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Plakatmotiv: Meine Stiefmutter ist ein Alien (1988)

Eigentlich eine harmlose Komödie.
Aber mit bitterer Moralvorstellung.

Titel Meine Stiefmutter ist ein Alien
(My Stepmother Is an Alien)
Drehbuch Jerico + Herschel Weingrod + Timothy Harris + Jonathan Reynolds
Regie Richard Benjamin, USA 1988
Darsteller

Dan Aykroyd, Kim Basinger, Jon Lovitz, Alyson Hannigan, Joseph Maher, Seth Green, Ann Prentiss, Wesley Mann, Tony Jay, Peter Bromilow, Nina Henderson, Harry Shearer, Adrian Sparks, Juliette Lewis, Tanya Fenmore, Karen Haber, Amy Kirkpatrick, Suzie Plakson, Robert Benedetti, Jim Doughan, Jay McCaslin, Jim Jackman, Kevin McDermott, Robyn Mandell, Lisa Croisette, Sophia Bowen, Shea Bowen, Gabi, Gina Raymond, Susan Carlsberg, Max Wasa u.a.

Genre Komödie, Romantik
Filmlänge 105 Minuten
Deutschlandstart
9. März 1989
Inhalt

Sie heißt Celeste. Sie hat lange beine, blondes haar, eine Superfigur, kurz: Sie ist überirdisch schön. Kein Wunder, dxenn Celeste stammt von einem anderen Stern und wurde von ihrem Bordcomputer dem weiblichen Idealtyp amerikanischer Männerphantasien nachempfunden.

Auf der Erde soll Celeste dem Physiker Dr. Steve Mills ein Geheimnis entlocken, von dessen Kenntnis dser Fortbestand ihrer Rasse abhängt. Celeste kommt also gleich zur Sache, zieht alle Register, um Dr. Mills für sich zu gewinnen.

Plakatmotiv (DDR): Meine Stiefmutter ist ein Alien (1988)Leider wurde Celest nicht ganz ausreichend über das Leben auf der Erde informiert. Wie kommt es sonst, dass sie auf einer Party Zigarettenkippen isst, Motoröl trinkt und nicht weiß, was es mit diesem komischen „Sex“ auf sich hat.

Aber Doc Mills ist schnell bereit, Nachhilfe zu geben – freilich ohne zu ahnen, dass mit jeder Lektion die Erde ihrer Zerstörung näher kommt…

Was zu sagen wäre

Filme, in deren Titel das Wort Alien enthalten ist, oder Star, Wars, Unheimlich oder Stiefmutter, haben eine klar definierte Zielgruppe. Solche Filme siedeln auf fernen Planeten, weit weg vom menschlichen Alltag mit all seinen intriganten Gewinnertypen und überfetteten Losern, die einfach den Ball nicht ins Tor kriegen. Deswegen sitzen im Sessel vor solchen Kinofilmen vor allem jene, die einfach den Ball nicht ins Tor kriegen, weil sie auf fernen Welten bekommen, was sie daheim nicht bekommen: eine zweite Chance, trotz Übergewicht oder anderer visueller Gebrechen. Dass der Bordcomputer aussieht wie ein Phallus mit Auge, ist folgerichtig.

„Meine Stiefmutter ist ein Alien“ ist in diesem Reigen keine Ausnahme, eher ein klassischer Vertreter: Den Loser, der hier ein charmanter, sehr intelligenter Astrophysiker ist, spielt Dan Aykroyd mit auffallendem Übergewicht: „Du bist so wundervoll. Du bist witzig. Du verstehst was von meiner Arbeit. Und jetzt möchtest Du auch noch Sex!“, stöhnt der dicke Wissenschaftler mit Nobelpreisambitionen, als die blonde Schönheit sich ihm gierig hingibt. Da applaudieren alle Unbeachteten im Kinosessel. Aykroyds pummeliger Steve Mills hat vor fünf Jahren auf tragische Art seine Frau verloren, seither kümmert er sich aufopferungsvoll um seine Tochter; er ist also keineswegs einer, den Frauen verlassen, ganz im Gegenteil: Seine ist ihm halt vor der Zeit gestorben und daher ist es nur Recht – jedenfalls in der Logik Hollywoods – wenn sich eine neue Frau seiner annimmt. Und das tut die, angesichts der 15 Kilo zu viel, wegen dessen innerer Werte: „Weil Du sensibel bist. Und ein Außenseiter. Und weil Du so schwer gearbeitet hast, um die Uni zu schaffen. Und weil Du zwei Doktortitel hast. Und eine zauberhafte Unschuld – einfach alle Qualitäten eines Träumers.“ … und dann verschwindet sie mit ihm knutschend unter der Bettdecke.

