Kinoplakat: San Andreas
Klassisches Disaster-Movie,
aber ohne weiteres Potenzial
Titel San Andreas
(San Andreas)
Drehbuch Carlton Case + Andre Fabrizio + Jeremy Passmore
Regie Brad Peyton, USA 2015
Darsteller
Dwayne Johnson, Carla Gugino, Alexandra Daddario, Ioan Gruffudd, Archie Panjabi, Paul Giamatti, Hugo Johnstone-Burt, Art Parkinson, Will Yun Lee, Kylie Minogue, Colton Haynes, Todd Williams, Matt Gerald, Alec Utgoff, Marissa Neitling u.a.
Genre Action, Abenteuer
Filmlänge 114 Minuten
Deutschlandstart
28. Mai 2015
Website sanandreasmovie.com
Inhalt
Ein starker Erdstoß in Nevada – der Hoover-Staudamm wird zerstört. Durch die Geschehnisse alarmiert, forciert der Seismologe Dr. Lawrence Hayes seine Forschungen und gelangt zum Schluss, dass durch das Auseinanderdriften des San-Andreas-Grabens ein bisher nie dagewesenes Erdbeben Kalifornien erschüttern werde.

Zur Nothilfe wird Rettungsflieger Ray Gaines ins Katastrophengebiet gerufen, während seine Tochter Blake sich zusammen mit dem neuen Freund seiner Exfrau, Daniel Riddick, in San Francisco aufhält. Dann erschüttert das von Dr. Hayes erwartete Erdbeben die Region und zerstört nahezu alle Gebäude.

Gaines gelingt es mit Hilfe seines Helikopters, seine Exfrau aus dem kollabierenden Gebäude zu retten, beschädigt dabei aber sein Fluggerät. Unterdessen wurde auch San Francisco getroffen. Blake und Riddick gelang es nicht, rechtzeitig zu entkommen. Vielmehr ist Blake in einem Auto in einer Tiefgarage eingesperrt. Auf der Suche nach Hilfe lässt Riddick sie im Stich. Gerettet wird sie erst von den Brüdern Ben und Ollie. Den dreien gelingt es, die Eltern von Blake telefonisch zu erreichen und ihre Rettung aus dem Katastrophengebiet zu arrangieren …

Was zu sagen wäre

Ach, was ein Quatsch! Aber ein schöner Quatsch. Disaster-Movies folgen den immer gleichen Regeln. Seit dem Flammenden Inferno, seit Erdbeben (beide 1974) ist die Katastrophe lediglich dazu da, die Family Values, den American Way of Life zu feiern. Wenn man Filmen nachsagen darf, dass sie so … amerikanisch seien, dann den Disaster-Movies. Irgendwas Großes geht kaputt, aber dadurch wird eine längst kaputt gegangene Familie zu sich geführt und gerettet. Es gilt: Wenn die Welt auseinanderbricht, findet eine gebrochene Familie wieder zusammen … Hurra! Solche Filme kann man abhaken und mit wohl gesetzten Worten vernichten, und das Schöne ist: Der Kritiker hat immer Recht. Er müsste sich schon arg blöd anstellen, um so einen Quatschfilm nicht zurecht als Quatschfilm an die Wand zu nageln. So weit, so gut.

Mir hat der Film Spaß gemacht. Dwayne Johnson im Erdbebengebiet – drunter geht es bei diesem Menschenberg nicht mehr („Hercules“ – 2014; Pain & Gain – 2013; „Empire State“ – 2013; G.I. Joe – Die Abrechnung – 2013; Snitch – Ein riskanter Deal – 2013; „Die Reise zur geheimnisvollen Insel“ – 2012; „Zahnfee auf Bewährung“ – 2010; Welcome to the Jungle – 2003; „The Scorpion King“ – 2002) – muss mit einer tragischen Geschichte hadern, über die er seine Familie verloren hat; hat aber eine patente Tochter (nach der sich der Playboy die Finger lecken würde), eine lediglich kurzzeitig verblendete Ex-Frau … und der Nebenbuhler ist ein Anzugträger, um den wir als Zuschauer uns bald schon keine Sorgen mehr machen müssen. Ioan Gruffudd spielt diesen steinreichen Architekten und ich frage mich, ob er wohl den falschen Agenten beschäftigt. Da war er in zwei Filmen schon der Kopf der Fantastic Four, hat aber aus diesem Heldenstatus (in diesen zwei eher unterirdischen Filmen, wofür aber Gruffudd nichts kann) nichts gemacht – hier spielt er das entbehrliche Arschloch.

