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Plakatmotiv: Die Schöne und das Biest
Effektreiche Neuverfilmung
der neue Ideen fehlen
Titel Die Schöne und das Biest
(Beauty and the Beast)
Drehbuch Stephen Chbosky + Evan Spiliotopoulos
nach dem Drehbuch zum 1991er-Trickfilm von Linda Woolverton Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve + Jeanne-Marie Leprince de Beaumont
Regie Bill Condon, UK, USA 2017
Darsteller

Emma Watson, Gabrielle Pietermann, (Julia Milena Scheeser), Dan Stevens, Sascha Rotermund, Luke Evans, Jaron Löwenberg, (Stefan Thomas), Josh Gad, Manuel Straube, Kevin Kline, Joachim Tennstedt, Ian McKellen, Ben Hecker, Ewan McGregor, Philipp Moog, (Thomas Amper), Emma Thompson, Marina Köhler, (Marion Martienzen), Gerard Horan, Hans Hohlbein, Ray Fearon, Tobias Schmidt, Rudi Goodman, Florian Nyncke u.a.

 

aufgeführt sind neben den Stimmen/Schauspielern der Originalfassung auch die deutschen Synchronstimmen sowie in Klammern die deutschen Gesangsstimmen

Genre Märchen
Filmlänge 129 Minuten
Deutschlandstart
16. März 2017
Inhalt

Die anmutige und lebensfrohe Belle lebt mit ihrem alten Vater Maurice, einem Erfinder, ein beschauliches Leben in einem kleinen französischen Dorf. Die Avancen von Schönling Gaston wehrt sie geschickt ab und vergräbt ihre Nase viel lieber in Büchern – was in dem kleinen Dorf auf Befrenden stößt. Doch diese Idylle wird jäh gestört, als ihr Vater auf einer Handelsreise in die Fänge eines unheimlichen Schlosshern gerät, der sich als großes, gehörntes Biest entpuppt.

Um ihn zu retten, bietet Belle ihr Leben im Austausch gegen das ihres Vaters an. Von finsteren Befürchtungen begleitet, tritt sie ihren Weg in das mysteriöse Schloss an, doch erwartet sie dort etwas ganz anderes als vermutet – nicht etwas Böses, sondern ein Ort voller Magie, Freude und Melancholie. Belle und das Biest kommen sich mit der Zeit sogar näher und so findet sie auch bald heraus, dass nicht nur auf dem Gemäuer, sondern auch auf Bewohnern desselben ein dunkler Fluch lastet und das Biest in seiner nun wilden und einsamen Gestalt einst ein schöner Prinz war …

Plakatmotiv: Die Schöne und das Biest

Was zu sagen wäre

Erkenne Dich selbst. Folge Deinem Herzen. Die wahre Schönheit kommt von Innen. Dieser Dreisatz ist so etwas wie der moralische Markenkern der Familienfilme aus den Disney-Studios. Mehre Dein Guthaben. Beute erfolgreiche Stoffe gewinnbringend aus. Dieser Zweisatz beschreibt das Geschäftsprinzip des größten Filmkonzern im Herzen der Filmmetrople Los Angeles. Und da ist auch nichts gegen zu sagen. Seit die digitale Tricktechnik keine technischen Grenzen mehr setzt, hat Disney begonnen, seine Erfolge als Realfilm neu zu drehen, wobei der Begriff „Realfilm“ eine charmante Empathie ist. In der jüngsten Dschungelbuch-Version musste sich der junge Mowgli ausschließlich in Greenscreen-Kulisse bewähren und auch in Disneys neuer Beauty-and-the-Beast-Version ist außer Emma Watson so gut wie nichts echt – und selbst Miss Watson ist hier so überirdisch schön, dass man an SFX denken mag.

