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Plakatmotiv: Coma (1978)
Ein zynisch inszenierter Thriller
aus einem tödlichen Krankenhaus
Titel Coma
(Coma)
Drehbuch Michael Crichton
nach dem gleichnamigen Roman von Robin Cook
Regie Michael Crichton, USA 1978
Darsteller Geneviève Bujold, Michael Douglas, Elizabeth Ashley, Rip Torn, Richard Widmark, Lois Chiles, Hari Rhodes, Gary Barton, Frank Downing, Richard Doyle, Alan Haufrect, Lance LeGault, Michael MacRae, Betty McGuire, Tom Selleck u.a.
Genre Thriller, Drama, Horror
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
25. August 1978
Inhalt

Die junge Chirurgin Dr. Susan Wheeler arbeitet zusammen mit ihrem Freund, Dr. Mark Bellows, im Krankenhaus Boston Memorial. Ihre beste Freundin Nancy Greenly wird in die Klinik eingeliefert, um einen Schwangerschaftsabbruch) durchführen zu lassen. Bei dem Routineeingriff fällt sie jedoch überraschend ins Koma und stirbt kurz darauf, obwohl sie eigentlich gesund ist.

Obwohl Mark und alle anderen ihr versichern, dass ein paar Todesfälle aufgrund von Nebenwirkungen bei der großen Anzahl von Operationen durchaus normal seien, bleibt Susan skeptisch. Sie findet heraus, dass es innerhalb der letzten zwölf Monate zehn ungeklärte Komafälle von jungen und gesunden Menschen nach Routineeingriffen gegeben hat. Gegen den Widerstand des Chefs der Chirurgie, Dr. Harris, forscht sie weiter nach. Als am nächsten Tag ein zweiter Patient, Sean Murphy, in ein unerklärliches Koma fällt, wird ihr Ehrgeiz verstärkt. Aber auch Dr. George, der Chefarzt der Anästhesiologie, stellt sich ihren Ermittlungen in den Weg und verweigert strikt die Herausgabe der betreffenden Krankenblätter.

Dann erfährt Susan, dass sich Nancy mittlerweile nicht mehr auf der Intensivstation, sondern in der Pathologie befindet, da sie inzwischen gestorben ist. Der Pathologe, der gerade Nancys Leiche untersucht, erzählt ihr, dass man ein Koma ohne auffällige Spuren künstlich erzeugen könnte, wenn man bei der Anästhesie den Sauerstoff durch Kohlenmonoxid austauscht.

Mark, dem sie von ihren Entdeckungen berichtet hat, fährt nochmal mit ihr ins Krankenhaus, um sie zu beruhigen. Bei der Untersuchung der Anästhesie-Anlagen in OP 8, wo alle fraglichen Operationen durchgeführt wurden, finden sie aber keine verdächtigen Spuren. Bei ihren weiteren Recherchen wird sie von einem Haustechniker bemerkt, der sie in den Maschinenraum bittet, um ihr die Lösung des Rätsels zu zeigen. Susan kommt jedoch zu spät – der Haustechniker stirbt durch einen Stromschlag; es sieht aus wie ein Unfall, war aber Mord.

Susan findet eine Gasflasche mit dem verdächtigen Kohlenmonoxid, die an ein dünnes Metallrohr angeschlossen ist. Sie folgt der Leitung über eine Leiter in einen Schacht, bis sie erkennt, dass diese genau in die Sauerstoffzuführung von OP 8 mündet und mit einer elektronischen Regelung versehen ist. Diese Entdeckung bringt sie in aktute Lebensgefahr. Ein Killer hat sich an ihre Fersen geheftet …

Was zu sagen wäre

Das Krankenhaus ist für Patienten ein unangenehmer Ort. Abgesehen davon, dass hier Krankheiten und Verletzungen aller Art repariert werden können, sind Patienten hier der Fachkompetenz fremnder Menschen hilflos ausgesetzt. Michael Crichton, Autor wissenschaftlich fundierter Spannungsromane und Regisseur des Freizeitpark-Thrillers Westworld (1973), verarbeitet hier Erfahrungen aus seiner ärztlichen Tätigkeit. Bei ihm wird die fremde Welt des Krankenhauses ein Horrorkabinett.

