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Plakatmotiv (UK): The Spy who came in from the Cold – Der Spion, der aus der Kälte kam (1965)
Ein kalter Film über
ein kaltes Gewerbe
Titel Der Spion, der aus der Kälte kam
(The Spy Who Came in from the Cold)
Drehbuch Paul Dehn + Guy Trosper
nach dem gleichnamigen Roman von John Le Carré
Regie Martin Ritt, UK 1965
Darsteller Richard Burton, Claire Bloom, Oskar Werner, Sam Wanamaker, George Voskovec, Rupert Davies, Cyril Cusack, Peter van Eyck, Michael Hordern, Robert Hardy, Bernard Lee, Beatrix Lehmann, Esmond Knight, Tom Stern, Niall MacGinnis u.a.
Genre Drama, Thriller
Filmlänge 112 Minuten
Deutschlandstart
8. März 1966
Inhalt

Alec Leamas leitet von West-Berlin aus alle britischen Geheimdienstoperationen dort und in der DDR. Nachdem der ostdeutsche Abwehrchef im Ministerium für Staatssicherheit, Hans-Dieter Mundt, Leamas' Agentennetzwerk in der DDR vollständig zerstört hat, wird Leamas nach England zurückbeordert. Dort wird sein sozialer Abstieg inszeniert, um Leamas als Köder für den ostdeutschen Geheimdienst brauchbar zu machen. Er soll den Gegner mit Informationen versorgen, aus denen sich schließen lässt, dass Mundt ein britischer Spion ist. Zunächst arbeitet er in einer Bibliothek, in der er die junge idealistische Kommunistin Nan Perry kennenlernt. Sie beginnen ein Verhältnis miteinander.

Als Leamas betrunken einen Ladenbesitzer niederschlägt, kommt er ins Gefängnis. Damit scheint seine bürgerliche Existenz endgültig zerstört. Nach seiner Entlassung wird er wie erwartet von Agenten des Warschauer Pakts angeworben und zunächst nach Holland gebracht, wo er befragt werden soll. Als Leamas in englischen Zeitungen zur Fahndung ausgeschrieben wird, wird er nach Ostdeutschland gebracht. Dort trifft er auf Fiedler, den jüdischen Stellvertreter des ehemaligen Hitlerjungen Mundt. Fiedler verhört Alec und überprüft seine Angaben, wie über Banken in Dänemark und Finnland hohe Summen an einen unbekannten Agenten mit einem deutschen Namen transferiert wurden. Mundt hat sich jeweils an den Tagen der Abhebungen dort aufgehalten.

Der ehrgeizige Kommunist Fiedler erkennt seine Chance und lässt seinen Chef Mundt mit Leamas' Informationen anklagen. Es kommt zu einem geheimen Tribunal gegen Mundt. Die Beweislage gegen ihn scheint erdrückend. Doch das Blatt wendet sich, als Mundts Verteidigung überraschend Nan Perry als Zeugin aufruft, die mit einer Einladung der SED nach Ostdeutschland gelockt worden ist …

Plakatmotiv: Der Spion, der aus der Kälte kam (1965)

Was zu sagen wäre

Die Kälte, in der Spione draußen im Feld arbeiten, ist hier allgegenwärtig. Wärme ist in Martin Ritts Schwarz-Weiß-Film nicht vorgesehen. Selbst die Szenen mit Claire Bloom als Richard Burtons Freundin erzählen wahlweise von Alkohol oder leeren kommunistischen Träumen.

Videocover (UK): The Spy who came in from the Cold – Der Spion, der aus der Kälte kam (1965)Richard Burton („Hamlet“ – 1964; Die Nacht des Leguan – 1964; Cleopatra – 1963; „Der längste Tag“ – 1962; „Titanen“ – 1960; „Ein Sommernachtstraum“ – 1959; „Das Gewand“ – 1953) ist großartig in der Rolle des vermeintlich abgestürzten, kalt kalkulierenden Agenten, der seine Doppelrolle ohne Rücksicht auf eigene Verluste durchzieht. „Für was hälst Du Spione eigentlich? Moralphilosophen, die über ihrem Glaubensbekenntnis meditieren, an Gott denken oder Karl Marx? Wir sind nicht Heilige. Bei uns gibt es alles: Kriminelle, Narren und Verräter, alles, was man erpressen und kaufen kann, verrückte Idealisten wie mich und infantile Männer, die ihr Leben lang Räuber und Gendarm spielen. Wir sind keine Mönche, die im Kloster über Recht und Unrecht nachdenken.

Ritts Romanverfilmung lässt sich Zeit beim Aufbau der Geschichte, über eine halbe Stunde lang geschieht wenig von äußerlichem Belang. Akribisch beschreibt der Film Leamas' Absturz – Jobverlust, Alkohol, Schulden, Gefängnis. In dieser Genauigkeit greift er John le Carrés Romanvorlage aus dem Jahr 1963 auf, in der das Spionbagegeschäft zu einer Angelegenheit von Bürokraten gerinnt, die Vorschriften verfolgen; einen James Bond sucht man hier vergeblich. Aber statt des erfundenen Superagenten Ihrer Majestät mit seiner Hau-drauf-und-Schluss-Mentalität beherrschen Le Carrés Agenten das doppelte Doppelspiel.

Ganz so einfach, wie sich dem Zuschauer die Geschichte zunächst in aller Ausführlichkeit ausbreitet, ist sie nämlich keineswegs. Dass das Spionagegeschäft in der Tat so schmutzig ist, wie Richard Burton es beschreibt, werden wir in unserem bequemen Kinosessel nicht einfach gesagt bekommen – wir werden es quasi körperlich zu spüren bekommen.

Wertung: 7 von 8 D-Mark
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