Kinoplakat: Maggie
Ein Arthouse-Drama mit
Schwarzenegger als Zupferd
Titel Maggie
(Maggie)
Drehbuch John Scott
Regie Henry Hobson, USA, Schweiz 2015
Darsteller

Arnold Schwarzenegger, Abigail Breslin, Joely Richardson, Douglas M. Griffin, J.D. Evermore, Rachel Whitman Groves, Jodie Moore, Bryce Romero, Raeden Greer, Aiden Flowers, Carsen Flowers, Walter Von Huene, Dana Gourrier, Amy Brassette, David A Cole u.a.

Genre Drama, Horror
Filmlänge 95 Minuten
Deutschlandstart
28. August 2015 (DVD-Premiere)
Inhalt

Millionen von Menschenleben in den Vereinigten Staaten sind der Zombie-Epidemie zum Opfer gefallen. Mittlerweile ist es der Regierung gelungen, die Seuche einzugrenzen, aber eines der letzten Opfer, die der Epidemie zum Opfer fallen soll, ist die Teenagerin Maggie.

Innerhalb von sechs Wochen soll sie zur Untoten mutieren und kehrt für ihre verbleibende Zeit in die Arme ihres Vaters Wade und ihrer Mutter Caroline zurück. Wade will Maggie nicht so schnell aufgeben und ist fieberhaft auf der Suche nach einem Heilmittel. Auf der einsamen Farm im Mittleren Westen kümmert er sich hingebungsvoll um seine infizierte Tochter, doch je mehr Zeit verstreicht, desto mehr setzt Maggies Verwandlung ein, bis auch Wade in ihr kaum mehr sein geliebtes Kind erkennen kann …

Was zu sagen wäre

Arnold Schwarzenegger in einem Zombie-Film. Na klar, warum nicht? Zombiefilme sind ja heutzutage auch Akschnfuime. Und dann … was für eine Überraschung! „Maggie“ ist ein kleiner Film – Budgetmäßig – ein Arthouse-Projekt, das um die Frage kreist, was eigentlich angehörige machen, deren Familienmitglieder zu Zombies mutieren; die hauen denen ja nicht freiwliig gleich den Kopf ab.

Arnold Schwarzenegger (Sabotage – 2014; The Last Stand – 2013; The Expendables – 2010; Eraser – 1996; Last Action Hero – 1993; Kindergarten Cop – 1990; Das Phantom Kommando – 1985; Terminator – 1984; Conan, der Barbar – 1982; Mister Universum – 1976) gibt so einen Angehörigen. Seine Tochter mutiert und er will sie begleiten – bis zum Schluss. Klar, er darf da auch Pumpguns tragen, prügeln, schießen, töten, schließlich gibt es in dieser Endzeitvision den ein oder anderen Zombie zu beseitigen. Aber vor allem ist Schwarzenegger in der Rolle des verzweifelten Vaters zu sehen; und manch werdender Zombie in der Rolle eines sich verlierenden Menschen. Als Spannungselement fungiert die Frage, wie Maggie enden wird (dass sie enden wird, ist keine Frage): Wird sie im Quarantäne-Lager einen mehrfach zitierten, qualvollen Tod sterben, oder wird Dad es richten, mit einer gütigen Kugel aus seinem Gewehr?

Kinoplakat: Maggie

Hier spielt der Film mit Schwarzeneggers Image als Action-Alles-Löser. Schlimmstenfalls würde er doch sicher … Das nimmt mit, fasst an. Henry Hobson geht mit seiner Handkamera nah an die Gesichter ran, selten gönnt er dem Zuschauer Totalen; und wenn, dann sind diese grau und trist. Endzeit. Der Mensch am Scheideweg. 

Schwarzenegger spielt wortkarg, die vielen Großaufnahmen spielen ihm in die Hände, seine Augenschlitze – hier und da mit Tränen aufgewertet – wirken je nach Szene der Stimmung entsprechend. Je länger der Film dauert wird aber klar, dass Schwarzenegger eher der clevere Magnet für die Kinokasse ist, für die Aufmerksamkeit der Medien.

Im Mittelpunkt steht Abigail Breslin (Ender's Game – 2013; Im August in Osage County – 2013; „The Call – Leg nicht auf!“ – 2013; Happy New Year – 2011; Zombieland – 2009; Little Miss Sunshine – 2006) als infizierte Titelheldin; eine tragische Figur, die weiß, dass sie eine Gefahr darstellt. Eine Figur, für die der Zuschauer Sympathien entwickelt und gleichzeitig ängstlich Fingernägel knabbert, sobald sie bei fortschreitender Verwesung von jemandem in den Arm genommen wird – beißt sie vielleicht doch zu; und infiziert ihn?

Henry Hobson verliert sich manchmal in seinem Drama; es mangelt ihm an Timing. Anstatt die Geschichte stringent voranzutreiben, bleibt Hobson immer wieder stehen, um sich in persönlichen Schicksalen zu verlieren, die dem Zuschauer aber keine neuen Erkenntnisse bieten. Mehr als ein Actionfilm, der sich manche Extravaganza leisten kann, weil die Bilder übervoll sind, kann sich ein storygetriebener Film, der aus Gesichtern und Worten besteht, eng an der Dramaturgie entlang hangelt, Pausen kaum leisten.

Ein Arthouse-Film mit Arnold Schwarzenegger macht das nochmal deutlich: Es ist im 21. Jahrhundert viel schwerer, eine Geschichte im Kino zu erzählen, als einfach nur action aneinanderzureihen.

Wertung: 7 von 8 €uro