IMDB
Kinoplakat: Männer die auf Ziegen starren
Eine gelungene Farce mit
fröhlichen Schauspielern
Titel Männer, die auf Ziegen starren
(The Men Who Stare at Goats)
Drehbuch Peter Straughan + Jon Ronson
Regie Grant Heslov, USA 2009
Darsteller George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges, Kevin Spacey, Stephen Lang, Robert Patrick, Waleed Zuaiter, Stephen Root, Glenn Morshower, Nick Offerman, Tim Griffin, Rebecca Mader, Jacob Browne, Todd Lawson LaTourrette, Brad Grunberg u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 94 Minuten
Deutschlandstart
4. März 2010
Inhalt
Bob Wilton hat nicht das große Los gezogen. Er schreibt für eine kleine Zeitung in dem noch kleineren Ann Arbor und weiß nicht, dass er das große Los verpasst hat. Er ist viel zu beschäftigt, seiner Zeitung die Auflagen stärkende Kracherschlagzeile zu besorgen und kommt dann mit Geschichten wie der von einem Mann, der seinen Hamster zu Tode gestarrt hat.

Anfang 2003 verlässt ihn seine Frau, die seinen Chefredakteur besser findet; der hat eine Armprothese, die herrlich fest zugreifen kann. Kurzerhand zieht Bob Wilton in den Krieg – in den Irak-Krieg. Da er aber nicht als Embedded Journalist arbeiten kann, steckt er in Kuwait fest und ist dort auf der Suche nach einer Story. In seinem Hotel trifft er Lyn Cassady; von dem hatte Wilton schon mal gehört, als er den Mann interviewte, der seinen Hamster zu Tode gestarrt haben wollte. Offenbar hatte Cassady Ähnliches in seiner militärischen Einheit getan. Jetzt sieht er eine Zeichnung Bobs, die einem Tattoo auf Cassadys Brust gleicht, als Zeichen des Schicksals.

Er erzählt Bob von der in den 1970er Jahren gegründeten experimentellen Spezialeinheit New Earth Army der US Army, deren Mitglieder sich „Jedi” nennen und die zusammen mit ihrem Ausbilder Bill Django parapsychologische Kampftechniken entwickelt und eingeübt haben sollen, unter anderem Fernwahrnehmung, Unsichtbarkeit, durch Wände laufen oder mit bloßen Blicken Tiere töten. Cassady behauptet, dass er aus dem Ruhestand geholt und auf eine geheime Mission geschickt worden sei. Wilton kann zunächst seine Skepsis gegenüber den Erzählungen Cassadys nicht verbergen. Gleichzeitig wittert er aber auch eine Enthüllungsstory und bricht mit Cassady in die irakische Wüste auf …

Was zu sagen wäre

Wunderbare Texte. Melancholische Tonalität. Souveräne Schauspieler. Es tut dem Film gut, dass er in Form einer lakonischen Rückblende aus Sicht Wiltons erzählt wird. Dadurch bekommt er Dialoge, die an die Absurditäten eines „Dr. Seltsam“ (Stanley Kubrik – 1964) erinnern. Die Russen hatten angeblich Psychotronische Generatoren, die den amerikanischen Präsidenten mit negativer Energie bestrahlen.
„Sie betreiben paranormale Forschung, weil sie glauben, wir betreiben paranormale Forschung? Aber wir betreiben keine paranormale Forschng.“
„Ja. Aber da sie angefangen haben, paranormale Forschung zu betreiben, müssen wir auch paranormale Forschung betreiben, Sir. Wir können es uns nicht erlauben, den Russen auf diesem Gebiet das Feld zu überlassen.“

Die New Earth Army, in der Lyn Cassady Mitglied ist, gab es als First Earth Battalion wirklich. Sie war eine private Initiative einzelner US-Offiziere. Zu militärischen parapsycholgischen Forschungsprogrammen der beiden damaligen Supermächte Sowjetunion und USA während des Kalten Krieges existieren zahlreiche Spekulationen. Die CIA betrieb von 1953 bis in die 70er Jahre das im Film erwähnte Projekt MK ULTRA, von 1972 bis 1995 forschte das US-Militär im Bereich der Parapsychologie unter dem Codenamen „Star Gate”. Die Story des Films basiert auf dem Sachbuch des Autors Jon Ronson, das in Deutschland unter dem Titel „Durch die Wand” erschien.

Wie viel Wahres an den geschilderten absurden Situationen dran ist, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, ist aber auch unerheblich, solange sie von einem derart spielfreudigen Cast präsentiert werden. Da schmelzen die Gräuel des Irak-Krieges bald zu einer Schnurre schießfreudiger privater Sicherheitsfirmen, zwischen deren Fronten halt zufällig unschuldige Irakis geraten sind. „Bei dem Gefecht, das als Schlacht von Ramali bekannt werden sollte“, lässt uns die lakonische Erzählerstimme wissen, „wurden 12 Menschen verletzt, hauptsächlich Einheimische.“ Großartig in seiner Trockenheit.

Da machen dann auch einige Drehbuchschwächen nicht viel aus.Im letzten Drittel driftet die Story ins esoterische Durcheinander ab. Auch hier wird ein Problem sichtbar, das moderne Kinoerzähler immer häufiger haben: Sie haben eine gute Ausgangsidee, dürfen abseitig inszenieren, aber am Ende muss alles aufgelöst sein, muss der Zuschauer mit einem bündigen, wenn möglich happy, Ende entlassen werden. Und auf dieses konventionelle Ende zuzusteuern, kostet eben jenes letzte Drittel eines Films.

Aber die Schauspieler: George Clooney (Up in the Air – 2009; „Burn After Reading“ – 2008; Michael Clayton – 2007; Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind – 2002; Solaris– 2002) - trocken, charmant, cool. Jeff Bridges - langhaarig und stoned (Iron Man – 2008; The Door in the Floor – 2004; Rufmord – Jenseits der Moral – 2000; Arlington Road – 1999; The Big Lebowski – 1998; Liebe hat zwei Gesichter – 1996; White Squall – Reißende Strömung – 1996; Starman – 1984; Tron – 1982; Heaven's Gate – 1980; Mr. Universum – 1976; Die Letzten beißen die Hunde – 1974; Die letzte Vorstellung – 1971). Kevin Spacey (Superman returns - USA 2006) - gewohnt zynisch. Und Ewan MacGregor (Star Wars - 1999; Cassandra's Dream - UK/USA 2007; Trainspotting - UK 1996) ist ein wunderbarer Simplicissimus, der fragt, was „ein Jedi-Krieger denn eigentlich macht“.

Wertung: 5 von 6 €uro
IMDB