Plakatmotiv: Der kleine Caesar
Harte Gangster. Harte Cops.
Versteckte Homosexualität.
Titel Der kleine Caesar
(Little Caesar)
Drehbuch W.R. Burnett + Francis Edward Faragoh
nach dem gleichnamigen Roman von William Riley Burnett
Regie Mervyn LeRoy, USA 1931
Darsteller
Edward G. Robinson, Douglas Fairbanks Jr., Glenda Farrell, William Collier Jr., Sidney Blackmer, Ralph Ince, Thomas E. Jackson, Stanley Fields, Maurice Black, George E. Stone, Armand Kaliz, Nicholas Bela u.a.
Genre Action, Crime
Filmlänge 79 Minuten
Deutschlandstart
2. März 1970 (TV-Premiere)
Inhalt
Die Freunde Caesar Enrico Bandello und Joe Massara wollen sich nicht damit zufriedengeben, als Kleinkriminelle außerhalb der Stadt ihr Geld zu verdienen. Massara strebt eine Karriere als Tänzer an und findet bald darauf eine Anstellung, dabei verliebt er sich auch in seine Mittänzerin Olga. „Rico“ Bandello hingegen bleibt seinem Milieu treu und entwickelt sich zu einem rücksichtslosen Mitglied der Gang von Sam Vettori. Bei einem Überfall in einem Nachtclub erschießt Rico mit seiner Waffe den Polizeikommisar McClure, was Joe – der in dem Nachtclub von Monsieur DeVoss arbeitet und vom Überfall wusste – schockiert beobachtet. Joe will sich aus den Gängstergeschäften nun endgültig heraushalten und sich auf seine Karriere als Tänzer fokussieren, worunter seine Freundschaft mit Rico langsam zerbricht.

Rico wirft seinem Chef Sam Vittori vor, dass dieser zu weich geworden sei, und bootet diesen schließlich aus. Nach und nach kann Rico mit ebenso brutalen wie geschickten Methoden die rivalisierenden Gangster Little Arnie Lorch und Pete Montana ausschalten. Ein Gangster namens Tony, der die Bande aus Gewissensbissen verlassen und beim Pfarrer beichten will, wird auf der Kirchentreppe von Rico niedergeschossen. „Big Boy“, der geheimnisvolle Chef der Chicagoer Unterwelt, gibt Rico und seiner Bande schließlich die Kontrolle über die gesamte Nordseite von Chicago.

Als „Kleiner Cäsar“ ist Rico auf dem Höhepunkt seiner Gangsterkarriere angekommen. Dort kann er sich so lange behaupten, bis er den Fehler begeht, Joe Massara wieder in seine Gang aufnehmen zu wollen. Der Freund aus vergangenen Zeiten hat sich nämlich für ein solides Leben an der Seite von Freundin Olga entschieden und lehnt das Angebot ab. Rico will daraufhin das Paar umbringen …

Was zu sagen wäre
Mervyn LeRoy führt uns ein in eine Welt, in der das Gute so gut wie ausgeschlossen ist. Hier ist Jeder gegen Jeden, Freundschaften werden strapaziert, Loyalitäten auf Zeit geknüpft. Die Welt der gangster und die Welt der Polizisten ist nicht leicht zu unterscheiden – außer, dass die Polizisten Autos mit Signalhorn fahren und bisweilen eine Uniform tragen. Aber was die Brutalität und die lieber-erst-schießen-dann-fragen-Mentalität angeht, nehmen sich beide Seiten in LeRoys Filmwelt nichts.

Der Film lehnt sich lose an die Biografie Al Capones an, des legendären Paten der Chicagoer Unterwelt, erweitert dessen Charakter allerdings um kaum cachierte homosexuelle Bezüge. Die enge Beziehung zwischen Rico und Otero, Ricos große Schwäche für Joe, sowie nicht vorhandene Liebesbeziehungen von Rico – stattdessen äußert er sich abfällig über Frauen – sind anders kaum zu deuten, zumal in einem Kinogenre, das nicht in der heilen Welt der Vorstädte spielt, sondern die dunklen Seiten des Lebens ausleuchtet. Der Film, 1931 produziert, ist das Werk zügelloser Männer aus dem hedonistischen Hollywood für eine sich prüde gebende Gesellschaft. Der gehört Homosexualität als Ausdruck des Verruchten unbnedingt dazu – außerdem konnten Künstler auf diese Weise prüden Moralwächtern geschicht ein Schnippchen schlagen; denn natürlich kann man diesen kleinen, vernarbten Rico auch als einfach zu hässlich und zu brutal für Frauen interpretieren.

William Riley Burnett, Autor der Buchvorlage, beschwerte hat sich bei Warner Brothers mit einem Brief beschwert, dass man die von ihm heterosexuell intendierte Figur des Enrico im Film in einen verklemmten Homosexuellen verwandelt hätte.

Wertung: 5 von 6 D-Mark