Plakatmotiv: Vaiana – Das Paradies hat einen Haken
Ein durchschnittlicher Disney-Film
mit Spuren polynesischer Mythen
Titel Vaiana – Das Paradies hat einen Haken
(Moana)
Drehbuch Jared Bush + Ron Clements + John Musker + Chris Williams + Don Hall + Pamela Ribon + Aaron Kandell + Jordan Kandell
Regie Ron Clements & Don Hall & John Musker & Chris Williams, USA 2016
Stimmen
Auli’i Cravalho, Louise Bush, Lina Larissa Strahl, Debby van Dooren, Joelle Jung, Lia Jung, Dwayne Johnson, Andreas Bourani, Temuera Morrison, Thomas Nero Wolff, Thomas Amper, Nicole Scherzinger, Maud Ackermann, Ricarda Kinnen, Jemaine Clement, Tommy Morgenstern, Alan Tudyk, Rachel House, Marion Martienzen u.a.
aufgeführt sind deutsche und US-Synchronsprecher
Genre Animation
Filmlänge 107 Minuten
Deutschlandstart
22. Dezember 2016
Website disney.de/vaiana
Inhalt
Vaiana lebt mit ihrem Stamm auf der Insel Motunui in Polynesien. Sie ist die Tochter des Stammeshäuptlings und soll ihrem Vater einmal folgen. So richtig begeistert davon ist das Mädchen nicht. Es zieht sie hinaus aufs Meer, was ihr Vater aber streng und unnachgiebigh verbietet. Das Meer tötet, sagt er, und wir haben doch hier alles – wir leben im Paradies. Das soll sich als Irrtum herausstellen: Das Paradies stirbt.

Die Fischer der Insel beklagen, dass sie keine Fische mehr finden. Auch die Palmen werfen zunehmend weniger Früchte ab. Daher will Vaiana auf das offene Meer segeln, um dort Nahrung zu finden. Bei ihrem ersten Versuch begleitet sie ihr Schwein Pua, doch sie kentert. Vaiana jedoch will nicht aufgeben, und nach einem weiteren Anlauf findet sie sich inmitten des Pazifiks wieder. Ihre Großmutter zeigt Vaiana dann in einer Höhle einige in Vergessenheit geratene Segelboote. Die Zeichnungen auf den Segeln erzählen ihr von längst vergangenen Zeiten, als sich ihre Ahnen sehr wohl hinaus aufs Meer wagten. Vaiana malt sich aus, wie es gewesen sein muss, wenn sie gemeinsam singend über das Meer fuhren und sich dabei nachts an den Sternen orientierten.

Von ihrer Großmutter hat Vaiana erfahren, dass ihre wie auch viele andere Inseln durch Finsternis bedroht ist, da einst der Halbgott Maui der Göttin Te Fiti ihr „Herz“, ein magisches Artefakt, gestohlen hat. Damit kann er neues Leben erschaffen. Vaiana will Maui aufspüren, und nachdem sie ihn gefunden hat, kann sie ihn dazu bewegen, mit ihr zusammen das Herz zurückzubringen. Maui kann sich mittels eines magischen Hakens in verschiedene Tiere verwandeln.

Vaiana und Maui segeln auf einer ereignisreichen Reise gemeinsam über den offenen Ozean, kämpfen gegen riesige Wellenberge und begegnen Meeresungeheuern. Als sie die Insel von Te Fiti erreichen, versperrt ihnen das Vulkanmonster Te Ka den Weg …

Was zu sagen wäre

Disneys Arielle meets Pocahontas meets Disneys Hercules meets Pixars/Disneys Nemo meets Disneys/Lucas‘ Star Wars und so weiter … Es ist leicht, sich dem Zauber dieses Films hinzugeben und für 100 Minuten abzutauchen. Es ist ein Film aus den Disney-Werkstätten und das heißt zunächst einmal: Die Animation ist großartig. Wunderschön. Leuchtend. Realistisch. Manchmal glaube ich wirklich, die Figuren – auch ohne 3D-Brille, die wie so oft gänzlich unnötig ist – wirklich anfassen zu können.

Die Geschichte ist herzig, die klassische Heldenreise wie aus dem Lehrbuch. Ron Clements, einer der Regisseure, erzählt gerne, wie sich die Autoren und Produzenten von der polynesischen Kultur haben inspirieren lassen, von der dort beheimateten Mythologie rund um den Halbgott Māui, und dass sie einen kulturell möglichst authentischen Film schaffen wollten, der die Geschichte und Religion Polynesiens aufgreift. Nun gut. Das hat Disney bei dem politisch durchaus heiklen Pocahontas (Indianer) auch gesagt. Das haben sie auch bei Mulan (China) gesagt.

Die stets den Weltmarkt im Auge behaltenden Disney-Studios ziehen regelmäßig aus und zitieren andere Kulturen für ihr Weltprodukt Animationsfilm. Die polynesischen Elemente tauchen also zahlreich auf. Aber es bleibt ein Disneyfilm, der nicht abhebt, mit einer Heldin, die lernen muss, ihrem Herzen zu folgen, sie selbst zu sein, ihre Bestimmung zu finden und die schließlich doch irgendwie zur Auserwählten wird. Prompt verdrücke ich Tränchen der Rührung hier und da. Aber packen tut mich das singende Mädchen und der vierschrötige Halbgott nicht, der sehr an seinen griechischen BruderFrom Zero to Hero – erinnert.

Dabei ist das Mädchen durchaus einer näheren Betrachtung wert. Es sieht nicht aus, wie all seine Vorgängerinnen. Die Tochter des Chiefs, die es sich verbittet, Prinzessin genannt zu werden, hat weder eine Wespentaile wie etwa ihre große Unter-dem-Meer-Schwester Arielle, noch jagt sie zur Erfüllung ihres Traums einem Prinzen  hinterher; im ganzen Film taucht kein potenziell zukünftiger Lover auf, das Mädchen spielt statt desse mit einem Schweinchen und einem schielenden Hahn. Ihr Körper entspricht einer normalen menschlichen Figur, die bei Mädchen nicht sofort Abnehmattacken auslösen.

Auch die Musik ist diesmal nicht gut. Es spricht schon Bände, dass Golden Hollywood den Soundtrack zwar für einen Oscar nominiert, ihn aber nicht ausgezeichnet hat; sowas passiert Disney, oder wahlweise Pixar, eigentlich nicht.

Insgesamt wirkt der bunte Animationsfilm so, wie ein Sammelbecken vieler Ideen, die bei früheren Filmen nicht mehr untergekommen waren, die man ordentlich aufpoliert und hier zusammengebastelt hat. Schön. Aber keiner der künftigen Disney-Klassiker. Aber: Die Produktionskosten des Films lagen bei geschätzten 150 Millionen US-Dollar und eingespielt hat der Film weltweit rund 640,5 Millionen Dollar. Bei Disney schießen momentan auch die Durchschnittsfilme wirtschaftlich durch die Decke.

Wertung: 4 von 8 €uro