Kinoplakat: Secretary
Die Filmfestspiele der
Maggie Gyllenhaal
Titel Secretary – Womit kann ich dienen?
(Secretary)
Drehbuch Erin Cressida Wilson + Steven Shainberg
nach der Kurzgeschichte von Mary Gaitskill
Regie Steven Shainberg, USA 2002
Darsteller

Maggie Gyllenhaal, James Spader, Jeremy Davies, Lesley Ann Warren, Stephen McHattie, Patrick Bauchau, Jessica Tuck, Osgood Perkins, Amy Locane, Mary Joy, Michael Mantell, Lily Knight, Sabrina Grdevich, Lacey Kohl, Julene Renee u.a.

Genre Drama, Romantik
Filmlänge 104 Minuten
Deutschlandstart
25. September 2003
Website secretarythemovie.html
Inhalt

Lee Holloway, eine junge Frau, wird aus einer psychiatrischen Klinik entlassen, in die sie wegen Suizidverdachts eingewiesen wurde. Ihrer Meinung nach handelt es sich um ein Missverständnis, da sie zwar zur Selbstverletzung neige, sich aber keinesfalls habe umbringen wollen. Nach ihrer Entlassung bekommt sie eine Anstellung als Sekretärin bei Rechtsanwalt E. Edward Grey, dessen vorherige Sekretärin gerade unter Tränen ihren Arbeitsplatz räumt.

Zwischen den beiden entwickelt sich eine dominant/submissive Affäre, die Holloway zur Aufgabe ihrer Selbstverletzungsanfälle veranlasst. Als sich die sexuelle Spannung der Beziehung im Büro entlädt, sucht Grey den Abstand. Die gekündigte Holloway flüchtet sich in eine halbherzige Beziehung mit Peter, einem Bekannten aus Highschool-Zeiten. Eine Hochzeit wird geplant, jedoch kann der Verlobte ihre neu entdeckten sexuellen Wünsche nicht erfüllen.

Holloway kehrt noch im Brautkleid zu Grey zurück. Aber so einfach ist die Liebe zwischen Zwanghaften nicht …

Was zu sagen wäre

Dieser Film feiert Maggie Gyllenhaal (Unterwegs mit Jungs – 2001; „Donnie Darko“ – 2001; „The Photographer“ – 2000). Oder anders formuliert: Maggie Gyllenhaal ist dieser Film. „Secretary“ ist ein zunächst unzugänglicher Film – da ist eine irgendwie psychisch Gestörte, eine dysfunktionale Familie, die immerhin erklärt, warum die Hauptfigur psychisch gestört ist, und da ist ein ordentlich gestörter Anwalt, ein Pedant, ein zwanghaft Gesteuerter.

Kinoplakat (US): SecretaryMaggie Gyllenhaal muss auf die Knie gesunken sein vor Dankbarkeit für diese Rolle. Sie bietet einer Schauspielerin die Möglichkeit, alle Facetten ihrer Kunst zu zeigen. Und Gyllenhaal zeigt alles, entblättert sich buchstäblich, zeigt eine Frau auf der Suche – auf der Suche nach ihrem Weg … auf der Suche nach dem Zugang … dem Zugang zu dem Mann, der sie erlöst. Aber nicht erlöst aus einem gestrengen Elternhaus, sondern erlöst aus ihrer persönlichen Verklemmung. Das kann nur einer tun, der selbst verklemmt ist – James Spader gibt ihm bedrohliche Züge (2 Tage in L.A. – 1996; Stargate – 1994; „Sex, Lügen und Video“ – 1989; Wall Street – 1987; Mannequin – 1987; Pretty in Pink – 1986), spielt diesen Pedanten gut, kann aber gegen die Überstahlung durch Mrs. Gyllenhaal nicht an.

Es ist eine bizarre Romanze, die Steven Shainberg erzählt, eine zwischen einer Masochistin und einem, naja, Sadisten und lange Zeit kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier jemand eine Altherrenfantasie verfilmt, aber erstens ist Shainberg erst 39 Jahre alt, zweitens gibt es durchaus auch solche Romanzen und drittens verhindert Maggie Gyllenhaal das Abgleiten in intellektuellen Pseudoporno durch ihr fein dosiertes Spiel – in diesem Film ist sie Opfer, Engel, Getriebene, Verlorene, Glückliche, Liebende, Verschlagene; sie ist wunderbar.

<Nachtrag 2016>„Secretary“ ist eindeutig kein Film für nebenbei. Wer sich auf die Nuancen nicht einlassen kann, weil er nebenher kochen muss (oder sowas), erliegt nicht dem Charme der Zwischentöne und wird von dieser absonderlich langsamen Personenbeobachtung. Wer aber ausharrt, wird reich belohnt mit wunderbaren Bildern, einem atemlos guten supporting Cast – und ziemlich schrägem Witz.</Nachtrag 2016>

Wertung: 5 von 6 €uro