Plakatmotiv: A Million Ways to die in the West
Von Furz– und Blow-Job-Witzen abgesehen
eine charmante, liebenswerte Komödie
Titel A million ways to die in the west
(A million ways to die in the west)
Drehbuch Seth MacFarlane + Alec Sulkin + Wellesley Wild
Regie Seth MacFarlane, USA 2014
Darsteller Seth MacFarlane, Charlize Theron, Amanda Seyfried, Liam Neeson, Giovanni Ribisi, Neil Patrick Harris, Sarah Silverman, Christopher Hagen, Wes Studi, Matt Clark, Evan Jones, Aaron McPherson, Rex Linn, Brett Rickaby, Alex Borstein u.a.
Genre Western, Komödie
Filmlänge 116 (134) Minuten
Deutschlandstart
29. Mai 2014
Website amillionways.com
Inhalt

Schafzüchter Albert ist nicht gerade das, was man sich in seiner Wild-West Stadt Old Stump unter einem echten Cowboy vorstellt. Nicht nur, dass er ein großer Feigling ist, noch nie einen Colt abgefeuert hat und jeder Schlägerei aus dem Weg geht; er nervt die Dorfbewohnern auch gehörig mit seinem losen Mundwerk.cFreundin Louise flüchtet schon bald in die Arme eines anderen – die des schmiereigen Schnautzbart-Wichs-Händlers Foy.

Albert ist niedergeschlagen, bis eines Tages Anna in der Stadt auftaucht. Er verliebt sich in die toughe Blondine – und mit seinen Gefühlen keimt auch neuer Mut in ihm auf. Den hat er bitter nötig, denn Annas Gatte ist ein skrupelloser, schießwütiger Bandit. Als der Brutalo-Ehemann erfährt, was seine Frau so treibt, schäumt er vor Wut.

Eifersucht und Schießpulver ergeben ein explosives Gemisch …

Was zu sagen wäre

Wenn Seth MacFarlane einen Western dreht, geht das nicht ohne Furz-, Fick- und Pupswitzchen ab. MacFarlane hat sich mit seinen TV-Serien „Family Guy“, „American Dad“ und „The Cleveland Show“ als der Nerd von Hollywood etabliert – er kennt jeden, wenn er ruft, kommen sogar A-Stars für einen lustigen Kurzauftritt, im vorliegenden Western unter anderem Christopher Lloyd, der in einer Scheune gerade den DeLorean aus Back to the Future III repariert, oder Jamie Foxx, der für eine Szene im Abspann nochmal rasch sein Django Unchained-Outfit überstreift und einen Quacksalber erschießt. Bemerkenswerterweise stört all das denn Film nicht, im Gegenteil: die Witzchen und Gastauftritte kaschieren, dass der Film kaum nennenswerte Handlung hat.

Es ist alles drin, was zu einem Western gehört: Saloon-Schlägerei, Postkutschenraub, rauchende Eisenbahnen, herzensgute Huren, Duelle auf der Mainstreet, wilde Verfolgung zu Pferde. Und natürlich Indianer mit Marterpfahl und alten Sprichwörtern: „Manchmal findet ein Mann nur sein Glück, wenn er mit anderen Drogen nimmt!“

Eine (immerhin wunderschöne) Herausforderung stellt Charlize Theron dar (Snow White and the Huntsman – 2012;Prometheus – 2012; Young Adult – 2011; Hancock - 2008; The Italian Job – Jagd auf Millionen – 2003; Im Bann des Jade Skorpions – 2001; 15 Minuten Ruhm – 2001; Die Legende von Bagger Vance – 2000; The Yards – 2000; Wild Christmas – 2000; Gottes Werk & Teufels Beitrag – 1999; Mein großer Freund Joe – 1998; Im Auftrag des Teufels – 1997; That Thing You Do! – 1996; 2 Tage in L.A. – 1996), der man einfach nicht abnimmt, dass sie sich in diesen Loser verlieben könnte – worauf aber die Story natürlich hinausläuft. Warum sie mitspielt, macht eine Szene deutlich. Sie und MacFarlane sitzen des Nachts in der Prairie, schauen Schafe und Sterne und offensichtlich erzählt MacFarlane unglaublich lustige Geschichten (die wir nicht hören), denn Theron lacht andauernd und herzhaft. Das kann man sich leicht vorstellen, dass sie sich in Gegenwart eines so lustigen und souveränen Filmemachers wohlfühlt. Innerhalb des Filmrahmens aber ist ihre Anna zu tough, um als sanfte Prinzessin, die sich für den Schafhüter interessiert, glaubhaft zu sein – Mitleid, ja, und solange sie die Mentorin gibt, die Ausbilderin, ist sie wunderbar. Aber warum sie über aktuelles Mitleid hinaus Interesse an diesem Albert haben sollte, bleibt unklar.

Aber zum feuchten Jungstraum, den dieser Film verkörpert, gehört halt auch, dass eine blonde Amazone wie Charlize Theron Ja sagt zu einem Loser.

In der längeren Version (auf Blu-ray) bekommt der gewollt alberne Film dann jene Twists, die das rein Alberne zur Kunst veredeln. Da taucht immer wieder ein junges Mädchen auf, so etwa 11 Jahre alt, das Dates mit erwachsenen Männern forciert – schließ0lich war das Leben damals mit 30 häufig schon zu Ende, wie uns zu Beginn des Films mitgeteilt wird. Wenn die Dates nicht funktionieren, geht die 11-Jährige halt wieder mit ihrem vater aus – ein spitzer Kommentar auf gewisse gesellschaftliche Verwerfungen.

Rein filmtechnisch ist „A Million Ways …“ nichts Besonderes. MacFarlane kann auf die Routine der Hollywood-Experten vertrauen. Kamera, Ausstattung und das Ausmalen der Greenscreen-Lücken sind superb, schön anzuschauen, aber das ist alles State of the Art. Hier profitiert der Hollywood-Nerd von der Lust des Establishments, bei ihm mitzumachen zu dürfen und zu können. Das Ensemble, zu dem auch Amanda Seyfried und Ted-Co-Star Giovanni Ribisi gehören, kalauert sich mit sichtlichem Vergnügen durch die staubigen Kulissen. Der Film ist so rau wie charmant – trotz kaum vorhandener Handlung.

Wertung: 3 von 8 €uro