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Plakatmotiv: Frankenstein Junior
Eine wilde Parodie,
so platt wie genial
Titel Frankenstein Junior
(Young Frankenstein)
Drehbuch Gene Wilder + Mel Brooks
basierend auf den Charakteren der Novelle „Frankenstein“ von Mary Wollstonecraft Shelley
Regie Mel Brooks, USA 1974
Darsteller
Gene Wilder, Peter Boyle, Marty Feldman, Madeline Kahn, Cloris Leachman, Teri Garr, Kenneth Mars, Richard Haydn, Liam Dunn, Danny Goldman, Oscar Beregi Jr., Arthur Malet, Richard A. Roth, Monte Landis, Rusty Blitz u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
5. September 1975
Inhalt

Frederick Frankenstein ist der Enkel des berühmten Dr. Victor von Frankenstein, der sein Leben lang daran gearbeitet hat, tote Körper wieder zum Leben zu erwecken.

Frederick glaubt, dass dies nur eine erfolglose Arbeit eines alten Spinners sei, bis er das Schloss seines Großvaters besucht. Als er dort ein Buch mit der Aufschrift „How I did It“ findet, lässt er sich für die Arbeit und Ideen seines Großvaters doch begeistern und nimmt die Forschung wieder auf.

Der Erfolg gibt ihm Recht. Bald steht wieder eine Kreatur in den unterirdischen Gewölben, dummerweise eines mit dem falschen Gehirn. Gehilfe Igor hatte, weil er in einer Gehirnbank das Gehirn eines Wissenschaftlers fallen ließ und stattdessen ein „abnormales“ Gehirn, geliefert. Dann verhilft dem Abnormen auch noch Haushälterin Blücher zur Flucht. Die war einst Viktor Frankensteins Geliebte und hatte geschickt arrangiert, dass der unwillige Frederick dessen Arbeit fortführt.

Auf seiner Flucht macht das Monster Bekanntschaft mit einem kleinen Mädchen, das mit ihm spielt, und mit einem einsamen blinden Greis, der das Monster bewirtet. Frederick fängt die Kreatur wieder ein, besänftigt sie und tritt mit ihr öffentlich auf: Frankenstein und die Kreatur geben im Frack eine Step- und Musiknummer zum besten. Ein platzender Scheinwerfer versetzt die Kreatur in Panik und es entwickelt sich ein Tumult. Daraufhin wird das Monster eingefangen und in Ketten gelegt. Just in dem Moment, als sich Frederick mit Inga von seinem Kummer ablenkt, kündigt Fredericks Verlobte Elizabeth ihren Besuch an.

Als der wachhabende Polizeibeamte ein Streichholz anzündet, gerät das Monster erneut in Panik, zerreißt seine Ketten und flieht. Es entführt Elizabeth, wobei es sich als feuriger Liebhaber offenbart …

Was zu sagen wäre

Es gehört zu Mel Brooks speziellem Humorverständnis („Der wilde wilde Westen“ – 1974; „Zwölf Stühle“ – 1970; Frühling für Hitler – 1967), dass platte und sexuell aufgeladene Witze unbedingt dazu gehören. Das muss der Zuschauer akzeptieren, ebenso, wie die Freunde des derben Humors akzeptieren müssen, dass Brooks auch die feinen Varianten des witzes beherrscht. Sein „Frankenstein Junior“ nimmt die Szenen des Klassikers und … übertreibt sie (nur) ein wenig. Da reicht es dann, wenn der blinde Einsiedler – den der im Vorspann unerwähnt gebliebene Gene Hackman („Der Dialog“ – 1974; Die Höllenfahrt der Poseidon – 1972; French Connection – 1971; „Verschollen im Weltraum“ – 1969; „Bonnie und Clyde“ – 1967) spielt – der Kreatur heiße Suppe in den Schoß (statt in den Teller) gießt, um Lacher zu provozieren und natürlich tötet er das Mädchen (des Originals) nicht, sondern bringt (schleudert) sie rechtzeitig ins Bett.

Mel Brooks verlässt sich auf den großartigen Gene Wilder („Der wilde wilde Westen“ – 1974; Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten – 1972; „Charlie und die Schokoladenfabrik“ – 1971; Frühling für Hitler – 1967; „Bonnie und Clyde“ – 1967), auf den unschuldigen Sex der TV-Ikone Teri Garr („Der Dialog“ – 1974; „Whisky brutal“ – 1970; „Head“ – 1968) und auf die bizarre Präsenz Marty Feldmans. Der ist ein wunderbarer Igor, der seinen Buckel mal links, mal rechts trägt und des Doktors eigenartigen Spleen, sich vom Werk seines Vaters abzusetzen, indem er seine Umwelt fortwährend korrigiert, sein Name sei Fronkensteen, locker akzeptiert. 

Feldman ist der Trumpf des Films. Der trockene Humor des Briten mit den kugeligen Augen, der immer mal wieder die vierte Wand durchbricht und direkt mit dem Zuschauer spricht, macht auch die normalste Szene absurd. Der Film lebt von ihm und vom britischen Humor mit Wortwitz und unkommentiertem Unsinn. In der Tat lohnt es sich, den Film im Original anzuschauen (mit Untertiteln). Die Synchronisation zerstört 80 Prozent des doppeldeutigen Sprachwitzes, von dem Brooks‘ Film lebt. Peter Boyle als Die Kreatur gibt diesem künstlichen Wesen große Würde. 

Und selbstverständlich ist auch diese Version des Shelley‘schen Romans eine Moritat und natürlich schlagen auch hier die einfachen Bürger, die das Fremde fürchten, über die Strenge und Dr. Frankenstein Junior stellt schließlich fest: „Wenn ich einen Weg finden könnte, die Unausgewogenheit seiner Hirn-Rückenmarks-Flüssigkeit auszugleichen, würde er gedeihen, wie im Regen. Aber wie ..? Bevor es zu spät ist?“ Und die entzückende Teri Garr sondert dann Doppekdeutiges ab.

Die große Kunst Mel Brooks‘ ist es, die uns allen bekannten Szenen aus dem Klassiker leicht zu überzeichnen und in ihr Gegenteil zu verkehren – aus Drama durch Verdrehung Comedy zu machen

Wertung: 6 von 8 D-Mark
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