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Kinoplakat: RoboCop (2014)
Ein Hybrid zwischen Gesellschaftskritik
und modernem Actionkrach – nur fast gut
Titel RoboCop
(RoboCop)
Drehbuch Joshua Zetumer
nach dem Drehbuch „RoboCop“ (1987) von Edward Neumeier + Michael Miner
Regie José Padilha, USA 2014
Darsteller

Joel Kinnaman, Gary Oldman, Michael Keaton, Abbie Cornish, Jackie Earle Haley, Michael K. Williams, Jennifer Ehle, Jay Baruchel, Marianne Jean-Baptiste, Samuel L. Jackson, Aimee Garcia, Douglas Urbanski, John Paul Ruttan, Patrick Garrow, K.C. Collins, Daniel Kash, Zach Grenier, Maura Grierson, Stewart Arnott u.a.

Genre Science Fiction, Action
Filmlänge 117 Minuten
Deutschlandstart
6. Februar 2014
Inhalt

Wir schreiben das Jahr 2028: Alex Murphy, Officer des Detroit Police Departement wird bei einem Anschlag schwer verletzt. Er ist so gut wie tot. Da bietet der OmniCorp-Konzern an, Murphys Überleben zu sichern, allerdings in der metallenen, nahezu unzerstörbaren Hülle seiner Roboter.

Der multinationale Megakonzern baut und vertreibt weltweit Kampfdrohnen und Polizeiroboter, die in Kriesengebieten wie Afghanistan oder Irak die Sicherheit aufrecht erhalten sollen – anders ausgedrückt: Sie drücken die US-amerikanischen Interessen durch. Im eigenen Land dürfen die Roboter nicht eingesetzt werden. Vor allem Senator Hubert Dreyfuss setzt alles daran, dass auf heimischem Boden nicht Maschinen, nicht Bits-and-Bytes über Leben und Tod „unserer Kinder“ entscheiden. In Officer Murphy glaubt OmniCorp-Boss Raymond Sellars eine Gesetzeslücke entdeckt zu haben: Roboter dürfen in den Straßen der USA nicht auftreten; von Menschen in Maschinenanzug steht nichts geschrieben.

In den kommenden Monaten bauen Dr. Dennett Norton, Spezialist für kybernetische Prothesen, und sein Team Murphy um und aus – vom menschlichen Gewebe bleiben der Kopf, die Lungenflügel und eine Hand. Als Murphy erwacht, ist er erkennbar nicht begeistert, verlangt seinen sofortigen Tod, ist aber den Konzerntechnikern hilflos ausgeliefert, die allein entscheiden, wann Murphy lebt und geht und wann er schläft und wehrlos ist.

Der Cyborg-Cop wird schnell zum Star der Stadt, zum Liebling der Medien. Murphys Frau und sein Sohn hingegen fürchten um das Leben ihres Mannes, der so richtig ihr Mann nicht mehr ist, aber eben doch immer noch ihr Murphy. Der hat nun über sein internes Betriebssystem Zugriff auf alle Polizeiakten, auf alle Überwachungskameras in der Stadt und kann sich in nahezu alle Kommunikationsleitungen einklinken.

Da dauert es nicht lange, bis er eine Verschwörung aufdeckt, der er schon früher, als er noch ein richtiger Mensch war, auf der Spur gewesen war – und der er offenbar auch zum Opfer gefallen ist. Murphy nimmt die Spur wieder auf und sticht in ein Hornissennest …

Was zu sagen wäre

Ein Hybridfilm. Einerseits ein kritischer Blick in die technisch aufgerüstete Zukunft mit den Stichworten Überwachungsstaat, Drohnenkriege, US-Hegemonie. Andererseits ein Actionfilm über eine nahezu unzerstörbare Kampfmaschine und böse Schnellfeuer-Gegner. Und schließlich die Neuerzählung eines Kinoklassikers aus dem Jahr 1987. Irgendwo zwischen diesen Polen geht der Film verloren.

Kinoplakat: RoboCop (2014)Den (zwingenden) Vergleich mit seinem düster doppelbödigen Original – das 1987 in einer noch sehr analogen Welt in die Kinos kam – verliert der 2014er „Robocop“, eben weil er den Spagat zwischen Anspruch und Action nicht schafft. Das Werden des Cyborgs, die Diskussion, wie wenig Mensch ist noch Mensch und was darf die Wissenschaft, dauert zu lang und führt nur zu dem Ergebnis, dass es eigentlich egal ist. Dürfte die Wissenschaft nicht, was sie in diesem Film tut, gäbe es den Film ja nicht. Dazu sind auch die Figuren im Zentrum nur holzschnittartig grob gestrichelt – Familie Murphy: Der metallene Alex, die wackere blonde Clara, der Abbie Cornish („7 Psychos“ – 2012; „W.E.“ – 2011; Sucker Punch – 2011; Ohne Limit – 2011) gerade genug robuste Statur geben kann, um in dieser Metallo-Macho-Welt glaubhaft zu wirken und der Alibi-Sohn David (es muss ein Sohn sein, bloß kein Mädchen) mit dem prompten Problemen in der Schule nach der Cyborgisierung seines Dads – das fasst mich alles nicht an; Frau und Sohn werden im Drehbuch zwischen Trauer und Entschlossenheit hin und hergeschrieben, wie es die Szene gerade erfordert. 

Michael Keaton („Das Penthouse“ – 2013; „Quicksand – Schmutziges Geld“ – 2003; Jack Frost – 1998; Jackie Brown – 1997; „Schlagzeilen“ – 1994; Batman – 1989) als Konzernboss und Gary Oldman als Cyborg-Wissenschaftler (Paranoia - Riskantes Spiel – 2013; Dame, König, As, Spion – 2011; Batman Begins – 2005; Harry Potter und der Gefangene von Askaban – 2004; Hannibal – 2001; Rufmord - Jenseits der Moral – 2000; Lost in Space – 1998; Air Force One – 1997; Das fünfte Element – 1997; Léon – Der Profi – 1994; True Romance – 1993; JFK - Tatort Dallas – 1991) geben wunderbare Miniaturen in dem engen Korsett ihrer Rollen und tatsächlich könnte diesem Film ein zweiter Teil ganz gut tun.

In diesem Film jedenfalls ist nichts richtig auserzählt, vieles angerissen. Unterm Strich wirkt das so ein bisschen, als seien Autor Joshua Zetumer und Regisseur José Padilha (”Tropa de Elite“ – 2007) mit großen Plänen gestartet und hätten unter dem Diktat des großen Budgets die Story kürzen und die Action strecken müssen. Dazu passt, was Alex Billington schon im September 2012 auf Firstshowing.net schrieb: „Word is that Brazilian director José Padilha was speaking on the phone to friend Fernando Meirelles, and told him ‘it is the worst experience'. For every 10 ideas he has, 9 are cut. Whatever he wants, he has to fight. 'This is hell here.'

100 Millionen Dollar soll der Film gekostet haben – nach einem Monat hat er 188,1 Millionen eingespielt. Rechnet man die Kosten fürs Marketing hinzu, die im allgemeinen zwischen 30 und 50 Prozent der Produktionskosten betragen, ist der 2014er „RoboCop“ gerade mal kein Flop – Fortsetzung also ungewiss.

Andererseits hat die Filmindustrie aus der Mär des Maschinenmenschpolizisten schon so viel Nektar gesogen, dass sie den Neustart schon nicht versanden lassen wird.

Wertung: 5 von 11 €uro
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