Kinoplakat: Findet Dorie

Feucht-fröhlicher Spaß mit Fischen,
der keine Antwort schuldig bleibt 

Titel Findet Dorie
(Finding Dory)
Drehbuch Andrew Stanton + Victoria Strouse + Bob Peterson + Angus MacLane
Regie Andrew Stanton & Angus MacLane, USA 2016
Stimmen

Ellen DeGeneres, Anke Engelke, Albert Brooks, Christian Tramitz, Hayden Rolence, Vicco Clarén, Diane Keaton, Elisabeth Günther, Eugene Levy, Oliver Siebeck, Ty Burrell, Axel Malzacher, Kaitlin Olson, Rubina Nath, Ed O’Neill, Roland Hemmo, Willem Dafoe, Vicki Lewis, Idris Elba, Jan Odle, Dominic West, Manuel Straube, Bob Peterson, Freimut Götsch, Andrew Stanton, Udo Wachtveitl, Bennett Dammann, Claude Albert Heinrich, Bill Hader, Sascha Rotermund, Kate McKinnon, Maud Ackermann, Torbin Bullock, Sloane Murray, Marie Düe, Lucia Geddes, Lucy Fandrych, Sigourney Weaver, Franziska van Almsick u.a.

Genre Animation
Filmlänge 97 Minuten
Deutschlandstart
29. September 2016
Website disney.de/findet-dorie
Inhalt

Ein Jahr ist vergangen, seit Clownfisch-Vater Marlin seinen verschollenen Sohn Nemo quer durch den ganzen Ozean gesucht hat und dabei von der vergesslichen Doktorfisch-Dame Dorie unterstützt wurde. Die Aufregungen des Abenteuers liegen mittlerweile lange zurück und die Drei sind wie eine kleine Familie.

Dorie leidet unter hartnäckigem Kurzzeitgedächtnisverlust. Manchmal vergisst sie schon am Ende einer Unterhaltung, worüber am Anfang geredet wurde. Als sie eines Tages eine scheinbar unbedeutende Beobachtung macht, schießt es ihr plötzlich durch den Kopf: Wo sind denn eigentlich ihre Eltern abgeblieben? Prompt begiebt sie sich auf die Suche nach ihren Eltern Charlie und Jenny, bei der sie von Marlin und Nemo begleitet wird. Als sich dem Doktorfisch immer wieder kurze Erinnerungsfetzen an die Morro Bay in Kalifornien ins Gedächtnis brennen, machen sich die Freunde auf den gefährlichen Weg.

Sie landen beim Marine Life Institute, einem Meerestierpark, wo kranke Ozeanbewohner gesundgepflegt werden. Der einheimische Oktopus Hank (Ed O’Neill) bietet sich als Parkführer an …

Was zu sagen wäre

Zwei Fragen haben mich nach dem Abspann von Finding Nemo umgetrieben. Bleibt jetzt Dorie, dieser wunderbare Charakter, echt einfach übrig – die anderen Fische haben ihre Familien, Marlin seinen Nemo – und Dorie degeneriert halt zur vergesslichen Alten? Und: Was wurde aus den Aquariumsfischen, die sich am Ende helenhaft in Plastiktütenaquarien ins Meer gestürzt haben? Die Fortsetzung von Finding Nemo beantwortet beide fragen – vorausgesetzt, man bleibt im Kino, bis der Abspann vorbei ist.

Ein Film über die verbindende Kraft des Vertrauens. Die befreundeten Fische werden andauernd getrennt, erleben (biologisch) haarsträubende Abenteuer, verlieren aber nie das Vertrauen in den jeweils gerade Abwesenden und finden so immer wieder zusammen. Für einen Film aus der Pixar-Schmiede ist das etwas dünn, man merkt ihm andauernd an, dass er ein Zwischenwerk ist. Im vergangenen Jahr war Alles steht Kopf, das nächste Neue steckt in den üblich langwierigen Vorbereitungen, also kommt mal wieder eine Fortsetzung. „Fortsetzungen sind notwendig, um flüssig zu bleiben“, sagte Andrew Stanton der Los Angeles Times 2013. Flüssig trifft es.

13 Jahre sind seit dem Oscar-gekrönten Original vergangen, die Kinder, die nach Nemo einen Clownfisch zum Geburtstag wollten, sind inzwischen erwachsen. Das ist bei Fortsetzungen nicht ungefährlich, zumal, wenn diese 200 Millionen Dollar Produktionskosten verursachen. Andrew Stanton, der schon das Original verantwortet hat, führt aber auch hier wieder Regie und man kann sagen: „Finding Dory“ fließt. Großartige Bilder von strahlender Schönheit und organischer Tiefe halten das Abenteuer zusammen. Es ist nicht mehr der ruhige Fluss, in dem die Suche nach Nemo 2003 bisweilen in den Hintergrund rückte, wenn die Filmemacher lieber einen Ausflug zu einem weiteren Fisch und dessen Eigenarten machten; 13 Jahre später durchschwimmen die Fische eine actionlastige Achterbahn. Aus dem alten Film mit dabei sind nur noch Herr Rochen mit seiner Schulklasse sowie die surfenden Schildkröten (und, wie gesagt, die ins Meer geflohenen Aquariumfische).

Strahlender Stern unter dem neuen Meeresgetier ist zweifelsohne Hank, der Septopus, der im Laufe seines Lebens irgendwo seinen seiner acht Tentakel eingebüßt hat und sich auf die Kunst der perfekten Tarnung versteht. Wir können förmlich dabei zusehen, wie sich die Animatoren an dem brummelnden Sympathieträger ausgetobt haben. Hank wird die große neue Nummer in den Disneyshops. Und Dorie? Schwer zu sagen. Ich habe mich schon damals in diesen Palletten-Doktorfisch verknallt. Und jetzt steht sie im Mittelpunkt, ihr Name steht auf dem Plakat; ich bin womöglich voreingenommen: Dorie ist wunderbar. Wunderbar animiert. Wunderbar synchronisiert. Wunderbar erzählt. Dorie, die charmante Fischdame ohne Kurzzeitgedächtnis, lebt vor, warum man keine Pläne machen sollte, die meist ohnehin nichts taugen – siehe Marlin, dieser depressive Clownfisch, der mit seinen Plänen noch keinen Meter weit geschwommen wäre, würden ihn nicht äußere Umstände dauernd dazu zwingen.

Vergleiche sind immer gewagt, manchmal gar unfair. Aber hier drängt er sich natürlich auf. War es 2003 noch so, dass die aufgeregte Suche nach Sohn Nemo eher das notwendige, eher störende Element in einer meditativen Beobachtung des Meeresbodens war, fällt „Finding Dorie“ ohne die abenteuerliche Suche auseinander, für Meditatives ist in diesem Aquarium voller komischer Gesellen – bajuwarische Seelöwen, kurzsichtige Walhaie, knuddlige Otter und verhaltensauffällige Seetaucher – kein Platz. Unterm Strich ein schöner Unterhaltungsfilm mit Tiefgang, dem der Zauber des Originals abhanden gekommen ist.

Wertung: 5 von 8 €uro