Kinoplakat: Premium Rush
Rasante Idee
Müde umgesetzt
Titel Premium Rush
(Premium Rush)
Drehbuch David Koepp + John Kamps
Regie David Koepp, USA 2012
Darsteller Joseph Gordon-Levitt, Dania Ramirez, Sean Kennedy, Kym Perfetto, Anthony Chisholm, Ashley Austin Morris, Wolé Parks, Kevin Bolger, Aasif Mandvi, Lauren Ashley Carter u.a.
Genre Action
Filmlänge 91 Minuten
Deutschlandstart
18. Oktober 2012
Inhalt

Der letzte Auftrag des Tages einer Fahrradkurier-Firma geht an den ehemaligen Jurastudent Wilee. Er persönlich ist von der chinesischen Mitbewohnerin seiner Freundin angefordert worden, einen Briefumschlag nach Chinatown zu bringen. Doch schon kurz nach der Übergabe ergeben sich Probleme.

Der korrupte, spielsüchtige Cop Bobby Monday verlangt den Brief von Wilee. Der weigert sich und sucht das Weite.

Es folgt eine furiose Verfolgungsjagd durch den Berufsverkehr von Manhattan …

Was zu sagen wäre
„Premium Rush” ist ein Begriff aus der Kurier-Szene – zuverlässig, pünktlich, Aufpreis. Ein Geschwindigkeitsfilm ohne PS. Mit HighTech maximal auf Navi-Niveau und einer elegant schwebenden Kamera, immer auf Nabenhöhe der Protagonisten.
Der Film erinnert in seiner verrückten Ausgangssituation ein bisschen an „Speed” (Jan de Bont - USA 1994). Damals wie heute wurde eine coole Idee auf 90 Minuten gestreckt. Damals war die ganze Idee: Ein Bus darf nicht langsamer als 50 MpH fahren, sonst fliegt er in die Luft. Heute ist die Idee: Fahre mit dem Fahrrad so schnell wie möglich quer durch die Rush Hour von Manhattan-Nord nach Manhattan-Süd. Das würzt David Koepp mit interessanten Ideen aus dem digitalen Bildbearbeitungs und -Montage-Programm. Der Aufbau des Films suggeriert jung, frisch, MTV. David Koepp übersieht, dass MTV auch nicht mehr jung ist. Der Film erzählt mit eingeblendeten Uhrzeiten – unchronologisch – immer das, was ihm gerade ins Tempo passt, die Story ordnet sich den Spannungsbögen unter. Diese Formelsprache ermüdet bald. Soweit, bis die Formelsprache am Ende den Film seiner Leere überführt.

„Bremsen sind der Tod!”, „Es ist das Zögern, das Dich umbringt”, „Mein Rad ist stabiler, wenn ich schnell bin”, sagt Wilee, dessen Name wohl nicht zufällig an Will-E, den Coyoten aus der Cartoon-Serie „Road Runner” erinnert. Kurier Wilee rast vergeblich – statt dem Road Runner – dem Ideal „schneller als das Licht” hinterher. Nach 20 Minuten gönnt sich der Film die erste kurze Pause, da bringt er so etwas wie Elemente eines Thrillers in Position. Und nach 30 Minuten bricht der Kurier sein Grundgesetz-Artikel, Absatz 1: Schnüffel nicht im Paket des Auftraggebers. Sowas geht nie gut. Hier auch nicht.

Dieser „Speed” des 21. Jahrhunderts ist okay für einen Fernsehabend mit Chips und Flips, stolpert aber letztlich über seine kalkulierte Cleverness. Das ist schade, denn von Autor/Regisseur David Koepp bin ich mehr und Besseres gewöhnt. Er schrieb unter anderem die Bücher zu „Illuminati” (USA 2009), „Krieg der Welten” (USA 2005), Panic Room (USA 2002) oder „Mission: impossible” (USA 1996). Manchmal leistet er sich allerdings auch kreative Pausen, etwa mit „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (USA 2008) oder Shadow und der Fluch des Khan (USA 1994).
Wertung: 3 von 7 €uro