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Kinoplakat: Little Miss Sunshine
Hetze, Herz und Hirn
eine typische Familie halt
Titel Little Miss Sunshine
(Little Miss Sunshine)
Drehbuch Michael Arndt
Regie Jonathan Dayton & Valerie Faris, USA 2006
Darsteller Abigail Breslin, Greg Kinnear, Paul Dano, Alan Arkin, Toni Collette, Steve Carell, Bryan Cranston, Marc Turtletaub, Beth Grant, Jill Talley, Brenda Canela, Julio Oscar Mechoso, Chuck Loring, Justin Shilton, Robert O'Connor u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 101 Minuten
Deutschlandstart
30. November 2006
Inhalt

Teaserplakat: Little Miss SunshineOlive, sieben Jahre alt, träumt davon, an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen zu dürfen. Und als sie tatsächlich zum „Little Miss Sunshine”-Wettbewerb eingeladen wird, ist ihre Freude groß und der Schrei schrill. Allerdings ist Olive ein ziemliches Pummelchen und trägt zudem eine Brille in Flaschenbodengröße. Ihre Chancen, zu gewinnen, sind also eher gering. Damit ist sie in ihrer Familie bestens aufgehoben.

Ihr Vater ist Richard Hoover, der sein Leben eher in der Theorie im Griff hat. In der Praxis interessiert sich niemand für sein Motivations-Konzept der „Neun Stufen zum Erfolg” („Refuse to lose”). Genau genommen ist Richard pleite. Seine Frau arbeitet also für zwei, um die Familie zusammemzuhalten. Ach ja, die Familie: Opa („Ich darf alles sagen, ich habe noch immer Nazi-Kugeln im Hintern!”) ist vor kurzem aus dem Seniorenheim geflogen, nachdem er beim Koks schnupfen erwischt wurde. Sohn Dwayne verweigert sich der Welt schweigend und reicht gelegenlich Zettel herum, auf denen er zum Beispiel notiert „Ich hasse jeden!” Und Frank, Richards Schwager, hat gerade einen Suizid-Versuch hinter sich, weil Josh ihn verlassen hat – sein Student und Geliebter. Josh hat sich mit Franks größtem Konkurrenten eingelassen.

Und nun also will Olive zu diesem Schönheitswettbewerb in Kalifornien. 900 Meilen ist das weg. Und eigentlich hat niemand so Recht Zeit und Lust. Aber wenn Richard schon immer predigt, man müsse immer seine Chancen ergreifen, dann sei man immer der Gewinner, besteigt die ganze Sippe den klapprigen gelben VW-Bus und fährt los. Bald liegen liegen die Nerven blank und kleinen Krisen folgen große Katastrophen.

Doch trotz aller Komplikationen wächst der chaotische Clan zusammen und zeigt mit seinem kleinen Sonnenschein, wie echte Gewinner aussehen …

Was zu sagen wäre

Im Abspann wird tatsächlich ein Visual Effects Supervisor aufgeführt – bei einem Film, der weniger als eine Million Dollar gekostet hat, schon verwunderlich. Und während ich noch überlege, ob vielleicht der klapprige gelbe VW-Bus digital ein wenig getunt wurde, wird mir klar: Es sind die kleinen Mädchen im abschließenden Schönheitswettbewerb. All diese siebenjährigen dicht Geschminkten in rosa Tüll und gefrorenem Breit-Grinsen, die so erschreckend aussehen, wie ein 40-Jährige, die sich mit Lifting auf 38 gestylt hat. Furchtbar! Gibt es sowas? Die Kinder gemahnen an die Dracula-Figuren aus den britischen Hammer-Studios. Allein deshalb hätte Olive schon den ersten Preis gewonnen – für die natürlichste Natürlichkeit auf der Bühne. Aber es soll alles ganz anders kommen.

Kinoplakat (US): Little Miss SunshineDer Film ist wundervoll. Wundervoll verlogen. Ich meine, Hey, da wird uns eine Gruppe vorgeführt, die dauernd und mit allem, das sie anfasst verliert, in der keiner den anderen wirklich respektiert, aber am Ende haben sie sich als Familie gefunden. Ist das nicht großartig! Jahrzehntelang wurden wir mit Siegertypen-Paraden maltraitiert, bei denen es hieß, „Du musst es nur versuchen”, „Der erste Schritt ist immer der schwerste” und wir konnten sicher sein, am Ende hagelt es Goldmedaillen vom Himmel. Und jetzt also „die Familie”. Aber es ist eben nicht verlogen. Nicht die Spur.

Der Film ist so smart inszeniert und so gekonnt besetzt, dass man jedes einzelne Familienmitglied nach zehn Minuten ins Herz geschlossen hat. Opa schon nach 17 Sekunden. Tatsächlich: Ein Film mit Herz. Mit lauter Gewinnerparolen, die Opa allerdings etwas anders formuliert: „Verlierer sind Typen, die soviel Angst davor haben, nicht zu gewinnen, dass sie es gar nicht erst versuchen.” Oder, wie Dwayne formuliert: „Weißt Du was. Scheiß auf diese Schönheitswettbewerbe. Das ganze Leben ist ein beschissener Schönheitswettbewerb nach dem anderen. Erst die Schule … dann das College, dann der Job … Scheiß drauf!”

Auf dem Roadtrip von New Mexico nach Kalifornien versammeln sich Amerikas neuer Starkomiker Steve Carell („Jungfrau (40), männlich, sucht …” – USA 2005; „Verliebt in eine Hexe” – USA 2005; Melinda und Melinda – USA 2004; „Anchorman” – USA 2004), die Oscar-nominierten Greg Kinnear („Mord und Margaritas” – USA 2005; „Besser geht’s nicht” – USA 1997), Toni Collette („In den Schuhen meiner Schwester” – USA 2005, The Sixth Sense – USA 1999) und Legende Alan Arkin („America's Sweethearts” – USA 2001”; „Jakob der Lügner” – USA 1999; „Gattaca” – USA 1997; „Glengarry Glen Ross – USA 1992; „Rocketeer” – USA 1991; „Warte, bis es dunkel ist” – USA 1967).

Wertung: 6 von 6 €uro
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