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Kinoplakat: Lolita (1997)
Der Skandal bleibt aus.
Ist aber schön gefilmt.
Titel Lolita
(Lolita)
Drehbuch Stephen Schiff
nach dem gleichnamigen Roman von Vladimir Nabokov
Regie Adrian Lyne, USA, Frankreich 1997
Darsteller Jeremy Irons, Melanie Griffith, Frank Langella, Dominique Swain, Suzanne Shepherd, Keith Reddin, Erin J. Dean, Joan Glover, Pat Pierre Perkins, Ed Grady, Michael Goodwin, Angela Paton, Ben Silverstone, Emma Griffiths Malin, Ronald Pickup u.a.
Genre Drama
Filmlänge 137 Minuten
Deutschlandstart
1. Januar 1998
Inhalt
Professor Humbert Humbert, ein Gentleman alter Schule, verliebt sich haltlos in die 14-jährige Tochter seiner Zimmerwirtin.

Kinoplakat (UK): Lolita (1997)Nach deren Unfalltod zieht das vom großen moralischen Tabu bedrohte seltsame Pärchen durch das Amerika der späten vierziger Jahre.

Eine für beide quälende Erfahrung, die Humberts Liebe unerwidert lässt und ihn am Ende zum Mörder werden lässt …

Was zu sagen wäre
Diese Lolita ist kein Skandal. Obwohl der Stoff das Zeug dazu hat und die Romanvorlage ein Skandal war – seinzeit. Heute, vor der Jahrtausendwende, müsste der Film stärker provozieren, statt dessen zeigt er seine junge Verfüherin in den einschlägigen Nacktszenen unscharf, als unterliege er einer Zensur. Der Vergleich kann nicht ausbleiben, denn natürlich wurde Nabokovs Roman schon Mal verfilmt, vor 35 Jahren, als das Thema wirklich noch nach Skandal roch, von Stanley Kubrik; mit der Regie-Ikone muss man sich messen wollen, wenn man „Lolita“ verfilmt. Auch Kubricks Film wurde nicht das ersehnte Meisterwerk, hatte aber sogar in Schwarz-Weiß mehr Tiefe und Erotik.

Was wir zu sehen bekommen, ist schön gefilmtes Drama, dessen Tabu man sich irgendwie dazu denken muss. Adrian Lyne hat schon bei 9 1/2 Wochen (1986) bewiesen, dass er Oberflächenglanz mit frivoler Attitüde kann, auch seine Verhängnisvolle Affaire bleibt im Gedächtnis, und das nicht nur wegen Glenn Close. Sein Unmoralisches Angebot schließlich, das Robert Redford 1993 Demi Moore machte, lud wenigstens noch zu Partygesprächen ein („Würdest du ..?“). Das alles gibt es hier nicht mehr.

Wäre nicht Jeremy Irons (Stirb langsam – Jetzt erst recht – 1995; Das Geisterhaus – 1993), der seinem Humbert eine schmerzhafte Tiefe in die Augen legt, wäre da eineinhalb Stunden einfach nichts. Die 17-jährige Dominique Swain jedenfalls schafft es nicht, die Lolita zugeschriebene frivole Anziehung deutlich zu machen.

Wertung: 5 von 11 D-Mark
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