Kinoplakat: Der Mann, den sie Pferd nannten
Western mit hohem
Sado-Maso-Anteil
Titel Ein Mann, den sie Pferd nannten
(A man called Horse)
Drehbuch Jack De Witt + Dorothy M. Johnson
Regie Elliot Silverstein, USA 1970
Darsteller Richard Harris, Judith Anderson, Jean Gascon, Manu Tupou, Corinna Tsopei, Dub Taylor, James Gammon, William Jordan, Eddie Little Sky, Michael Baseleon, Lina Marín, Tamara Garina, Terry Leonard, Iron Eyes Cody, Tom Tyon u.a.
Genre Western, Drama
Filmlänge 114 Minuten
Deutschlandstart
13. August 1970
Inhalt

Amerika, 1825: Sioux-Indianer nehmen den englischen Aristrokraten Lord John Morgan gefangen. Er lebt mit ihnen, wird anfangs als eine Art Haustier gehalten und gehört Buffalo Cow Head, der Mutter des Häuptlings Yellow Hand. Die Indianer geben ihm den Namen „Pferd“ – und so behandeln sie ihn auch.

Batise, ein anderer Gefangener, bringt Morgan die Sprache und Sitten der Indianer bei. Nach und nach beginnt Morgan nun, die indianische Lebensweise zu verstehen und zu akzeptieren. Als sich zwei Shoshonen heimlich ihrem Lager nähern, gelingt es Morgan, beide zu töten; widerwillig nimmt er sogar deren Skalps. Dadurch akzeptieren die Sioux ihn als einen der ihren und heben ihn in den Krieger-Status. In einer martialischen Einweihungszeremonie, dem Sonnentanz, wird er in den Stamm aufgenommen und heiratet die Schwester des Häuptlings, „Lockendes Reh“.

Kinoplakat: Der Mann, den sie Pferd nanntenAber die verfeindeten Shoshonen sinnen auf Rache für ihre toten Brüder …

Was zu sagen wäre

Ein interessantes Experiment, nahezu ein impressionistischer Film. Abgesehen von ein paar einleitenden Dialogen, die vor allem die Herkunft John Morgans erläutert wird in diesem Film zu zwei Dritteln in fremder Zunge gesprochen, in der Sprache der Lakota-Sioux-Indianer. So wie John Morgan können wir nur Eindrücke aufnehmen (immerhin, ohne seine Qualen körperlich erleben zu müssen), ohne zu verstehen, was vorgeht; ohne zu verstehen, was diese Wilden mit Morgan vorhaben, ob nicht irgendein Kind hergelaufen kommt und ihn tötet, einfach so.

Wobei der Begriff Wilde nicht zutrifft. Wenn die Indianer Wilde sind, sind die Weißen auch Wilde. Die einzigen Weißen, die wir außer Morgan zu Gesicht bekommen, sind die drei Handlanger, mit denen er zu Beginn des Films auf Rebhuhnjagd geht – alle drei ungewaschene, versoffen lallende Kreaturen zweifelhafter Glaubwürdigkeit. Eine Form von Zivilisation, derer sich die Engländer schon in jenen Jahren rühmten, gibt es im Wilden Westen des Jahres 1825 offensichtlich noch nicht. Ausgerechnet in diesem Spannungsfeld haben es die Produzenten des Films überzogen.

Die Indianer des Films kennen offenbar kein soziales Gefüge. Sie sind zwar Stammesgenossen, aber wenn ein Krieger stirbt und seine Mutter keinen zweiten sohn mher hat, wird sie verstoßen „und im Winter jämmerlich erfrieren“, wie Batise dem neuen Gefangenen klar macht. Als der Winter kommt und eine solche Verstoßene erfriert, ist Morgan schon so akklimatisiert, dass er ihr nicht hilft, sondern ihr die wärmende Decke nimmt, die er selbst besser brauchen kann, und dann um Einlass ins wärmende Zelt seiner Besitzerin bettelt. Eine beeindruckende Szene, die die Entwicklung Morgans deutlich macht, ohne viele Worte zu verschwenden. Blöd nur, dass die Szene nicht zum Film passt.

Regisseur Elliot Siverstein („Die Meute“ – 1967; „Cat Ballou – Hängen sollst du in Wyoming“ – 1965) rühmt sich seiner historischen Genauigkeit, aber ausgerechnet diesen Ritus, alte Frauen, die keinen sie ernährenden Beschützer mehr haben, zu verstoßen ist Historikern zufolge erfunden. Das nimmt dem naturalistischen Spektakel, dem man seine Längen, die zwangsläufig entstehen, wenn man Zusammenhänge nicht einfach in Sätzen erklären, sondern ausführlich in Bildern erläutern muss, gerne nachsähe, seine erzählerische Ausnahmessituation im zeitgenössischen Kino und treibt ihn, zusammen mit den martialischen Sonnentanz und der erotischen Inszenierung der Indianerin „Lockendes Reh“ in die Nähe des Bahnhofkinos – Sado-Maso-Sex im Wigwam statt spannender Dokufiktion.

Mimisch unterfordert ist Richard Harris in der Rolle des maltraitierten Aristokraten („Camelot – Am Hofe König Arthurs“ – 1967; „Die Bibel“ – 1966; „Meuterei auf der Bounty“ – 1962; Die Kanonen von Navarone – 1961). Lässt man seinen physischen Einsatz beiseite – nackt an Pferde gebunden durch die Prairie stolpern, geschlagen werden und derlei – bleibt ihm nur die Leidensmine als Ausdruck und die wirkt eher so, als sei da ein eitler Schauspieler in seine Darstellung des Schmerzensmannes verliebt.

Wertung: 4 von 8 D-Mark