Kinoplakat: Savages
Hart, Witzig, Blutig,
Kompromisslos
Titel Savages
(Savages)
Drehbuch Shane Salerno + Don Winslow + Oliver Stone
nach dem Roman von Don Winslow
Regie Oliver Stone , USA 2012
Darsteller Blake Lively, Taylor Kitsch, Aaron Taylor-Johnson, Benicio Del Toro, Salma Hayek, John Travolta, Emile Hirsch, Jana Banker, Candra Docherty, Nana Agyapong, Gary Stretch, Diego Cataño, Shea Whigham, Karishma Ahluwalia, Joaquín Cosio, Jonathan Carr, Demián Bichir, Antonio Jaramillo, Jake McLaughlin, Alexander Wraith, Anthony Cutolo, Kurt Collins, Amber Dixon Brenner, Leonard Roberts, Joel David Moore u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 131 Minuten
Deutschlandstart
11. Oktober 2012
Inhalt

„Nur weil ich Ihnen diese Geschichte erzähle, heißt das nicht, das ich noch am Leben bin!” Die Geschichte, die Ophelia in der Folge erzählt, lässt einen die Frage nicht mehr vergessen.

Ophelia lebt im Paradies von dem „man sagt, hier habe Gott am siebten Tag sein Auto geparkt und sei am achten Tag abgeschleppt worden” ... Laguna Beach, Californien. Ophelia, „benannt nach der manisch depressiven Irren aus Hamlet, die Selbstmord begangen hat” und die deshalb nichts dagegen hat, von allen „O" gerufen zu werden, lebt mit zwei jungen Männern zusammen: „Die große Liebe meines Lebens!” Beide. Die Jungs sind beste Freunde und Dealer. Sie verticken Hasch. Echt gutes Hasch. Chon hat das aufgetan bei seinen beiden Einsätzen in Afghanistan. Und Ben, der Menschfreund und Pflanzenliebhaber, hat daraus „den besten Stoff gemacht, den Du für Geld kriegen kannst, Alter”.

Das weiß auch die Konkurrenz vom mexikanischen Baja-Kartell, die zwanzigmal mehr Drogenumsatz hat als die beiden Jungs, dafür aber viel schlechteren Stoff. Und Dennis, der Drogen-Cop, den die Jungs schmieren sagt, sie sollten froh sein, in der andauernden Rezession ein Produkt zu haben, das jeder haben möchte. Und das Baja-Kartell will das Gras unbedingt.

Ben ist bereit, sofort loszulassen und den Mexikanern, die ihren Feinden gerne per Motorsäge Gliedmaßen abtrennen, das Dope zu überlassen. Chon sieht das anders. Er hat schon als Kind gelernt - und seine Einsätze in Afghanistan haben ihn in dieser Lehre bestärkt - dass man keine Angst haben darf. Aber das ist dem Kartell alles zu kompliziert. Kurzerhand entführen die Mexikaner O und sagen, sie würden sie ein Jahr behalten. Bis die Jungs spuren.

Und die Jungs spuren. Bis Ben die Idee hat, ob man die Mexikaner nicht ihrerseits übers Ohr hauen und ausrauben könnte …

Was zu sagen wäre

Oliver Stone ist zurück beim Drogenthriller. Schnelles und brutales Genrekino, aber heute im Hochglanzformat - Laguna Beach leuchtet in satten Farben, die Menschen dort sind einer schöner als die andere. Das war in Stones wilden Jahren noch anders. Aus seiner Feder stammt das Drehbuch zu Brian DePalmas „Scarface” (1983), er hat mit „Natural Born Killers” (1994) den Outsiderfilm der 1990er Jahre geschrieben und inszeniert.

