Kinoplakat: Let me in
Eine erfrischende Perspektevie
auf den ausgelutschten Vampir-Mythos
Titel Let me in
(Let me in)
Drehbuch Matt Reeves + John Ajvide Lindqvist
nach dem Roman „Låt den rätte komma in con“ John Ajvide Lindqvist
Regie Matt Reeves, UK, USA 2010
Darsteller Kodi Smit-McPhee, Chloë Grace Moretz, Richard Jenkins, Cara Buono, Elias Koteas, Sasha Barrese, Dylan Kenin, Chris Browning, Ritchie Coster, Dylan Minnette, Jimmy 'Jax' Pinchak, Nicolai Dorian, Rebekah Wiggins, Seth Adkins, Ashton Moio u.a.
Genre Drama, Horror
Filmlänge 116 Minuten
Deutschlandstart
15. Dezember 2011
Inhalt
Owen ist 12, schüchtern und unbeliebt in der Schule. Er leidet darunter, dass sich seine Eltern scheiden lassen wollen. In der Schule ist er das Ziel von Kenny und seinen Kumpanen, die ihn tagtäglich misshandeln oder verprügeln. Anstatt sich zu wehren, zieht sich der Junge abends in seine Traumwelt zurück, in der er vor allem Rache an Kenny nimmt.

Dann ziehen neue Nachbarn ein. Ein Mädchen in Owens Alter und ein Mann, den er für den Vater des Kindes hält, ziehen in die leerstehende Nachbarwohnung ein. Draußen schneit es; das Mädchen, sommerlich gekleidet, läuft barfuß durch den Schnee. Hocherfreut über die neuen Nachbarn beginnt Owen, die beiden durch die Wände zu belauschen. Die Fenster der Nachbarwohnung sind fortan mit alten Zeitungen und Decken verdunkelt.

Am nächsten Abend tötet der Mann aus der Wohnung nebenan einen Menschen, den er in einen Wald verschleppt und in einen Plastikkanister ausbluten lässt. Dem Mädchen gefällt das überhaupt nicht, Owen hört durch die Wand einen heftigen Streit. Irgendein Dritter scheint bei dem Streit dabei zu sein, Owen identifiziert eine bedrohliche, verzerrten Stimme, die er nicht zuordnen kann.

Am nächsten Abend lernt Owen auf dem Spielplatz das Mädchen kennen, die sich als Abby vorstellt. Während des nun folgenden Gesprächs erwähnt Abby einige merkwürdige Dinge. Ihr Alter beschreibt sie als „mehr oder weniger zwölf Jahre“. Und als Owen sie auf ihre nackten Füße anspricht, entgegnet sie, dass sie eigentlich nie friere.

Owen ist von dem seltsamen Mädchen fasziniert. Am darauffolgenden Abend tötet Abby den Jogger aus dem gegenüberliegenden Nachbarhaus in der Nähe des Spielplatzes und trinkt dessen Blut. Als sie nach Hause kommt, belauscht Owen einen erneuten Streit zwischen ihr und ihrem vermeintlichen Vater, der daraufhin fluchend das Haus verlässt und sich anschließend um die Beseitigung der von Abby achtlos zurückgelassenen Leiche kümmert.

Kurze Zeit später kommt Abbys vermeintlicher Vater auf bizarre Weise ums Leben – er hatte sich selbst mit Säure verunstaltet, um einen erneuten Mord zu kaschieren. In Owen keimt ein Verdacht über das wahre Wesen Abbys und stellt sie zur Rede, besucht Abby in deren Wohnung, um von ihr zu erfahren, ob sie ein Vampir sei …
Was zu sagen wäre

Vampire beißen in Hälse, weil sie Blut benötigen, egal, ob es nette oder böse Vampire sind … sie brauchen frisches Blut. Das ist das Grundproblem aller Vampirgeschichten in den vergangenen 50 Jahren: Was soll man Neues erzählen können? Anne Rice hat sich in ihren Vampirchroniken dem gesellschaftlichen Leben der Vampire angenommen, Stephanie Meyer ließ Vampir und Mensch in Liebe vergehen.

John Ajvide Lindqvist macht den Vampir zu einem jungen Mädchen, das Angst vor sich hat und auf ewig verdammt ist, ihre Liebhaber altern und sterben zu sehen. Matt Reeves („Cloverfield“ – 2008) hat das Buch in einen optisch stimmigen, sehr dichten Film gebaut und die tragenden Rollen wunderbar besetzt; Kodi Smit-McPhee als verschüchterter Owen, der nur aus Augen zu bestehen scheint und Chloë Grace Moretz ((500) Days of Summer – 2009) als Unsterbliche liefern ein wonniges Spiel.

Die Welt in Reeves Film ist kalt, es ist Winter, es schneit und die Schul-Bullys maltraitieren Owen, wo sie können. Die einzige Wärme strahlt die junge Vampirin aus. Gleichzeitig liegt über dem Film eine dauerhafte, anhaltende Spannung, die nicht aus Katzen kommt, die hinter dem Ofen hervorspringen, sondern sich ganz aus der Geschichte speist. Je länger wir uns diesem vermeintlich somnambulen Tempo hingeben, desto grusliger wird es; auch, weil Matt Reeves eine – eigentlich unnötige – Rückblende eingebaut hat, die der Geschichte dann aber eine schöne, dichte Schleife liefert, in der das Tempo kurz mal anzieht.

Kodi Smit-McPhee („Hoffnungslos glücklich“ – 2010; „The Road“ – 2009) ist ein frisches Talent in der Kommerzschmiede Hollywoods, ist erfahren genug, um Owens Zwischentöne herauszuarbeiten, aber noch nicht so ausgebufft, dass er sich selbst in Szene lässt; er gibt sich der grusligen Entwicklung hin. Anders Chloë Grace Moretz als Abby, die gerade als „Hit-Girl“ in Kick-Ass (2010) für Furore sorgte und für die Titelrolle in der Stephen-King-Neuverfilung Carrie (mittlerweile abgedreht und in den Kinos) im Gespräch ist. Moretz hat Erfahrung vor der Kamera und die spielt sie aus, gibt als Blutsaugerin das kleine Mädchen, die alte Frau und die Weisheit des ewigen Lebens.

Womöglich sehen wir hier ein bisschen vom Hollywood von morgen.

Wertung: 10 von 11 €uro