Der Mensch ist nicht mehr Patient. Der Mensch wird zur Fallakte, zum wertvollen Ersatzteillager. Seine Versorgung liegt in der Hand fürsorglicher Ärzte; bis zu dem Moment, in dem sie das richtige Alter und dir richtige körperliche Konstitution haben, um interessant zu werden für die Buchhaltung des Boston Memorial. Die Idee verquirlt Crichton in seiner zweiten Regiearbeit fürs Kino zu einem spannenden Verschwörungsthriller, in dessen Mittelpunkt eine Frau steht – eine sehr selbständige dazu. Das ist die zweite Ebene, die den guten zu einem bemerkenswerten Thriller.

Die Krankenhauswelt in diesem Film ist bevölkert von Männern, die geschäftspolitische Kabale leben und eifersüchtig darauf achten, wem welche Beförderung in Aussicht gestellt wird; der hypokratische Eid spielt in dieser Männerwelt eine Nebenrolle. Bei den einen, weil Tote als Organlieferanten bares Geld wert sind, bei den anderen, weil man Todesfälle am Krankenhaus nun mal vorkommen und man die eigene Karriere erschwert, wenn man sich zu viel mit dem Unabänderlichen beschäftigt.

In dieser Männerwelt spielt Geneviève Bujold, wie so häufig in ihrer Karriere, einen als lästig erkannten, bestenfalls geduldeten Fremdkörper (Schwarzer Engel – 1976; „Der scharlachrote Pirat“ – 1976; Der Unverbesserliche – 1975; Erdbeben – 1974; Der Dieb von Paris – 1967). Ihr Chef sieht in der erfolgreichen Ärztin mehr ein geschlechtsspezifisches Aushängeschild – „Frauen! Herrgott!“. Laborassistenten fragen sabbernd, ob sie wohl verheiratet sei, ihr Freund hält sie aufgrund ihres Verdachts für hysterisch und hat auch sonst Probleme damit, dass sie erfolgreiche Ärztin ist, weil sie ihm Abends deshalb nicht das Essen zubereitet und auch kein Bier aus dem Kühlschrank holt, ja ihn auffordert, sich das Bier doch bitte selbst zu holen, sie habe genauso hart gearbeitet wie er. Michael Douglas, bekannt als Inspektor Steve Heller aus der TV-Serie „The Streets of San Francisco“, spielt ihn prächtiger Haartolle so unbekümmert als Macho, wie er den unbekümmerten Assistenten Karl Malden gespielt hat.

Als Leitender Chirurg Dr. George A. Harris hat Richard Widmark eine seiner knarzig vorgetragenen Nebenrollen, die bei ihm im Alter ins Dämonische kippen (Achterbahn – 1977; Das Ultimatum – 1977; Mord im Orient-Express – 1974; Cheyenne – 1964; Das war der wilde Westen – 1962; „Das Urteil von Nürnberg“ – 1961; Alamo – 1960; Okinawa – 1951). Hier ist er Chefarzt voll säftelnd väterlicher Güte – „Schämen Sie sich nicht Ihrer Tränen, Sue. Erst Gefühle machen Menschen aus uns“ –, die mit einem Augenklimpern in tödliche Entschiedenheit umschlägt.

Letztendlich scheitern die Männer in diesem Film an der Frau, weil sie lieber über Football, Baseball und Käse-Schinken-Sandwiches lamentieren, anstatt auf ihre Überwachungsmonitore zu gucken, oder sich wenigstens über die fremde Frau im Korridor zu wundern – in Crichtons Männerwelt bleiben Frauen unsichtbar. „Coma“ ist ein spannender Thriller, glaubhaft aufgebaut, zynisch erzählt und gut besetzt.

Wertung: 8 von 9 D-Mark
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