Kinoplakat: Schneewittchen und die sieben Zwerge
Eine Simplicissima emanzipiert
sich bei den sieben Zwergen
Titel Schneewittchen und die sieben Zwerge
(Snow White and the Seven Dwarfs)
Drehbuch Ted Sears + Richard Creedon + Otto Englander + Dick Rickard + Earl Hurd + Merrill De Maris + Dorothy Ann Blank + Webb Smith
nach dem gleichnamigen Märchen von Jacob Grimm + Wilhelm Grimm
Regie David D. Hand, USA 1937
Stimmen

Adriana Caselotti, Paula Wessely, Uschi Wolff, Manja Doering, Adriana Caselotti, Herta Mayen, Susanne Tremper, Alexandra Wilcke, Gisela Fritsch, Lucille La Verne, Dagny Servaes, Gisela Reißmann, Kerstin Sanders-Dornseif, Harry Stockwell, Karl Schmitt-Walter, René Kollo, Rolf, Dieter Heinrich, Roy Atwell, Otto Wallburg, Klaus W. Krause, Manfred Lichtenfeld, Pinto Colvig, Ernst Legal, Karl Hellmer, Roland Hemmo, Otis Harlan, Eduard Wandrey, Gerry Wolff, Pinto Colvig, Herbert Weißbach, Horst Kempe, Scotty Mattraw, Aribert Wäscher, Erich Fiedler, Heinz Fabian, Billy Gilbert, Ernst Legal, Walter Bluhm, Fritz Decho, Eddie Collins, Moroni Olsen, Aribert Wäscher, Klaus Miedel, Hermann Ebeling, Stuart Buchanan, Arnold Marquis, Klaus Sonnenschein, Heinz Petruo, Friedrich Schoenfelder u.a.

(aufgeführt sind die Original- und die deutschen Synchronstimmen der Fassungen von 1938, 1966, 1994)

Genre Zeichentrick
Filmlänge 83 Minuten
Deutschlandstart
24. Februar 1950
Inhalt

Das schöne, junge Schneewittchen lebt glücklich auf dem Schloss als Dienstmagd am Hof ihres Vaters und dessen zweiter Frau. Sie träumt von einem Prinzen, der einst kommen wird, um sie zu ehelichen. Diese Stiefmutter ist eitel und neidisch, kann den Gedanken, dass ihre Stieftochter einst schöner sein wird als sie, nicht ertragen und beauftragt einen Schergen, das Mädchen draußen im Wald zu meucheln.

Der Jäger tut wie geheißen, bringt den Mord an der unschuldigen Schönheit jedoch nicht übers Herz und lässt sie ins Dunkel des Waldes fliehen.

Nach einer Nacht voller Schrecken im dunklen Wald führen die Tiere des Waldes Schneewittchen irrt voller Angst durch die Nacht und schläft schließlich ein. Sie erwacht am nächsten Morgen im Kreise der Tiere des Waldes, die sie zu einem kleinen Häuschen führen. Hier findet sie Hinweise auf sieben Zwerge vor, die mit Ordnung und Hausputz offensichtlich nicht gar so viel an der Mütze haben. Geübt in den Künsten der Hausarbeit bringt sie das Haus auf Vordermann.

Die Zwerge staunen nicht schlecht, als sie von der Arbeit in ihrer Edelsteinmine heim kommen und alles sauber und ordentlich – „die Teller sind im Schrank versteckt“ – vorfinden. Quer auf ihren Betten schläft Schneewittchen, die sich erschreckt, als die Zwerge sie wecken. Man freundet sich jedoch schnell an und beschließt, dass die junge Schöne bei den Zwergen wohnen bleiben kann und im Gegenzug den Haushalt führt.

Die böse Stiefmutter hat jedoch durch ihren magischen Spiegel erfahren, dass Schneewittchen noch am Leben ist. Sie verschafft sich durch Magie ein anderes Aussehen, vergiftet einen Apfel und macht sich auf den Weg zur Hütte der Zwerge, wo ihre ahnungslose Stieftochter sie freundlich empfängt und den Apfel annimmt …

Was zu sagen wäre

„Das ist eine Frau. Und alle Frauen sind böse!“, warnt Brummbär, der immer schlecht gelaunte Zwerg seine sechs Mitbewohner, als er das blasse Mädchen in ihren Betten vorfindet. Hier nimmt dieser Film kurz einen Schlenker in die Literaturgeschichte zu all jenen Frauenfiguren, die vom Baum der Versuchung naschen und den Untergang des Mannes besiegeln. Aber den anderen sechs ist das wurscht, sie lassen sich nicht beirren und bald schon tanzen sie den Schuhplattler in der Hütte im wald mit ihrer neuen Mitbewohnerin.

Viele solcher – kritischen – Schlenker erlaubt sich dieses erstaunliche Meisterwerk der Animationskunst nicht. Über die meiste Zeit ist dieses Schneewittchen eine muskilaische Adaption des Grimm‘schen Märchens mit Hang zum romantischen Melodram. Unablässig singt sie, am liebsten, wenn sie Hausarbeit verrichtet, glücklich ist sie, umgeben von gurrenden Tauben, schnuppernden Hasen und die Nase kräuselnden Eichhörnchen. Da besingt sie dann den Prinzen, der einst kommen wird, sie heimzuholen. Sie ist so rein, so unschuldig und sauber, dass ihre Schönheit dagegen verblasst – Schönheit ohne Lebenserfahrung ist Fassade.

Der Film ist ein Märchen, aber mit seinen Waldgeistern, der dramatischen Musik und der Bedrohung aus der eigenen Familie kein Kinderkram. Für das Düstere steht die böse Stiefmutter, die mordet, um die Schönste zu bleiben, die gleichzeitig nicht davor zurückschreckt, sich in eine hässlichen alte Hexe mit Warze auf der Nase zu verwandeln, um Schneewittchen unerkannt zu überlisten. In ihrem Kerker liegt das Skelett eines Menschen hinter Gittern, ausgestreckt nach dem Krug Wasser, der um eine Fingerlänge zu weit entfernt steht. „Na, durstig??“ kräht die Böse und tritt dem Skelett den Krug an den Schädel. Bei diesem Teufel wird das ein oder andere Kind unter dem Kinosessel verschwinden; da steht die US-Produktion ganz in der Tradition der Deutschen Romantik. Sie beide, Mädchen und Stiefmutter, bilden das perfekte Yin und Yang.

Schnewittchens Vater spielt in dem Drama keine Rolle. Er taucht erst auf, als Schneewittchen wachgeküsst ist. Männer sind bei Walt Disney strahlende Prinzen ohne Eigenschaften („Singen, immer nur singen“) oder sieben kleinwüchsige Vertreter sieben männlicher Eigenschaften – und der vor Frauen warnende Brummbär behällt Recht. als Schneewittchen ihm auf die Glatze küsst, torkelt er unwillkürlich verliebt, gegen den nächsten Baum und fällt dann ins Wasser.

Frauen sind für Mr. Disney die komplexeren Wesen.

Wertung: 5 von 5 D-Mark