Plakatmotiv (US): My Stepmother is an Alien –  (1988)Kim Basinger tritt auf als diese Traumfrau unter den Traumfrauen („Nadine – Eine kugelsichere Liebe“ – 1987; „Blind Date“ – 1987; „Gnadenlos“ – 1986; 9 1/2 Wochen – 1986; Der Unbeugsame – 1984; James Bond 007 – Sag niemals nie – 1984; „Die blonde Leidenschaft“ – 1981): „Das ist ein sehr zurückgebliebener Planet“, sagt ihr das Computersystem ihres Schiffs. „Das Labor hat festgestellt, dass Du die begehrenswerteste Frau auf dem gesamten Planeten sein musst. Die Männer auf der Erde werden auf die Knie fallen, werden ihre Länder verraten und ihre Grundstücke für eine so schöne Frau verschenken.

Anders ausgedrückt: Das Alien wird ohne jede Kenntnis der Erdenmenschen auf die Erde entsandt. Und sie besticht als „begehrenswerteste Frau des Universums“ lediglich durch Äußerlichkeiten: Während der Computer alles aufzählt, was den Erdenmann offensichtlich ausmacht, nämliche neben astrophysischen Erkenntnissen eine unbändige Libido, sehen wir, wie eine blonde Frau, deren Alien-Erscheinung keine visuelle Rolle spielt, sich im weichgezeichneten Gegenlicht schminkt und ankleidet. Ihre ersten Sätze: „Wie kann ich alles, was ich wissen muss, in sechs Minuten lernen?“ und „Das klingt lustig!“ klingen nach klassischem Blondinenwitz.

Wir müssen uns Kim Basinger also gleichzeitig als Vertreterin einer höher entwickelten Rasse vorstellen sowie als blondes Dummchen. Ein Spagat, den Basinger mit großer Spiellaune übt, aber nicht perfekt hinbekommt. Das fällt aber nicht auf, weil auch Dan Aykroyd seinen hochintelligenten Astrophysiker eher stoffelig anlegt (Schlappe Bullen beißen nicht – 1987; „Spione wie wir“ – 1985; Kopfüber in die Nacht – 1985; Ghostbusters – Die Geisterjäger – 1984; Indiana Jones und der Tempel des Todes – 1984; Unheimliche Schattenlichter – 1983; „Die Glücksritter“ – 1983; Blues Brothers – 1980; „1941 - Wo bitte geht's nach Hollywood“ – 1979). Ihr Regisseur Richard Benjamin, der manchmal auch schauspielert („Liebe auf den ersten Biss“ – 1979; Westworld – 1972; „Catch 22“ – 1970) weiß ja, wer im Publikum sitzt; jedenfalls kaum jemand, der sich für Zeitanomalien und Raumkrümmung interessiert, dafür umso mehr Jungs, die auf eine erste Chance hoffen.

Aykroyd ist wunderbar als Undersexed Wissenschaftler: „Darf ich Sie küssen?“ „Tut das weh?“ „Nicht auf die Art, wie ich es tue!“ In diesem Zusammenhang kommt die Filmkuss-Sammlung, die in diesem Moment der Bordcomputer für Celeste zur Unterstützung „Was ist ein Kuss?“ zusammenstellt, einem Almanach der albernsten Kuss-Fantasien aus Hollywood gleich, Sehnsüchten irdener Männer – eine schöne Filmproduzenten-Miniatur über Geile Vamps, die arme, unschuldige Männer verführen.

Richard Benjamin („Little Nikita – 1988; „Geschenkt ist noch zu teuer“ – 1986; „City Heat – Der Bulle und der Schnüffler“ – 1984) behandelt die uralte Mann-Frau-Frage nach dem Sinn der Ehe aus dem Blickwinkel des Mannes auf die Welt unter ihm, in dem Heirat einst bedeutete, er ziehe gegen die Türken und Sie lege derweil einen Keuschheitsgürtel an – „Oh … Falsches Jahrhundert!“, stellt der Weise Rat der Außerirdischen während der Lektüre ihres universalen Lexikons zum Thema „Ehe auf Erden“ fest und findet dann: „Heirat ist: Du kochst und saugst und bringst ihm Martinis. Oh, neinneinnein, wieder falsch. Ah hier, Die Moderne Form der Ehe: Es gibt keine Regeln oder Verpflichtungen. Aber wenn er etwas falsch macht, darfst Du ihn, während er schläft, in Brand stecken und in eine Talkshow gehen, wo Jedermann Dir verzeiht und Dich liebt.

Die Botschaft, die diese nette, nur vorgeblich harmlose Komödie, untermauert, lautet: Frauen sollten gut aussehen, ihre Klugheit verbergen und den Männern grundsätzlich nicht auf die Nerven gehen, schon gar nicht mit so Abwegigem wie Emanzipation. Das gefällt der Zielgruppe im Kinosessel und entsprechend darf der dickliche Astrophysiker am Ende stöhnen: „Ich verbringe mein halbes Leben damit, dass es außerirdisches Leben gibt. Und dann muss ich es heiraten.

Wertung: 4 von 10 D-Mark
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