Kinoplakat: Sade (2000)
Ein sanfter Erotomane
gegen Kopf-geile Jacobiner
Titel Sade
(Sade)
Drehbuch Jacques Fieschi + Bernard Minoret
nach dem Roman „La terreur dans le Boudoir” von Serge Bramly
Regie Benoît Jacquot, Frankreich 2000
Darsteller Daniel Auteuil, Marianne Denicourt, Jeanne Balibar, Grégoire Colin, Isild Le Besco, Jean-Pierre Cassel, Philippe Duquesne, Vincent Branchet, Raymond Gérôme, Jalil Lespert u.a.
Genre Drama, Biographie
Filmlänge 100 Minuten
Deutschlandstart
21. Dezember 2000
Inhalt

Paris 1794: Die Französische Revolution ist über die alte Monarchie hinweggerollt, der König ist hingerichtet und unzählige Adlige, denen der Gang auf die Guillotine möglicherweise noch bevorsteht, vegetieren in Pariser Gefängnissen vor sich hin. Unter ihnen ist auch Sade. Der berüchtigte Freigeist und Verfasser der skandalösen „Justine” ist den Jakobinern ebenso suspekt wie früher den Monarchisten.

Seine langjährige Geliebte Marie-Constance erreicht jedoch, dass er in das Sanatorium Picpus verlegt wird, ein früheres Schloss, das in eine Art Luxusgefängnis der besseren Gesellschaft umgewandelt wurde. Dort macht Sade eine kostbare Eroberung; er gewinnt die Zuneigung der jungen Emilie.

Bevor der Lauf der Welt draußen endgültig über ihr Schicksal entscheidet, genießt es Sade, vielleicht zum letzten Mal ein großes Schauspiel der Lüste zu inszenieren …

Was zu sagen wäre

Den Namen Marquis de Sade verbindet man gemeinhin mit Sadismus, schockierenden Romanen wie „Justine ou les malheurs de la vertu”, der Lust am Quälen. Nichts von alledem ist in Benoît Jacquots fiktivem Porträt des berüchtigten Franzosen zu finden. Sade ist hier ein abgeklärter Libertin und Freund der Frauen, der selbst der blutigsten Phase der Französischen Revolution mit Gelassenheit begegnet.

Nach Serge Bramlys Roman „La terreur dans le boudoir” mischt Jacquot historische Fakten und Fantasie zu einem feingesponnenen Labyrinth von Begehrlichkeiten. Im Gegensatz zu den mordenden und keine Gnade kennenden Jakobinern erscheint Sade wie ein angenehmer Zeitgenosse. Der Mann mit dem zweifelhaften Ruf ist kein Sadist, sondern Objekt der Begierde. Marie-Constance gibt sich einem anderen hin, um ihn zu retten, Emilie will – hin– und hergerissen zwischen Faszination und Abscheu – nur eins: körperliche Liebe mit dem 50-Jährigen.

Wenn er das Mädchen in einem sinnlichen Initiations-Ritual erste sexuelle Erfahrungen machen lässt (er „dirigiert”, ein junger Mann führt aus), ist das nicht nur ein Moment größter Intimität, sondern auch ein raffiniert inszenierter ästhetischer Genuss. Daniel Auteuil spielt die zynische und zugleich verletzbare Spielernatur als schauspielerisches Kraftpaket mit großer Präsenz und brillant-geschliffenen Dialogen.

Wertung: 10 von 11 D-Mark