Kinoplakat: Learning to Drive
Lauter Ansätze, die im
Guten Willen ersticken
Titel Learning to Drive - Fahrstunden fürs Leben
(Learning to Drive)
Drehbuch Sarah Kernochan
Regie Isabel Coixet, UK, USA 2014
Darsteller

Patricia Clarkson, Ben Kingsley, Jake Weber, Sarita Choudhury, Grace Gummer, Avi Nash, Samantha Bee, Matt Salinger, John Hodgman, Michael Mantell, Daniela Lavender, Gina Jarrin, Rajika Puri, Beau Baxter, Randy Graff u.a.

Genre Komödie, Drama
Filmlänge 90 Minuten
Deutschlandstart
6. August 2015
Website learningtodrivemovie.com/
Inhalt
Wendy wird von ihrem Mann Ted verlassen. Ihre Tochter Tasha arbeitet vorübergehend auf einer Farm und ist vom Landleben begeistert. Sie möchte, dass ihre Mutter sie besucht; doch diese hat keinen Führerschein.

Darwan ist indischer Sikh und in New York als Taxifahrer sowie Fahrschullehrer tätig. In Indien, aus dem er fliehen musste, war er Professor. Er bringt Wendy schrittweise und gefühlvoll den richtigen Umgang mit dem Auto bei. Zunächst gibt es Rückschläge. Wendys erster Versuch der Führerscheinprüfung ist bereits nach 50 Metern beendet. Aber sie gibt nicht auf.

Darwan tut sein Möglichstes, die verlassene Frau ins Leben zurückzuführen. Für ihn heißt das (nur), ihr das Fahren beizubringen. Parallel dazu muss er aber seine eigene Frau kennenlernen. Darwans Schwester hat für ihn Jasleen als Ehefrau ausgewählt, eine Frau aus dem Nachbardorf ihrer indischen Heimat. Am Tag nach ihrer Ankunft in New York, 24 Stunden, nachdem Darwan sie kennengelernt hat, heiratet er Jasleen. Jasleen allerdings hat – oder ist? – ein Problem. Sie ist nicht sehr gebildet, spricht gebrochen Englisch, traut sich aber nicht auf die straße und lernt also nichts hinzu, vereinsamt.

Eines Tages lernt Jasleen in einer Drogerie eine andere Inderin kennen und als Darwan abends von der Arbeit kommt, sitzt Jasleen mit sechs anderen Frauen bestens gelaunt im Wohnzimmer …

Was zu sagen wäre

Ein schöner Film. Nicht spektakulär. Nicht romantisch. Nicht einzigartig. Nicht One Of A Kind. Auch nicht sonderlich bemerkenswert im Übrigen. Aber nett. Schön.

Ich kann leichten Herzens hinter diesen Film die Frage setzen: „Ja? Und? Weiter?“ Wäre dieser Film nicht ohnehin so egal, dass ich ihn in einer Woche vergessen haben werde, würde ich gerne seiner Entstehungsgeschichte hinterher recherchieren wollen. Roter Faden: Sie, Filmproduzent, sagen mir, wie Sie in diesem Thema einen erfolgreichen Filmstoff sehen können. Und ich sage Ihnen, warum Sie gescheitert sind!“

Der Blick ins Programmheft hat alles klar gemacht: Eine Britin. Ein Inder. Eine zerbrochene Ehe und „Fahrstunden fürs Leben“, die der Titel-Apendix auf dem von Sonne durchfluteten Plakat verspricht, auf dem die beiden sich versonnen anlächeln. Nicht.
Der genauere Blick ins Programmheft bleibt an dem Filmplakat hängen, an dem nichts echt ist – selbst die beiden Protagonisten haben nichts miteinander zu tun; sie wurden einzeln fotografiert und dann auf ein Motiv montiert und in Beziehung zueinander gesetzt. Den Rest soll der Film retten, der eine Fahrstunde zur Allegorie auf das Leben als Ganzes feiert. Dauernd wartet Fahrlehrer Darwan mit Lebensweisheiten aus dem Portefeuille eines erfahrenen Fahrlehrers auf, für jede Situation hat er etwas Passendes. Man müsse immer alles im Blick behalten, sagt der Fahrlehrer zum Beispiel, als sie durch die Straßen fahren, das größte Probleme seien die anderen. „Man kann sich nicht darauf verlassen, dass sie sich vernünftig verhalten.“ 

Es ist bemerkenswert, wenn Schauspieler, die rund acht Wochen gemeinsam einen Film gemacht haben und davon etwa sechs Wochen gemeinsam am Set waren, noch dazu an einem Set für einen Gefühlsfilm, nicht die Zeit gefunden haben, sich gemeinsam für ein Plakat fotografieren zu lassen. So ein Plakatshooting dauert einen halben Drehtag – na gut, häufig auch einen ganzen Drehtag, etwa wenn der Verleih Plakatserien plant. Wenn Studio und Verleih aber schon kein Interesse an dieser Marketingmaßnahme haben, wie können sie Interesse für ein 90-Minuten-Filmprojekt aufbringen. Ganz ursprünglich muss dem Projekt ein einfach gutes Drehbuch zugrunde gelegen haben; die Story bietet so viele Ansätze … clash of cultures … Inder und Engländer … der verflixte Turban … und: Man hat Ben Kingsley verpflichten können.

Aber dann ist das Budget knapp, das Script schafft es nicht, die Fahrschule/Leben-Allegorie auszuarbeiten und die Schauspieler – mit ihren Gedanken offenbar woanders – im Routine-Modus … und schon wird‘s der sprichwörtliche Bettvorleger: als romantische Komödie aus britischer Hand (wir denken an Tatsächlich … Liebe oder Notting Hill) gestartet, als Bettvorleger (wir denken an „Ein Chef zum Verlieben“ oder Die Braut, die sich nicht traut) gelandet. Es fehlen die Essencials, es fehlt das Gefühl, es fehlt das Besondere.

Patricia Clarkson und Ben Kingsley haben ihre Momente; in denen sie sich auflösen. Das Script liefert facettenreiches Ausgangsmaterial und der Filmtitel auch noch eine Metapher, die nicht nach Metapher aussieht – dass es trotzdem nicht reicht, der Film im Kinosessel keine Emotion entfesselt, muss dann wohl Regisseurin Isabel Coixet zugeschrieben werden.

Die Geschichte über die beiden Angejahrten aus unterschiedlichen Kulturen, die parallel einen neuen, romantischen Lebensabschnitt starten und dabei auf die ein oder andere Art mit der ganzen Wucht des anderen Geschlechts getroffen werden, ist schön. Da schaue ich gerne zu.

Aber ich hoffe nicht, mich fragt in einem Jahr einer, „Hast Du 'Learning to drive' gesehen?“ Kann sein, dass ich auch nach längerem Nachdenken nicht mehr drauf komme. „Und die Pointe?“, fragt Wendy. „Keine Pointe!“, antwortet Darwan. So ist es.

Wertung: 2 von 8 €uro