweiß wechseln. Mehr als diese Idee, dass nur ein echter Vampir diesen Nosferatu hat spielen können, dazu ein eitler, der auf das Blut der Hauptdarstellerin scharf ist, unter der Regie eines Verrückten, hat die Story nicht.

Der Film allerdngs hat dann noch einen gut gelaunten, spielfreudigen Willem Dafoe als Vampir und einen ölig smoothen John Malkovich (Johanna von Orleans – 1999; Being John Malkovich – 1999; Der Mann in der eisernen Maske – 1998; Con Air – 1997; Mary Reilly – 1996; In the Line of Fire – 1993) als F.W. Murnau. Das ist für einen gelungenen Kinoabend entschieden zu wenig. Aber für Freunde der Kinematheken ist der Film ein Fest, eine Augenweide und obszöne Komödie.

„Shadow of the Vampire“ ist der erste Film von Nicolas Cages Produktionsfirma Saturn Films. Zu gleichen Teilen düsterer Horrorfilm, Hommage an die goldene Ära des Stummfilms, pechschwarze Komödie und Meditation über die Opfer, die man für Kreativität bringen muss.

Malkovich und Dafoe (American Psycho – 2000; „eXistenZ“ – 1999; Speed 2: Cruise Control – 1997; Der englische Patient – 1996; Das Kartell – 1994) laufen zu großer Form auf – Willem Dafoe wurde mit einer Oscar-Nominierung belohnt. In seinem zweiten Spielfilm stellt E. Elias Merhige witzig und schwarzhumorig unter Beweis, dass der größte Blutsauger aller Zeiten das Kino selbst ist.

Wertung: 6 von 11 D-Mark
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