Ebenso entbehrlich scheinen die Kameraden des Rescue-Helden Ray, die ausführlich eingeführt werden in den Film … um dann einfach nicht mehr aufzutauchen. Für Zwischenstufenhelden ist in solchen Filmen kein Platz, es sei denn als tragisches Opfer; hier erfüllt jede Figur – einem Werkzeug gleich – eine klare Funktion. So wie etwa Will Yun Lee (Spy – Susan Cooper Undercover – 2015; Wolverine: Weg des Kriegers – 2013; Total Recall – 2012). Er spielt den sehr netten, sehr engagierten, sehr opferbereiten, sehr fähigen Geologen Kim – der eine zentrale Entdeckung macht, ein Mädchen rettet und grausam – aber als Held – zu Tode kommt. Eine andere Funktionsfigur in diesem Zusammenhang ist Kims Chef der Professoren-Geologe-Wissenschaftler, den der wunderbare Paul Giamatti als traurigen Helden gibt (The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro – 2014; Saving Mr. Banks – 2013; 12 Years a Slave – 2013; The Ides of March – 2011; Barneys Version – 2010; „Shoot 'Em Up“ – 2007; „Das Mädchen aus dem Wasser“ – 2006; Sideways – 2004; Paycheck – 2003). Seine Rolle ist es vor allem, das Lied der verkannten Wissenschaft zu singen. „Auf uns hören sie immer erst hinterher.“

Erstaunlicherweise sind die SFX, die im digitalen Zeitalter eigentlich ein Feuerwerk (sic!) entzünden müssten, überraschend lahm. Ja: Dauernd fallen Häuser um, stürzen Brücken ein, rollen Tsunamis über den Kontinent, fliegen Helicopter durch einstürzende Neubauten; das erinnert alles arg an schon mal bei Roland Emmerich in besser gesehen. Auf dem SFX-Gebiet unterstreicht „San Andreas“ lediglich, dass es auf Dauer langweilig ist, einer im Computer designten Stadt dabei zuzugucken, wie sie kaputt geht. Spannend sind immer die Szenen, in denen uns die mit grobem Strich geschriebenen und dadurch leicht ans Herz gewachsenen Figuren in die üblichen „ich kann mich nicht mehr halten“ oder „das Wasser steigt“-Stuationen geraten.

Das Personal, das da vor Tod, Trümmern und Zerstörung flieht, ist sympathisch und so simpel gestrickt, dass ich im Kinosessel schon die Kaminabende vor Augen habe, bei denen das Paar, das hier noch gar kein Paar ist, seinen Enkeln erzählen wird, wie das damals war, als der San-Andreas-Graben riss. Zusammengehalten wird das alles von Dwayne Johnson, der einfach eine sympathische Type ist. Dass er hier – ungewohnt im Reißbrettkino Hollywoods – seine Pflicht im Stich lässt, um mit seinem Rettungshubschrauber nach Ex-Frau und Tochter zu suchen, anstatt sich um viele andere Opfer zu kümmern, ist natürlich nur ein Kniff – es kommt dann schon die Szene, in der The Rock jede Menge Menschen vor dem sicheren Tod rettet.

„San Andreas“ ist gelungenes Popcorn-Movie. Mehr will es gar nicht sein.

Wertung: 3 von 8 €uro