Kinoplakat: Love, Rosie – Für immer vielleicht
Schmerzhaft schön und
manchmal auch etwas platt
Titel Love, Rosie – Für immer vielleicht
(Love, Rosie)
Drehbuch Juliette Towhidi
nach dem Roman „Für immer vielleicht – Where Rainbows end“ von Cecelia Ahern
Regie Christian Ditter, Deutschland, UK 2014
Darsteller

Lily Collins, Sam Claflin, Christian Cooke, Jaime Winstone, Suki Waterhouse, Tamsin Egerton, Jamie Beamish, Lorcan Cranitch, Ger Ryan, Lily Laight, Matthew Dillon, Rosa Molloy, Sadbh Malin, Nick Lee, Damien Devaney u.a.

Genre Romanze
Filmlänge 102 Minuten
Deutschlandstart
30. Oktober 2014
Inhalt

Rosie und Alex kennen sich seit Kindheitstagen und sind beste Freunde. Obwohl sich jeder von ihnen zum anderen hingezogen fühlt, wollen sie in der Liebe einfach nicht zusammenfinden. Dennoch haben sie keine Geheimnisse voreinander und tauschen sich über ihre sexuellen Erfahrungen und privaten Schicksale aus.

Als Rosie nach einem One-Night-Stand ungewollt schwanger ist, durchkreuzt das allerdings ihre Pläne, mit Alex zum Studium von England in die USA zu ziehen. Sie bleibt als Single-Mutter in London zurück, während er in Harvard Medizin studiert.

Über die Jahre kommen und gehen andere Männer und Frauen, doch das Band zwischen Alex und Rosie bleibt immer etwas Besonderes und sie lassen den Kontakt nicht abreißen. Als Alex plant, Bethany zu heiraten, setzt sich Rosie mit Anhang in einen Flieger über den großen Teich …

Was zu sagen wäre

Männer und Frauen können nicht befreundet sein, es steht immer der Sex zwischen ihnen. So hat das einst Harry in Harry & Sally gesagt und damit eine Weisheit formuliert, die in den gesellschaftlichen Kanon eingegangen ist. Auf Partys taucht der Satz auf, ohne, dass ernstlich jemand mit widerspruch den angenehmen Small Talk eindämmen würde. In Filmen ist der Satz gern gesehener Gast. Alex zitiert ihn mit anderen Worten auch an einer Stelle.

Es ist nicht die einzige Ähnlichkeit zu Rob Reiners Klassiker, die Christian Ditter in „Love, Rosie“ inszeniert. Das ganze Grundkonzept hat er übernommen: Männlein und Weiblein kommen einfach nie zusammen – immer passt es gerade nicht. Ditter daraus eine überzeugende Romanze gemacht, mit einigen Holzschnitt-Figuren zwar an der Peripherie, aber im Zentrum hat er mit Lily Collins („Chroniken der Unterwelt – City of Bones“ – 2013; Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen – 2012; Atemlos – Gefährliche Wahrheit – 2011; „Blind Side“ – 2009) ein hinreißende Rosie gefunden. Sie wandelt sich von sprunghaftem Jung-Mädchen-verspielt-verrückt in die Mutter einer Pubertierenden und bleibt durchgehend greifbar. Sam Claflin, den wir bislang eher als schönen Unbedarften in Helden-Fantasy kennen („The Riot Club“ – 2014; Die Tribute von Panem – Catching Fire – 2013; Snow White and the Huntsman  – 2012; Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten – 2011), gibt Alex, einen verwuschelten, verträumten, aber zielstrebigen Verliebten – nur bei Rosie ist es mit seiner Zielstrebigkeit nicht weit her.

„Love, Rosie“ ist eine Geschichte über verpasste Chancen, darüber, dass selbst unter besten Freunden so etwas wie ein blinder Fleck, eine gehörlose Note existiert, über die man nicht sprechen kann. Ganz am Anfang, in volltrunkenem zustand, küssen sich Rosie und Alex – volltrunken zwar, aber offensichtlich verliebt. Am nächsten Tag behauptet Rosie, sich an alles zu erinnern und Alex müsse ihr versprechen, darüber niemals mit jemandem zu sprechen, das sei ja alles so peinlich. Sie meint ihr betrunken-vom-Hocker-kippen-mit-anschließendem-Hospital-Besuch, er meint den Kuss; aber irgendwas behindert ihn zu fragen, „Meinst Du unseren Kuss?“ Es folgen viele Jahre voller unausgesprochener Widersprüche. Kameramann Christian Rein taucht diese romantischen, scheußlichen Momente in satte Gelb- und Rottöne; zum Seufzen schöne Sonnenauf- und untergänge ziehen sich durch den Film.

Das ist mal herzzerreißend, mal steinerweichend; und manchmal auch einfach nur plump in die Handlung gebaut. Kommen dem Film seine flotten Sprünge vorwärts auf der Zeitachse zugute, weil sie das Tempo hochhalten, verhindern, dass die Geschichte in Kitsch oder langatmiges Drama abgleitet. Sie machen aber auch Handlungsstränge nötig, die dem angepeilten Happy End so quer im Weg liegen, dass sie prompt so konstruiert aussehen, wie sie konzipiert sind. Rosie braucht halt ein mit grobem Strich gezimmertes Arschloch als Partner. Alex braucht halt scharfgeschnittene, covertaugliche Blondinen in mondäner Umgebung, um Rosie in ihrer englischen Arbeitersiedlung klein und durchschnittlich erscheinen zu lassen. Dazu besetzt Christian Ditter seinen supporting cast gekonnt. Neben den offensichtlichen Holzschnitten ist Jaime Winstone („Powder Room“ – 2013) eine großartige Beste Freundin von Rosie und Lorcan Cranitch einen zum bewundernswert duldsamen, liebevollen Vater.

„Love, Rosie“ spielt im Reigen der kaum mehr zu zählenden romantic comedies in der Liga direkt unter jener, in der Harry & Sally, Love … actually! und Notting Hill für die romantischen Verzweiflungen sorgen.

 

Wertung: 7 von 8 €uro