Kinoplakat: Scream 3
The Final Chapter
Neue Regeln 
Titel Scream 3
(Scream 3)
Drehbuch Ehren Kruger
mit Charakteren von Kevin Williamson
Regie Wes Craven, USA 2000
Darsteller

Neve Campbell, Courtney Cox Arquette, David Arquette, Parker Posey, Jenny McCarthy, Patrick Dempsey, Scott Foley, Matt Keeslar, Deon Richmond, Emily Mortimer, Lance Henriksen, Josh Pais, Heather Matarazzo, Liev Schreiber u.a.

Genre Horror
Filmlänge 116 Minuten
Deutschlandstart
22. Juni 2000
Inhalt

Ihr habt gelacht. Ihr habt geschrien. Und jetzt … seid Ihr dran!

Sidney hat das College verlassen, ist irgendwo in die Hollywood-Hills geflohen und hat sich weggesperrt. Sie lebt mit Hund, Alarmanlage und Telefon, jobbt in der Telefonseelsorge, hilft verzweifelten Mädchen und Frauen. So erfährt sie nur durch Zufall von den Morden.

Die TV-News berichten ausführlich über zwei Morde am Set des Film „Stab 3 - Rückkehr nach Woodsboro“. Gale Weathers, die TV-Reporterin wird vom LAPD an den Tatort gerufen, gilt sie doch als ultimative Expertin in Sachen Woodsboro.

Klar, dass sich Gale nicht lange bitten lässt. Womit sie indes nicht gerechnet hat, ist, ihre alte Flamme Dewey Riley wiederzutreffen, der bei „Stab 3” als Berater arbeitet und sich mit Schauspielerin Jennifer Jolie angefreundet hat – pikanterweise die Schauspielerin, die in beiden „Stab“-Filmen Gale Weathers gegeben hat.

Der ermittelnde Detektiv am Set, Mark Kincaid, bemerkt, „noch 10 solcher Morde, und wir können einen Kalender draus machen!“ Er soll seinen Kalender kriegen. Die Morde unter den Schauspielern gehen weiter, schließlich müssen die Dreharbeiten abgebrochen werden. Nicht nur ist die Crew dezimiert, auch wäre es ja doch pietätlos, einfach weiterzumachen. Die „Maske des Todes“ leistet ganze Arbeit.

Weil in jeder neuen Leiche ein Foto von Maureen Prescott, der vor Jahren gemeuchelten Mutter von Sidney steckt, stellen sich offensichtliche Fragen. Und dann klingelt Sidneys Telefon. Jemand hat ihre Tarnidentität aufgedeckt, ihr selbstgewähltes Exil gefunden.

Jemand hat sie gefunden.

Und also zieht Sidney Prescott ihre Lederjacke an und macht sich auf den Weg. Mit Dewey, Gale und der Polizei will sie dem Treiben ein Ende bereiten. Ein für alle Mal. Als sie der „Maske des Todes“ gegenübersteht, sagt sie: „Du willst mich? Dann komm und hol' mich!“ …

Was zu sagen wäre
Teaserplakat: Scream 3

Nach zehn Minuten ist ein prominenter Name auf der Besetzungsliste tot. Die Handlung spielt diesmal auf und rund um das Sett der Dreharbeiten zum dritten Teil der „Stab“-Filme, was den Hauptfiguren ausführlich Gelegenheit gibt, Film-Regeln zu zitieren und Film-im-Film-Gags zu machen.

Wes Craven bleibt seinem Scream-Muster treu. Das ist gut. Aber diesmal lässt er die Kritik an Medien, die die Jugend korrumpieren und mit falschen Vorbildern füttern außen vor. Und seine Figuren erklären die Abwandlung von der Norm sogar: Ein alter Bekannter meldet sich per Videocassette, die man in seinem Nachlass fand, zurück und erklärt: „Sollte es jemals weitergehen mit den Morden – und wenn Ihr diese Cassette seht, dann geht es offenbar weiter – dann ist dies keine Fortsetzung, sondern der dritte Teil einer Trilogie!“ Aber ein dritter Trilogie-Teil folgt anderen Gesetzen, wie wir seit Der Pate III und Jedi wissen. Es ist dies das „Final Chapter“:

- Auch Hauptdarsteller gelten nicht mehr als untötbar.
- Die bekannte Vergangenheit kann völlig auf den Kopf gestellt werden.
- Das „Böse“ ist übernatürlich! Quasi also un-kill-bar!
Das ist ein geschickter Schachzug, mit dem Wes Craven seine Serie aus dem Allerwelts-Horror heraus hebt, bei dem das Motiv des jeweiligen Killers reine Nebensache ist. Hier bleibt es Hauptsache und deshalb kann sich der Popcorn mampfende Horrorprofi nicht einfach zurücklehnen und kauen, weil es „eh wieder dasselbe ist“. Der neue Ghostface hat andere, familiäre, Gründe zu morden, – was für den Zuschauer nicht lange ein Geheimnis ist.

Zeit für die Cravens Medienkritik bleibt dennoch – indem er ausgebrannte Fließband-Horrorproduzenten Filme für abgestumpfte Filmkonsumenten produzieren lässt und allgemein die Traumfabrik Hollywood zur kollektiven Bumsbude erklärt, in der sich durchsetzt, wer sich flachlegen lässt, um dann Produkte für Bumsbuden-Köpfe zu erzeugen. Unter anderem erklärt Carrie Fisher in diesem Film, sie habe die Rolle der Princess Leia schon fast sicher gehabt, aber dann habe diese Carrie Fisher mit George Lucas geschlafen. Carrie Fisher spielt in „Scream 3“ eine Archivarin des Filmstudios namens Bianca.

So richtig vom Hocker reißt der dritte Teil – nach den beiden grandiosen, selbstreferentiellen Medien-Satiren zuvor – nicht mehr. Die Filmstudio-Umgebung sorgt für ein paar gelungene Szenen und es macht immer Spaß, erfolgreichen Filmemachern dabei zuzuschauen, wie sie sich über ihr eigenes Metier lustig machen – wären sie nicht erfolgreich, fänden sie dafür keine Geldgeber, weil sie erfolgreich sein, finden sie freigiebige Geldgeber. Und sie finden viele bekannte Namen, die gerne mitspielen wollen. Die Liste der Gastauftritte – Roger Corman, Kevin Smith, Jason Mewes (das sind die beiden, die hinter „Clerks – Die Ladenhüter“ – 1994 stehen), Carrie Fisher, Emily Mortimer, Lance Henriksen, Patrick Dempsey – ist beeindruckend für einen Genrefilm aus der Halloween-Ecke.

Und natürlich sind da die Hauptfiguren, die ja alle immer noch sympathisch sind und sich hier mit ihren Film-Alter-Egos auseinandersetzen und dabei ihre eigene Rolle in dem Slasherdrama im Film des Films hinterfragen. Das ist für das Slasher-Genre nahezu sophisticated.

Die Dreharbeiten zu „Scream 3“ starteten im Juli 1999 unter strenger Geheimhaltung. Der dritte Part deckt die Zusammenhänge der vergangenen Morde auf: Reicht die Spur der Verbrechen bis zu dem Mord an Sidneys Mutter, Maureen Prescott, zurück?

Wertung: 9 von 11 D-Mark