Kinoplakat: Rush – Alles für den Sieg
Ein adrenalinbefeuertes
bewegendes Stück Kino
Titel Rush – Alles für den Sieg
(Rush)
Drehbuch Peter Morgan
Regie Ron Howard, UK, Deutschland, USA 2013
Darsteller Chris Hemsworth, Daniel Brühl, Olivia Wilde, Alexandra Maria Lara, Pierfrancesco Favino, David Calder, Natalie Dormer, Stephen Mangan, Christian McKay, Alistair Petrie, Julian Rhind-Tutt, Colin Stinton, Jamie de Courcey, Augusto Dallara, Ilario Calvo u.a.
Genre Biografie, Drama
Filmlänge 123 Minuten
Deutschlandstart
3. Oktober 2013
Inhalt

Der Motorsport-Zirkus Anfang der 1970er Jahre: In der Formel 3 bahnt sich ein britisch-österreichischer Konkurrenzkampf an: James Hunt gegen Niki Lauda. Hunt ist ein Lebemann mit Playboy-Attitüde, Lauda hingegen ein technikbegabter Perfektionist.

Als Lauda auf eigene Kosten in die Formel 1 wechselt, beschließt auch der Rennstallbesitzer Lord Alexander Hesketh, mit Hunt als Fahrer in der Königsklasse anzutreten. Während Lauda mit viel Ehrgeiz und technischem Sachverstand in das Topteam Scuderia Ferrari aufsteigt und mit diesem 1975 Weltmeister wird, muss der eher disziplinlose Hunt vom Cockpit des technisch unterlegenen Hesketh-Autos machtlos zusehen.

Die Wende kommt für Hunt, als er ein Cockpit bei McLaren Racing übernimmt und damit realistische Chancen hat, um die Formel-1-Weltmeisterschaft 1976 mitzufahren. Die dramatischen Ereignisse dieser Saison bilden den Kern der Handlung. Titelverteidiger Lauda gewinnt die ersten Rennen souverän. Hunt braucht ein paar Rennen, bis am Wagen alles nach seinen Vorstellungen sitzt.

Während der Saison heiratet Lauda seine Verlobte Marlene und bekommt erste Zweifel am Motorsport dieser Zeit. Vor dem Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring will lauda einen Boykott des Rennens durchdrücken, weil es in Strömen gießt und die Fahrbahn nicht berechenbar ist. Die Fahrer stimmen gegen ihn. Im Rennen kommt es dann zur Katastrophe, als Lauda einen schweren Unfall erleidet, der zum Rennabbruch führt …

Was zu sagen wäre

Ein Film, dessen Höhepunkt der historische Crash Niki Laudas samt seiner Wiederauferstehung zum Inhalt hat, kann grandios scheitern, in Pathos oder langweiliger und-dann-und-dann-und-dann-Erzählung ertrinken. Nichts davon passiert.

Ron Howard („Dickste Freunde“ – 2011; Illuminati – 2009; „Frost/Nixon“ – 2008; The Da Vinci Code – Sakrileg – 2006; „Das Comeback“ – 2005; A Beautiful Mind – 2001; „Der Grinch“ – 2000; EDtv – 1999; Kopfgeld – 1996; „Schlagzeilen“ – 1994; „In einem fernen Land“ – 1992; Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen – 1991; „Willow“ – 1988; „Cocoon“ – 1985; Splash: Jungfrau am Haken – 1984; „Nightshift – Das Leichenhaus flippt völlig aus“ – 1982) inszeniert behutsam, baut die Figuren langsam auf, inszeniert zwar eine Art Showdown, ohne aber einseitig Sympathien zu verteilen; beide Figuren, Hunt wie Lauda, besitzen Charme – der eine als dauernder Strahlemann, der andere als ins Detail verliebter Perfektionist.

Howard schreckt vor dramaturgischer Zuspitzung nicht zurück: Im Film trennen Lauda und Hunt nicht nur verschiedene Rennställe, sondern auch Neid und Geringschätzung. Das war im echten Leben anders: Die beiden Fahren waren eng befreundet. In dem Buch Rivalen der Rennstrecke. Die großen Formel-1-Duelle (Elmar Brümmer, Bodo und Ferdi Krähling) wird Lauda zitiert: „Wir haben dafür gesorgt, dass unsere persönliche Freundschaft nie unserer professionellen Beziehung in die Quere kam.“

Chris Hemsworth, der als Comicheld Thor Erfolge feiert, kann wenig falsch machen, sein Aaron Hunt ist ein strahlender Draufgänger mit Motor statt Hammer der sein Ziel nicht aus dem Auge verliert. Daniel Brühl (Inglourious Basterds – 2009; „Krabat“ – 2008; Das Bourne Ultimatum – 2007; „Die fetten Jahre sind vorbei“ – 2004; Good Bye Lenin! – 2003) hat es ungleich schwerer, dem Österreicher mit dem harten Akzent und der Liebe zur Schraube, die nötige Tiefe zu geben – er löst die Aufgabe brillant.
An seiner Seite hilft Alexandra Maria Lara (Rubbeldiekatz – 2010; „Der Vorleser“ – 2008) als seine Verlobte Marlene, die zu ihm steht, seine Prioritäten akzeptiert und es versteht, ihren Einfluss im Hintergrund geltend zu machen.

Und dann kommt der Unfall. Dessen Inszenierung ist gelungen – vom kleinen Detail bis zum großen Abflug. Die Schilderung des Unfalls stützt sich auf Vermutungen. Was ihn letztlich verursacht hat, konnte nicht geklärt werden. Hier mussten sich Autor und Regisseur für eine – plausible – Variante entscheiden.

Autor Peter Morgan legt Wert auf die Feststellung, dass man keinen Dokumentarfilm habe drehen wollen. Das gab den Beteiligten die Freiheit, zahlreiche Details einzuarbeiten, die in motorsporthistorischer Hinsicht nicht korrekt sind. Sogar die Boliden sind zeithistorisch nicht durchgängig haltbar.

Das tut dem Film aber keinen Abbruch: Er ist ein exzellent besetztes, bewegendes Stück Kino.

Wertung: 7 von 8 €uro