Kinoplakat: Rollerball
Die Revolution beginnt im Circus Maximus
Der Blick in eine wahrscheinliche Zukunft
Titel Rollerball
(Rollerball)
Drehbuch William Harrison
nach seiner Kurzgeschichte „Roller Ball Murder“
Regie Norman Jewison, UK 1975
Darsteller James Caan, John Houseman, Maud Adams, John Beck, Moses Gunn, Pamela Hensley, Barbara Trentham, John Normington, Shane Rimmer, Burt Kwouk, Nancy Bleier, Richard LeParmentier, Robert Ito, Ralph Richardson u.a.
Genre Science Fiction, Action
Filmlänge 125 Minuten
Deutschlandstart
5. September 1975
Inhalt

Wir schreiben das Jahr 2018: Es gibt keine Kriege mehr. Kriminelle Aktivitäten finden nicht mehr statt. Politische Nationen wurden abgelöst durch globale agierende Konzerne, die die Geschicke lenken. Jeder Konzern kontrolliert eine Stadt. Jede Stadt hat ein Rollerball-Team. „Rollerball“ ist die Sportart – die einzige, die es noch gibt – eine Mischung aus Football, Roll-Hockey und Motorradrennen. Ziel jeder mannschaft ist es, eine schwere Eisenkugel in einen Trichter zu befördern. Gespielt wird mit harten Bandagen; die Spieler tragen schwere Rüstungen, aber auch Handschuhe mit Metalldornen. Verletzte gehören zum Spiel, Todesfälle in der Arena werden in Kauf genommen. „Rollerball“ hält das Volk bei Laune, lenkt es ab von der Tatsache, das Demokratie und Menschenrecht zugunsten florierender Geschäfte gelöscht wurden – Brot und Spiele und bescheidener Wohlstand für Jedermann lautet das Prinzip.

Titelverteidiger der aktuellen Rollerball-Saison ist das Team aus Houston, angeführt von Jonathan E., in seiner zehnjährigen Laufbahn zur Legende geworden. Seine Karriere geht dem Ende entgegen, dauert aber ohnehin schon viel länger, als das die Konzerne eigentlich eingeplant haben. Der Houstoner Konzernchef Bartholomew befürchtet, dass Jonathans Popularität und Erfolg seinen Interessen zuwiderläuft – schließlich soll der Sport die Massen unter Kontrolle halten und jede Heldenverehrung verhindern. Bartholomew fordert also Jonathan E. zum Rücktritt auf. Aber der denkt gar nicht daran.

Statt dessen fängt Jonathan an nachzudenken und recherchiert über die Geschichte der Konzerne und die herrschenden Kräfte. Er kann das, weil er populär ist und dadurch einfluss hat. Trotzdem kommt er nicht weit: Alle Geschichtsbücher wurden vernichtet, alle historischen Informationen stecken in einem Computer, der aber auch nur Informationen preis gibt, die jemand anderer schon gefiltert hat. 

Bartholomew gefallen die Aktivitäten seinen Stars überhaupt nicht. Er kann ihn aber auch nicht so einfach austauschen, dazu ist Jonathan viel zu populär. Also öässt Bartholomew die Spielregeln verschärfen. Bald hat Rollerball keine Zeitbegrenzung mehr, für Fouls gibt es keine Zeitstrafen und es dürfen auch keine Ersatzspieler mehr auf das Spielfeld. Jonathan steht voll in der Schusslinie …

Was zu sagen wäre

Großes Action-Drama. „Brot und Spiele“ statt im Circus Maximus des alten Rom nun in modernen Arenen multinationaler Konzerne. Ein Blick in die nahe Zukunft, der manche erschreckende Möglichkeit zeigt. Er folgt der zynischen Grundthese, dass nur einige Wirtschaftskonglomerate, die sich ständig gegenseitig kaufen und austricksen, alle Freiheiten, alle Macht bekommen müssen und schon werde alles gut – lasst die Reichen reicher werden, sie ziehen alle anderen mit nach oben und am Ende geht es allen besser. Geht es allen besser?

Kinoplakat (US): RollerballNorman Jewison („Jesus Christ Superstar“ – 1973; „Anatevka“ – 1971; „Heißes Pflaster Chicago“ – 1969; „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ – 1968; „In der Hitze der Nacht“ – 1967; „Cincinnati Kid“ – 1965) hatte natürlich nicht vor, eine Podiumsdiskussion über sozialethische Wirtschaftsfragen abzufilmen. Er nutzt die Mittel des Actionfilms, um diese Fragen zu stellen und sie auch zu beantworten. Natürlich lässt sich Action besonders gut in einem Sportlerfilm inszenieren. Jewison nutzt das schnelle Rollerball-Spiel für dynamisch entfesselte Kameraflüge und rasante Schnittfolgen. Damit ist „Rollerball“ ein Produkt ganz auf der Höhe seiner Zeit: schnell, hart und in seiner systemkritischen Auflösung sehr im Flower-Power-Zeitgeist.

Aber die Wahl der ans Football angelehnten Sportart ermöglicht es Jewison auch, gleich noch einen kritischen Blick hinter die Kulissen der modernen Sportinszenierung zu werfen, bei der nicht immer der gewinnt, der besser ist, sondern manchmal eben der, der mehr Zuschauer ködert – oder, wie hier, vom kargen realen Leben außerhalb der Arenen ablenkt. Dass der Protagonist dieser Sportart, der gefeierte Jonathan E. von James Caan gespielt wird, ist nur konsequent: James Caan gehört Mitte der 1970er Jahre zu den Leading Men des Hollywood-Kinos („Funny Lady“ – 1975; „Spieler ohne Skrupel“ – 1974; „Zapfenstreich“ – 1973; Der Pate – 1972).

Die Rollerball-Arena wurde in der für die Olympischen Spiele von 1972 errichteten Rudi-Sedlmayer-Halle in München aufgebaut; für die hoch emporragende Konzernzentrale wurde das BMW-Hochhaus in München benutzt, für die avantgardistisch geschwungene Informationszentrale das BMW-Museum, weitere Außenaufnahmen wurden im Olympiapark gedreht.

Wertung: 8 von 8 D-Mark