Kinoplakat: Mogambo
Die Virilität des Weißen Mannes vor der
exotischen Kulisse zweier Stereotypinnen
Titel Mogambo
(Mogambo)
Drehbuch John Lee Mahin
nach einem Stück von Wilson Collison
Regie John Ford, USA 1953
Darsteller

Clark Gable, Ava Gardner, Grace Kelly, Donald Sinden, Philip Stainton, Eric Pohlmann, Laurence Naismith, Denis O'Dea, Samburu tribe of Kenya Colony, Wagenia tribe of Belgian Congo, Bahaya tribe of Tanganyika, M'Beti tribe of French Equatorial Africa u.a.

Genre Abenteuer, Drama
Filmlänge 116 Minuten
Deutschlandstart
20. August 1954
Inhalt

Die temperamentvolle Tänzerin Ellinor Kelly folgt der Einladung eines reichen Maharadschas nach Afrika, der sie dort sitzen lässt. Mittellos kommt sie in einer Tierfängerstation in Kenia an, die vom wortkargen Großwildjäger Victor Marswell geführt wird. Er überlässt ihr zunächst widerwillig ein Gästezimmer. Beschwingt vom exotischen Ambiente der afrikanischen Savanne, verliebt sich Ellinor in den attraktiven und faszinierenden Mann. Dieser ist von ihrer hemmungslosen Art irritiert und schickt sie mit dem Schiff wieder auf die Rückreise. Doch der Flussdampfer bleibt stecken und zwingt Victor, sich erneut ihrer anzunehmen.

In dieser Zeit trifft der Anthropologe Donald Nordley zusammen mit seiner jungen Frau Linda in der Station ein, um das Verhalten der Berggorillas im weit entfernten Dschungel zu erforschen. Victor ist von der Idee, eine mehrtägige Safari begleiten zu müssen, wenig angetan. Er ändert aber schnell seine Meinung, weil ihn die unnahbare Linda zunehmend beeindruckt. Ellinor erfährt von seinen Avancen und wird eifersüchtig.

Kinoplakat (US): MogamboTrotz der wachsenden Spannungen bricht die Gruppe zur Expedition auf, durchlebt einige Abenteuer und gerät wiederholt in gefährliche Situationen. Victor und Linda können ihre gegenseitige Zuneigung kaum noch verbergen und verstricken sich immer tiefer in eine Affäre, welche nur noch durch heimliche Treffen vor den anderen verborgen werden kann …

Was zu sagen wäre

In der Wildnis der Savanne toben die wilden, ungezügelten Gefühle. „Mogambo“ ist das Suaheli-Wort für Leidenschaft; die kommt in glühenden Farben daher. John Ford inszeniert einen Abenteuerfilm vor der exotischen Kulisse Kenias mit wilden Tieren und schnell wechselnden Wetterfronten. Dazu intonieren pittoresk geschminkte Wilde afrikanische Weisen und präsentieren Stammesriten, indem sie Speere auf den barbrüstigen Star aus Hollywod werfen. Es ist das Afrikabild, das Ernest Hemingway einst beschrieb und das für die Studios in Hollywood seither als so eine Art Blaupause dient – mit ein bisschen „Schnee am Kilimandscharo“, viel Whisky, etwas Einsamkeit und kargem Mannesmut.

In diese maskuline Idylle brechen Frauen ein, die erkennbar überhaupt keinen Zugang zu dieser Welt haben. Hochhackig staksen erst Ava Gardner, später Grace Kelly im Tüllkleid durch die Steppe, sodass jeder halbwegs denkende Mann vor so viel Weltfremdheit Reißaus nehmen müsste.

Aber es war immer die Kunst Hollywoods, diesem Realismus einen Typen entgegenzusetzen; der heißt hier Clark Gable („Vom Winde verweht“ – 1939), der damals virilste, berühmteste Schnauzbart der Filmgemeinde. Der küsst die Frauen, wie sie fallen. Ihm sinken die Frauen zu Füßen wie der angeschossene schwarze Panther dem Großwildjäger. Nur ihm gelingt es, in einem Film zwei der angesagten Hot Shots Hollywoods nacheinander zu küssen. Erst – vor dramatisch leuchtendem Abendrot – die etablierte Ava Gardner („Schnee am Kilimandscharo“ – 1952; „Die Killer“ – 1946) und dann die aufstrebende Hoffnung Grace Kelly („Zwölf Uhr mittags“ – 1952, „Vierzehn Stunden“ – 1951). Nur ihm nimmt man daran anschließend die schönste Szene des Films ab: Wenn der Weichei-Forscher und Ehemann Grace Kellys davon fabuliert, dass solche Safaris ja für Frauen im allgemeinen und für seine Linda im Besonderen zu hart seien und er also künftig wohl daheim bleiben werde, und „mich ganz der Familie widme und Kinder groß ziehe“, da schaut Clark Gable drein wie ein geprügelter Hund – diese Hölle hatte er offenbar nicht im Kopf, als er Grace Kelly dramatisch seine Lippen aufpresste.

Dabei ist die Aufteilung der Frauen klassisch: Ist Clark Gable der Inbegriff des ungezähmten Kerls, liefern Gardner und Kelly gemeinsam die Schablonen für die eine perfekte Frau für den Dschungel: Ava Gardner gibt die Zynikerin mit dunklem Haar, die alle Lebenswendungen kennt und deren Körperrundungen stets Teil der Kommunikation ist. Die vor allem TV-erprobte Grace Kelly ist die Blonde, Sanfte, Intellektuelle, die Prinzessin, die sich als tougher herausstellt, als all die Partygirls um sie herum – es sind die plakativ einfachsten zwei Frauentypen, die zusammen aber die Perfektion der Traumfrau bilden. Da reisen dann die Safari-Teilnehmer im Jeep durch die Savanne, nebenher springen wilde Kreaturen, aber die Insassen des Jeeps nehmen sie nicht wahr – sie stehen vor einer Rückpro und sagen ihre Dialoge auf.

Anders ausgedrückt: John Fords Film über die Jagd auf Gorillas, jene wildeste Ausbuchtung des humanoiden Mannes, ist großartiges Abenteuerkino, lebendig und ein bisschen banal.

Wertung: 5 von 7 D-Mark