Stones Zynismus ist cooler geworden

Egal, wo er sich auf der Welt aufhält, ob im Dschungel von Vietnam, im Weißen Haus oder an der Wall Street - Stones Welt ist auch in diesem Film eine kaputte Welt. Seine Protagonisten leben vom Drogenhandel und bezeichnen sich selbst als Wilde („Savages”), weil sie in einer - gut funktionierenden - Dreierbeziehunge leben. Die Polizisten lassen sich von jeder Seite schmieren und spielen jeden gegen jeden aus. Das Drogenkartell ist auch nur ein Player wie irgendein Händler an der Börse.

In dieser Welt bezeichnet der DEA-Cop sieben Enthauptungen als „feindliche Übernahme” und vergleicht das Kartell mit Wal-Mart, das sich die Qualitätsware von „Ben & Chon ins Regal Nummer 3” stellen möchte. Sein Rat: „Legt Euch nicht mit Wal-Mart an!” Und der Drogenkrieg eskaliert auch nur deswegen, weil „immer mehr Bullen mitmischen, die ein Stück vom Kuchen abhaben wollen”. Je mehr Mitspieler, desto größer muss der Kuchen werden. Von seinem Zynismus hat Stone nicht gelassen. Er ist nur etwas cooler geworden. Wenn man die Schlechtigkeit der Welt schon nicht durchs Kino ändern kann, macht er deutlich, dann lass sie uns wenigstens unterhaltsam zeigen.

Modernes Horrorkino verändert Stones Bilder

Einige Stellen sind auffallend brutal - das mag dem Einfluss von Splatterfilmen wie Saw (2004) oder „Hostel” geschuldet sein. Diese Szenen geben dem Film aber auch eine Dimension, die er mit Weichspül-Schießereien nicht hätte. Da ist Stone nahe beim Film-Vetter Quentin Tarantino, der seit eh und je mit Stone in denselben Gewässern fischt - „Natural Born Killers” hat er gleich gemeinsam mit Stone geschrieben. So erinnert Manches an dem Film an Tarantino - vor allem der Einsatz der Musik.

Am besten ist die Auswahl der Schauspieler gelungen: Benicio del Toro gibt eine exquisite Vorstellung als spießiger Baseball-Pa, der seinen Lebensunterhalt als Killer verdient und diesem Job mit sadistischem Vergnügen, Messer, Peitsche und Motorsäge nachgeht - er bildet sogar den Nachwuchs aus. „Das sind alles Bestien”, sagt er über das Hanf-Trio mit dem guten Stoff, das in einer Dreierbeziehung lebt. Dieses Trio wird angeführt und von der hingebungsvoll schönen Pin-Up-Blondie Blake Lively („Green Lantern” - USA 2012), der man schon viel nachsagte, aber nicht, dass sie eine gute Schauspielerin wäre. Hier gibt sie ihr bislang Bestes und kann sich gut behaupten neben Taylor Kitsch, der allerdings unwesentlich mehr zu tun hat, als ähnlich grimmig entschlossen aufzutreten, wie in dem Fantasy-Film „John Carter” (2012) und neben Aaron Taylor-Johnson, der hier mit Rasta-Mähne und weichem Blauauge zwanzig Jahre reifer wirkt als in seinem grünen Kick-Ass-Kostüm von 2010.

John Travolta als Zwielicht immer erstklassig

John Travolta („Die Entführung der U-Bahn Pelham 123” - 2009; Lovesong für Bobby Long - 2004; Passwort: Swordfish - 2001; Wehrlos - Die Tochter des Generals - USA 1999; „Im Körper des Feindes” - 1997) als korruper Bulle Dennis ist gut, wie er immer gut ist, wenn er den Fiesen, den Undurchsichtigen gibt. Salma Hayek ist die schöne Mutter des Drogenkartells. Eine Getriebene ohne Ausweg, die sich ein Lächeln nicht leisten kann. Es gibt eine Dinner-Szene mit ihr und Lively, die ist wunderbar gespielt und inszeniert. Überhaupt ist das alles gut gespielt und inszeniert.

Und Ophelias Erzählung aus dem Off gibt dem wilden, bunten Treiben den nötigen Touch Melancholie.

Wertung: 6 von 7 €uro