Kinoplakat: Matinee – Die Horrorpremiere
Eine Liebeserklärung
an das B-Movie-Kino
Titel Matinée – Die Horrorpremiere
(Matinee)
Drehbuch Jerico + Charles S. Haas
Regie Joe Dante, USA 1993
Darsteller

John Goodman, Cathy Moriarty, Simon Fenton, Omri Katz, Lisa Jakub, Kellie Martin, Jesse Lee Soffer, Lucinda Jenney, James Villemaire, Robert Picardo, Jesse White, Dick Miller, John Sayles, David Clennon, Lucy Butler u.a.

Genre Komödie, Drama
Filmlänge 99 Minuten
Deutschlandstart
29. Januar 1993
Inhalt

Sommer 1962: Es ist der Höhepunkt der Kuba-Krise. Die Sowjetunion lagert Atomraken auf Kuba, die USA zieht eine Seeblockade rund um Kuba hoch. Für die Menschen in Key West, Florida, ist das Ende der Welt greifbar nahe, Ehemänner, Väter, Brüder leisten als Marinesoldaten ihren dienst auf den Blockadeschiffen, die Jugend der Stadt geht davon aus, am Montag möglicherwiese schon nicht mehr zu existieren.

Kinoplakat (Fr): Panic sur Florida Beach

Für dieses Wochenende hat sich hoher Besuch in der Stadt angesagt. Regisseur Lawrence Woolsey stellt im örtlichen Kino seinen neuen Monster-Schocker vor: MANT, ein Film über einen Mann, der sich langsam in eine Ameise verwandelt. Auch Gene Loomis, Teenager an der High School, dessen Vater vor Kuba liebt, ist ganz aufgeregt, zumal, er seinem Idol Woolsey leibhaftig begenet und der ihm Freikarten für den Film schenkt. Etwas lästig sind die Demonstranten, die vor dem Kino vor der Premiere gegen den Film und dessen krude Aussage demonstrieren. Aber Woolsey wäe kein erfolgreicher Regisseur, wenn er den protest nicht zu seinen Gunsten nutzen würde

Gene und sein Buddy Stan haben, alterstypisch, noch mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie haben sich verliebt. Gene ist hin- und hergerissen, weil er unbedingt in den Film möchte, Sherry allerdings, die von sehr widerspruchsfreudigen Eltern erzogen wird, mit solchen wissenschafts-horror-atom-Filmen wahrscheinlich wenig anfangen kann. Und Stan, der auf die Schulschönheit Sherry steht, ist von deren Ex, Harvey, klar gemacht worden, dass er, Stan, sich von Sherry besser fern hält, denn die gehöre immer noch zu ihm; Stan ist nicht der Typ, der sich gerne schlägt.

Nun sitzen alle im Kino, Sherry trifft auf Stan, der das Kino-Date mit ihr (nach Harveys Drohung unter einem Vorwand) abgesagt hatte, sie versöhnen und küssen sich, was Harvey sieht, der von Lawrence Woolsey angeheuert ist, als kostümierter Ameisenmann im dunklen Saal für Schrecken zu sorgen und über eine eigens eingerichtete Tieftöner-Anlage besonders vibrierenden Nervenkitzel im Saal zu erzeugen; Harvey, des Kusses ansichtig, flippt aus und übersteuert die Tieftöner-Anlage, was das Kino in heftige Schwingungen und Gene und Sandra in den Atombunker des Kinobunkers versetzt.

Das Kino wackelt so heftig, dass nun alle glauben, aus der kalten Kuba Krise sei ein heißer Atomkrieg geworden und die Vibrationen erste Vorboten der atomaren Vernichtungswelle. In Panik versucht jeder, irgendwie aus dem Kino zu kommen.

Doch der Weg ist abgeschnitten, das Kino steht in Flammen …

Was zu sagen wäre

Darf man das? Witze machen mit der Angst der Menschen vor dem nuklearen Holocaust? Warum eigentlich nicht? Warum nicht, wenn es jemand so lehrreich ummantelt, wie Joe Dante, der hier dem großartigen B-Picture, dem Creature-Thriller, bei dem er selbst erste Schritte gelernt hat, die ehre erweist und ein Denkmal setzt.

Es ist das entscheidende Wochenende der Kuba-Krise … die paar Tage, in denen sich für die Menschheit entscheidet, ob sie im nuklearen Feuer verdampft, oder weiter versuchen kann, ein Leben zu leben. Die Menschen in Key West waren ganz nah dran an der Krise. Im Film ist der Vater der Hauptfigur Gene, der auf einem Flugzeugträger Dienst tut. Die Menschen in diesem Film haben und personifizieren die Angst vor dem Atom.

Filmemacher wie Lawrence Woolsey, dem John Goodman („Barton Fink“ – 1991; „Arachnophobia“ – 1990; Always – Der Feuerengel von Montana – 1989; Sea of Love – 1989; „The Big Easy“ – 1986) – in seiner vielleicht besten Rolle ever – wunderbar jungenhaft-spielerische, professionelle-Filmemacher-Statur gibt, machen sich die Angst zunutze und bringen schnell runtergekurbelte, giftige, pfiffige Monsterfilme in die Kinos und die Menschen lassen sich mit sowas gerne ablenken. Abgesehen von vielem anderen ist „Matinée“ein schöner Blick zurück in eine spannende, existenzielle Zeit.

Darum herum aber ist der Film vor allem … wunderbar. ein Lobgesang, eine Hymne, eine Schwärmerei auf das Kino im Allgemeinen und den Monsterfilm, das Creature Feature im Speziellen. Joe Dante (Gremlins 2 – 1990; Meine teuflischen Nachbarn – 1989; „Die Reise ins Ich“ – 1987; Gremlins – Kleine Monster – 1984; „Das Tier“ – 1981; Piranhas – 1978) spickt seinen Film mit Originaldialogen aus Klassikern des Genres wie Formicula (1954) oder Tarantula (1955), er dreht einen Film-im-Film mit einer Riesenameise, zeigt gefakte 50er-Jahre-Trailer, die alle vor allem von Liebe zum Kino Kino zeugen. Und diese Schwärmerei ist hochprofessionell verpackt.

Dante weiß, was er seinem Publikum schuldig ist – reine Schwärmerei würde es keine fünf Minuten dulden – und erzählt spannend, fintenreich und komplex mehrere Geschichten nebeneinander: die im Film „Mant“ mit überraschend ausgefeilten Spezial Effekten, die pubertären Probleme einer High-School-Generation, die wegen abwesender Soldatenväter schon große familiäre und gesellschaftliche Verantwortung tragen; und er erzählt von den Schwierigkeiten schon in den 1960er Jahren, Filme in die Kinos zu bringen.

„Matinée“ ist eine schöne Schwelgerei mit Hintergrund.

Wertung: 10 von 10 D-Mark