In der neuen Version stößt das „Real“-Film-Prinzip an seine Grenzen. Unter den Trickfilmen gehört Beauty & the Beast zu den schönsten Disneyfilmen überhaupt. Nun haben Bill Condon und seine Autoren an dem Erfolgsfilm von 1991 kaum etwas verändert, auch die Gesangseinlagen sind geblieben. Belles Vater Maurice, den immerhin Kevin Kline spielt (Last Vegas – 2013; Freundschaft Plus – 2011; Die Lincoln Verschwörung – 2010; „Vielleicht, vielleicht auch nicht“ – 2008; „Robert Altman's Last Radio Show“ – 2006; Wild Wild West – 1999; In & Out – Rosa wie die Liebe – 1997; Der Eissturm – 1997; Wilde Kreaturen – 1997; French Kiss – 1995; Dave – 1993; „Chaplin“ – 1992; „Grand Canyon“ – 1991; „Lieblingsfeinde – Eine Seifenoper“ – 1991; „Im Zeichen der Jungfrau“ – 1989; „Ein Fisch namens Wanda“ – 1988; „Silverado“ – 1985; „Der große Frust“ – 1983; „Sophies Entscheidung“ – 1982), bekommt ein paar mehr Szenen, das Biest gibt Einblick in ein ehemaliges Familienleben und Belle erfährt, warum ihr vater damals die sterbende Mutter zurücklassen musste; diese Szenen stören nicht wirklich, bringen aber auch nichts, außer weiterer Gesangseinlagen. Da stehen dann schöne Frauen und behörnte Monster in klassischer Kulisse und intonieren Drama mit Noten. Wenn Lumiere zum Dinner „Be our Guest“ intoniert und Speisesaal, Geschirr, Rinderbraten und Cembalo zum großen Ballett zusammenfinden, rollt die Gänsehaut, weil der Zuschauer sofort wieder im Trickfilm von 1991 ist, in dem diese Szene einen der Höhepunkte darstellt. Dagegen hät die 2017er-Version nicht stand, im Gegenteil, fliegende Telle, kreiselnde Rinderbraten, Salti schlagende Leuchter und schwebende, verzauberte Bedienstete toben über die Leinwand, derweil die arme Belle etwas verloren am Tischkopf sitzt. Wo 1991 die Leinwand im farbenprächtigen Trickfilmgewitter explodiert, hängt Condon und seinen FX-Künstler die Schwerkraft des Realfilms wie ein Schwergewicht um den Hals – „Be our Guest“ 2017 hebt nicht ab. Dasselbe gilt für die zweite Prachtszene von 1991, der große Tanz von Belle und Beast im gro0ßen Ballsaal, bei dem die Disneykünstler 3D-Bilder erzeugten, lange bevor das zeitgenössische 3D-Brillenkino erfunden war, und „Kameraflüge“ inszenierten, die uns im Kinosessel die Augen übergehen ließen. Bill Condon gibt sich große Mühe, aber die Tanzszene 2017 hat kaum annähernd diese Strahlkraft.

Filme gegeneinander auszuspielen ist zwiespältig, schließlich haben Regisseure möglicherweise unterschiedliche Ansätze. Aber eben dies ist nicht der Fall. Condons Version wirkt in Teilen wie 1:1 abgefilmt. Neues ist es also nicht zu erwarten und also nur neu Inszeniertes. Aber da ist Disney dann doch Disney genug, um Bombast zu liefern. Das Studio hat seine besten Designer von der Kette gelassen, die prompt ein visuelles Feuerwerk zünden in einem vielseitigen Schloss mit sympathischen Nebenfiguren, bzw. Nebenmöbeln und -geschirr. Emma Watson, Kevin Kline und die Dorfbewohner singen, tanzen und intrigieren vor Greenscreen, den – fraglos – bombastischen Zauber erzeugen die Pixelkünster im Bauch des gigantischen Disney-Tankers.

Natürlich bleibt die Geschichte ein großartiges, farbenprächtiges Märchen über die Innere Schönheit, natürlich rollen im Kinosaal die Tränen – Disney bleibt immer Disney und wenn die Künstler dort etwas können, dann Tränen ziehen – aber der warmherzige, Atem nehmende Zauber, den der Trickfilm einst befeuerte, mit seinen grandiosen dreidimensionalen Szenenbildern ist dahin und hinterlässt den schalen Geschmack einer Musical-Inszenierung in der Provinz, deren kommunale Kassen zu gut gefüllt sind.

Es gibt da ganz am Ende aber noch einen sehr versöhnlichen Moment. Das Biest ist wieder Prinz, Belle hat ihre Liebe eingestanden, der Winter ist der Sonne gewichen, die Schlossruine wieder prachtvoller Bau, die Menschen wieder bunt und fröhlich, der Ballsaal wieder voller tanzender, lachender Menschen, in deren Mittelpunkt Belle und ihr Prinz anmutige Pirouetten drehen, da schaut – in all diesen rührenden, gänsehautigen Kitsch Belle ihrem Prinzen aufs Gesicht, zieht die Stirn kraus und denkt laut „„Vielleicht ein Bart?“. Woraufhin er lächelt und anzüglich knurrt. Ein schöner Ausbruch in sowas wie Realität zwischen Mädchen und Jungen.

Nichts Neues also in jenem kleinen französischen Dorf, aber viel Farbe, orchtvolles Dekor und eine bezaubernde Emma Watson („Regression“ – 2015; „Colonia Dignidad“ – 2015; Noah – 2014; The Bling Ring – 2013; Vielleicht lieber morgen – 2012; ”My Week with Marilyn“ – 2011; Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – 2010; Harry Potter und der Stein der Weisen – 2001).

 

Wertung: 5 von 8 €uro
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