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DVD-Cover: Network
Dunkel, zynisch, gnadenlos
Ein zeitloser Klassiker
Titel Network
(Network)
Drehbuch Paddy Chayefsky
Regie Sidney Lumet, USA 1976
Darsteller Peter Finch, Faye Dunaway, William Holden, Robert Duvall, Wesley Addy, Ned Beatty, Beatrice Straight, Arthur Burghardt, Bill Burrows, John Carpenter, Jordan Charney, Kathy Cronkite, Ed Crowley, Jerome Dempsey, Conchata Ferrell, Gene Gross u.a.
Genre Drama, Komödie
Filmlänge 121 Minuten
Deutschlandstart
10. März 1977
Inhalt
Die Quote sinkt und mit ihnen sein Ansehen in der Programmdirektion. Howard Beal, einst Vorzeigejournalist und verlässlicher Anchorman der Nachrichten von UBS soll in den Ruhestand geschickt werden. Politische Nachrichten, Einordnungen, das wolle heutzutage keiner mehr sehen und auch Nachrichten müssten sich rechnen, sagt man ihm.

Daraufhin kündigt Howard Beal vor laufender Kamera an, sich in seiner nächsten Sendung – live – zu erschießen.

Das elektrisiert die Öffentlichkeit, die Zeitungen bringen Titelstories, UBS ist plötzlich wieder ganz vorne – dank Howard Beale; der dann gar nicht dazu kommt, sich zu erschießen. Statt dessen verabschiedet sich Beale von seinen Zuschauern, indem er zum ersten Mal ungeschminkt seine Meinung zum aktuellen Tagesgeschehen hinrotzt. Die Programmdirektion ist entsetzt, die Zuschauer begeistert – „endlich ist mal einer ehrlich” – daraufhin die Programmdirektion mächtig stolz auf ihren neuesten Quotenbringer. Flugs bekommt Beale eine eigene Sendung, in der er mal so richtig vom Leder ziehen soll.

Freunden und Wohlwollenden indes ist klar, dass Howard krank ist und eigentlich vor sich selbst geschützt gehört. Sein bester Freund, Noch-Programmchef Max Schumacher, dringt aber schon nicht mehr zu ihm durch – ist zudem auch abgelenkt von seiner ebenso schneidigen wie libidonösen Nachfolgerin Diana Christensen, mit der er eine Affäre eingeht.

Beales Show, in der er als Fernseh-Prophet auftritt, ist sehr erfolgreich, treibt die Zuschauerquoten und findet zahlreiche Nachahmer bei den anderen Networks. Als Beale sein Publikum aufruft, die Übernahme des Senders UBS durch eine arabische Investorengruppe zu verhindern und Telegramme an das Weiße Haus zu schreiben, überschreitet er eine Grenze. Senderchef Arthur Jensen schaltet sich ein und eröffnet Beale in markigen Worten seine Philosophie des globalen Kapitalismus. Diese soll Beale fortan in seiner Sendung verkünden. Beale, mittlerweile völlig der Realität entrückt, glaubt, er habe das Antlitz Gottes gesehen. Als Folge des Gesinnungswandels Beales sinken die Einschaltquoten …

Währenddessen hat Diana Christensen eine Sendung ins Leben gerufen, die Live-Mitschnitte von Verbrechen einer Terroristengruppe zeigt, denen der Sender Geld zahlt …

Was zu sagen wäre

„Network“ von 1976 ist bis dato der größte medienkritische Kinofilm. Alles, was Paddy Chayefsky und Sidney Lumet (Hundstage – 1975; Mord im Orient-Express – 1974; „Serpico“ – 1973; „Sein Leben in meiner Gewalt“ – 1973; „Der Anderson Clan“ – 1971; „Angriffsziel Moskau“ – 1974; „Die zwölf Geschworenen“) hier ansprechen, ist heute, wir schreiben das Jahr 2016, - das Jahr 40 nach „Network“ - noch genauso aktuell, wie damals; was das daran eigentlich Erschreckende ist. Gleichzeitig macht dieser Umstand deutlich, wie präzise Drehbuchautor und Regisseur gearbeitet haben.

Zeitlos schöne Dialoge

Der Film entstand im Jahr, bevor George Lucas mit Star Wars das Kino veränderte – „Network“, mit Oscars belohnt, hängt einer Erzählform an, deren Popularität in der Folge schwand: Kluge Dialoge, kluge Drehbücher und kluge Schauspieler wurden weniger wichtig, als Monster, Mystery und Special Effects. 1976 war Hollywood mitten in der Suche nach der Zukunft und nach neuen Wegen. Es gab Katastrophenfilme wie Flammendes Inferno oder „Erdbeben“, es gab die Ausläufer des schon nicht mehr so neuen New Hollywood. Schon zu seiner Erstaufführung wirkte „Network“ auf den ersten Blick, wie eine weitere Versammlung alter Schauspieler vor der Kamera – so wie in den Airport-Filmen. Aber eben nur auf den ersten Blick

Statt dessen präsentierte die Filmindustrie eine Glanzstunde. „Network“ ist perfekt in jeder Hinsicht. Das Drehbuch durchdacht, die Regie mit Gespür für Timing, die Schauspieler Güteklasse A. Großartige Dialoge, zeitlose Klassiker: „Ihr könnt mich alle am Arsch lecken! Ich lass' mir das nicht mehr länger gefallen!!“ (s.u.). „Ich komme, um Zeugnis abzulegen.“ „Ja, Mr. Beale.“ „Wir lassen einen offensichtlich seiner fünf Sinne beraubten Menschen vor die Kamera!“ „Natürlich!!

Jede Menge Oscars

Peter Finch („Sunday Bloody Sunday“ – 1971; „Das rote Zelt“ – 1969; Der Flug des Phoenix – 1965; Geschichte einer Nonne – 1959; „Operation Amsterdam“ – 1959), der den durchgeknallten Howard Beale spielt, starb kurz nach Drehschluss und wurde posthum mit dem Oscar als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet, Faye Dunaway als Beste Hauptdarstellerin. Beatrice Straight als von Max Schumacher kurzfristig verlassene Langzeit-Ehefrau wurde Beste Nebendarstellerin und hält mit nur sechs Filmminuten den Rekord für den kürzesten Auftritt mit Oscarauszeichnung. Des Weiteren gab es eine Auszeichnung als Bestes Originaldrehbuch. Nominierungen gab es für William Holden (Flammendes Inferno – 1974; Der letzte Befehl – 1959; Die Brücke am Kwai – 1957; Sabrina – 1954; Boulevard der Dämmerung – 1950) als Besten Hauptdarsteller und Ned Beatty als Besten Nebendarsteller sowie in den Kategorien Beste Kamera, Regie, Schnitt und Bester Film.

Sidney Lumet, Peter Finch, Faye Dunaway (Die drei Tage des Condor – 1975; Flammendes Inferno – 1974; Chinatown – 1974; Little Big Man – 1970; Thomas Crown ist nicht zu fassen – 1968) und der Drehbuchautor Paddy Chayefsky gewannen 1977 den Golden Globe Award. Eine weitere Nominierung für den Golden Globe erhielt der Film als Bester Film – Drama. Das American Film Institute wählte den Film 1998 in die Liste der 100 besten Filme aller Zeiten (auf Platz 66). In der gleichnamigen Liste des Jahres 2007 verbessert sich der Film auf Platz 64.

Wertung: 9 von 9 D-Mark
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