Kinoplakat: Runner Runner

Schöne Menschen, schöne Kulisse
müde Dialoge, dünne Handlung

Titel Runner Runner
(Runner Runner)
Drehbuch Brian Koppelman + David Levien
Regie Brad Furman, USA 2013
Darsteller Justin Timberlake, Ben Affleck, Gemma Arterton, Anthony Mackie, Michael Esper, Oliver Cooper, Christian George, Yul Vazquez, John Heard, James Molina, Louis Lombardi, Vincent Laresca, Bernie O. Ramos Robledo, Sam Palladio, David Costabile u.a.
Genre Drama, Crime
Filmlänge 91 Minuten
Deutschlandstart
17. Oktober 2013
Inhalt

Richie Furst studiert Mathematik an der Princeton University; er peilt die große Wall-Street-Karriere an. Allerdings fehlen ihm aktuell die 60.000 Dollar, die Princeton pro Jahr als Studiengebühren haben will und also vermittelt er nebenbei Studenten an ein Onlinepokerspiel, wofür er eine kleine Provision bekommt.

Das bekommt die Uni-Leitung mit und droht Richie daraufhin mit Schulverweis. Dem bleibt nichts anderes übrig, als seine kompletten Ersparnisse zu riskieren, um an einem Online-Pokerspiel seine benötigte Gebührensumme zu gewinnen – Er verliert alles.

Richie wittert einen Betrüger und kann dies mit Hilfe einer Statistik beweisen. Er reist nach Costa Rica, um Ivan Block, der die größte Online-Poker-Plattform der Welt leitet, mit seinen Ergebnissen zu konfrontieren. Der weist ihn zunächst ab, aber dann erhält Richie sein Geld zurück. Block erklärt ihm, dass hinter dem Betrug ein Programmierungsfehler stecke.

Außerdem erhält er von Block das Angebot, für ihn zu arbeiten. Richie könne innerhalb eines Jahres Millionär werden. Er nimmt den Job an und beginnt mit der Zeit eine Affäre mit Blocks Ex-Freundin, Rebecca …

Was zu sagen wäre

„You have no Idea who You are playing with“, wirbt das Plakat. Spätestens zur Mitte des Film will ich antworten „Doch, doch, doch … ich weiß es, ich weiß es!!!“. Aber da geht der Film mit seinen schönen Menschen in schönen Kulissen auf teuren Yachten und dem überforderten Justin Timberlake, der in Neben- und Liebhaberrollen besser aufgehoben ist, als in großen Hauptrollen (Inside Llewyn Davis – 2013; Back in the Game – 2012; In Time – Deine Zeit läuft ab – 2011; Freunde mit gewissen Vorzügen – 2011; Bad Teacher – 2011; The Social Network – 2010), einfach weiter.

Teenager-Phantasie statt Robert-De-Niro-Kaliber

Und der schillernde Schurke im samtenen Gewand? In Zeiten, als die Filmstudios ihre Filme noch ernst genommen haben, hätte diese Ivan-Block-Rolle ein echter Typ gespielt – Marke Robert De Niro, einer, der die Erfahrung mitbringt, Sätze zu sagen wie „Das, was Du da in Deinem Hinterkopf spürst, ist Angst“. Hier ist es halt Ben Affleck (Argo – 2012; State of Play – 2009; Paycheck – 2003). Und der sagt diesen Drehbuchsatz einfach auf.

Kinoplakat (US): Runner RunnerIrgendwann erzählt Ivan Block von den Träumen eines Teenagers, die er lebe und die auch Richie leben wolle. Das ist der springende Punkt: Wir erleben hier das einfache Weltbild eines Teenagers, der noch an die einfache Lösung glaubt. Der Film ist peppig, bunt, flott geschnitten und von der Komplexität eine Miami-Vice-Folge aus den 1980er Jahren: „Ich Student mit großen Träumen, also gut! Du reicher Abzocker mit Luxusbraut und – Wow – Krokodilen, also schlecht!“ Um dieses Nichts aufzufüllen, haben die Autoren den Film mit allerlei Subplots aufgefüllt, die weder den Lauf der vorhersehbaren Dinge beeinflussen noch gar die Hauptperson weiterbringen, vulgo: überflüssig sind.

Lauter lose Versatzstücke

In jeden Mafia-Glücksspieler-Zocker-Männer-unter-gleißender-Sonne-Film gehört der abgewrackte Vater, der bei aller Welt Spielschulden hat und also Erpressungspotenzial bietet. Es gehört der Cop dazu (gerne ein Schwarzer), der seit Jahren mit Tricks und Finten versucht, den Schurken auf amerikanischen Boden zu locken, wo er ihn festnehmen könnte. Es gehört die strahlend schöne und geheimnisvolle Braut des Königs dazu, die unser Held läutert und ins Bett der Tugend führt. Die reizende, aber mit Smokey Eyes völlig überschminkte Gemma Arterton spielt sie (Hänsel und Gretel: Hexenjäger – 2013; „Immer Drama um Tamara“ – 2010; Kampf der Titanen – 2010; James Bond 007 – Ein Quantum Trost – 2008).

Und dann gibt man noch Bikini-Models, mondäne Villen und ein bisschen Yachten-Flair hinzu, filmt das Ganze in Hochglanzoptik und verkauft sich im Trailer frech als High Potential. Auf der Leinwand bietet man dann nur Fassade. Behauptung. Ohne Backup.

Kann man sich geben. Aber man verpasst auch nichts, wenn man den Film auslässt.

Wertung: 3 von 8 €uro