Kinoplakat: Plötzlich Gigolo
Ewige Lebensweisheiten
bezaubernd verpackt
Titel Plötzlich Gigolo
(Fading Gigolo)
Drehbuch John Turturro
Regie John Turturro, USA 2013
Darsteller

John Turturro, Woody Allen, Vanessa Paradis, Liev Schreiber, Sharon Stone, Sofía Vergara, Tonya Pinkins, Aubrey Joseph, Dante Hoagland, Isaiah Clifton, Michael Badalucco, Aida Turturro, Allen Lewis Rickman, Teddy Bergman, Ness Krell u.a.

Genre Komödie, Drama
Filmlänge 90 Minuten
Deutschlandstart
6. November 2014
Inhalt

Murrays Buchladen in New York trägt sich nicht mehr und muss schließen. Um Geld zu verdienen überredet Murray seinen Freund Fioravante, der in einem Blumenladen arbeitet, als Gigolo einsame, aber wohlhabende Frauen zu trösten. Murray vermittelt seinen Kumpel an seine Hautärztin Dr. Parker, die zusammen mit ihrer Geliebten Seli einen flotten Dreier ausprobieren möchte - und aus irgendeinem Grund denkt Murray, dass Fiovarante genau der Richtige für dieses pikante Jobangebot sei.

Um also ihren Buchladen vor dem finanziellen Ruin zu bewahren, tauchen beide als „Bongo“ und „Virgil“ in die Welt der Prostitution ab, wobei Murray für die Organisation der Treffen zuständig ist und Fioravante den feurigen Liebhaber gibt. Bald schon können sie sich vor Angeboten kaum noch retten und junge wie ältere Damen bezahlen viel Geld, um die vermeintlich exquisiten Liebeskünste von Fioravante kennenzulernen.

Als nächste Kundin akquiriert Murray die Rabbiner­witwe Avigal. Deren Stimmungslage bessert sich deutlich durch Fioravantes feinfühlige Betreuung. Allerdings wird Avigal von ihrem Nachbarn Dovi überwacht, der für die jüdische Bürgerwacht Shomrim arbeitet und selbst ein Auge auf die schöne Witwe geworfen hat …

Was zu sagen wäre

Ein bezaubernder Film mt Woody Allen als Woody Allen. Er spielt den zappeligen, an Glauben und Menschen zweifelnden alten Mann mit der Idee. Fast könnte es ein Wody-Allen-Film sein, aber eben nur fast. Allen hat sich zuletzt mit seinem jüdischen Glauben in einem Film so sehr auseinandergesetzt, wie John Turturro hier 1977 in seinem Stadtneurotiker. Religion liefert in Allens Filmen Material für die Punchline, den Gag, seine Figuren bewegt er lieber in gesellschaft der Reichen und/oder Intellektuellen. In diesem Film spielt die jüdische Religion eine zentrale Rolle, spielt doch die ganze Geschichte im vom jüdischen Leben geprägten Williamsburg (Brooklyn), spielen Regeln des jüdischen Glaubens eine wichtige Rolle.

Außerdem erzählt der Film eine romantische Liebesgeschichte. Und romantische Liebesgeschichten sind nicht Sache des zynisch gewordenen Alten. „Fading Gigolo“, fotografiert in den Herbstfarben des „Stadtneurotikers“, erzählt im Rahmen einer Überlebensgeschichte zweier ausrangierter Männer mit ausrangierten Berufen (Florist und Buchhändler) eine zarte, sanft romantische Liebesgeschichte, die beinahe nicht statt findet und ohne viele Worte auskommt; denn es ist nicht die Liebesgeschichte zwischen zwei Hauptfiguren. In diesem den jüdischen Alltag sezierenden Sittengemälde ist die Liebe nur ein Aspekt des Lebens.

Erzählt wird auch die Geschichte einsamer New Yorker Frauen; keine Frauen, die einen Escort-Service buchen würden, aber Frauen, deren Leben immerhin so leer geworden ist, dass sie eine Gelegenheit beim Schopf ergreifen, als sie sich im Bekanntenkreis ergibt. Erzählt wird die Geschichte der fast vesrtummten Witwe Avigal, die die Kinder der allein erziehenden Nachbarin betreut. Vanessa Paradies spielt diese scheue in den Regeln ihres strengen Glaubens verhedderte Witwe hinreißend feinfühlig. Mit Lust an Klatsch und Tratsch mag man anmerken, dass Madame Paradis nach der Scheidung von Johnny Depp ins Leben der intellektuellen Filmleute an der Ostküste eintaucht und mit woody Allen arbeitet, während ihr Ex an die Westküste zieht, das blonde Superbabe Amber Heard heiratet und weitere Piraten-Filme dreht; weiter aus dem Weg gehen kann man sich kaum.

Sharon Stone spielt die Dermatologin, die den Stein ins Gigolo-Rollen bringt, präzise als sexuell gelangweilte Frau zwischen hochnäsiger Ostküsten-Arroganz und der Angst vor dem alt werden. Woody Allen hatte wohl einen Freibrief, einfach … Woody zu sein.

Nach etwa 30 Minuten fragt man sich allerdings schon, was wohl die Story dieses Films ist. Zu sehr wabert er zwischen seinen vielen Polen hin und her, ohne dabei die Balance eines Robert Altman hinzubekommen, der mit „The Players“ (1992) und Short Cuts (1993) Meilensteine solcher Ensemblefilme gedreht hat. Ich schaue den gut gespielten Figuren gerne zu, ich freue mich an den wunderschön fotografierten, eleganten Settings und an der charmant witzigen Tonlage des Films. Aber darin verliere ich im Kinosessel den Faden des Drehbuchs.

Wertung: 7 von 8 €uro