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Kinoplakat (US): Silent Running (Lautlos im Weltraum)
Science Fiction in reinster Form.
Eine Exkursion in die Philosophie.
Titel Lautlos im Weltraum
(Silent Running)
Drehbuch Deric Washburn + Michael Cimino + Steven Bochco
Regie Douglas Trumbull, USA 1972
Darsteller

Bruce Dern, Cliff Potts, Ron Rifkin, Jesse Vint, Mark Persons, Steven Brown, Cheryl Sparks, Larry Whisenhunt

Genre Science Fiction, Drama
Filmlänge 89 Minuten
Deutschlandstart
10. März 1972
Inhalt
Freeman Lowell liebt seinen Wald. Der Wald ist sein Leben. Der Wald ist sein Job. Der Wald schwebt im Weltraum, irgendwo in der Gegend des Saturn, an Bord des Frachters „Valley Forge“. Es ist einer der letzten Wälder, den es auf der Erde noch gab. Aber dort ist Botanik nicht mehr lebensfähig. Die Menschen haben Raumfrachter mit gigantischen Glaskuppeln ins All in der Hoffnung, ihre Wälder könnten darin überleben und eines Tages auf der Erde wieder angepflanzt werden.

Freeman Lowell ist für den Schutz dieser letzten Wälder verantwortlich – ein seltsamer Kauz, jedenfalls aus Sicht seiner Kameraden, den Piloten John Keenan, Marty Barker und Andy Wolf, die an Bord die Zeit mit Cartrennen totschlagen und hoffen, dass der Job hier bald getan ist. Diese Hoffnung kommt schneller als erwartet.

Schneller, als Lowell lieb ist. Die Company, der die Frachter gehören, blasen den Auftrag ab. Nach acht Jahren im All sollen die Glaskuppen abgekoppelt und gesprengt, die Frachter zurück zur Erde gebracht werden, für andere, lukrativere Einsätze.

Als immer mehr seiner Wälder gesprengt werden, macht Lowell ebenso kurzen Prozess mit den Piloten, wie die mit den Wälder: Lowell tötet sie alle, macht der Raumstation weiß, es habe einen Unfall gegeben, er sei der einzige Überlendende, das Schiff manövrierunfähig. Dann schaltet er die Verbindung ab und treibt mit dem letzten Wald in die Tiefen des Alls – begleitet nur von den beiden Robotern Huey und Dewey …

Was zu sagen wäre
Philosophie in der High-Tech-Welt der internationalen Raumfahrt, ein filmischer Exkurs in Sachen Einsamkeit und Besessenheit. Der Film erinnert in seiner optischen Perfektion, die Kulisse in ihrer strengen Linienführung nicht zufällig an Stanley Kubricks Klassiker 2001 – A Space Odyssey (1968).

DVD-Cover: Silent RunningRegisseur Douglas Trumbull war bei Kubrick verantwortlich für die wegweisenden Spezial Effekte. Einen, den er für Kubrick nicht hinbekommen hat, hat er sogar mitgenommen: Die Reise durch das Sternentor zum Jupiter, die bei Kubrick den Höhepunkt einleitet, steht hier zu Beginn des zweiten Aktes in ihrer Ursprungsform; die Reise durch das Sternentor zu den Ringen des Saturn. Auch die Raumschiffe ähneln dem aus der Odyssee, ebenso wie die Dialog-arme Handlung und die Endgültigkeit der Story. Die aber steht als Solitär da: Trumbull kommt ohne Signale aus dem All, ohne Aliens aus. Er hat Bruce Dern („Die Cowboys" – 1972; „Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss" – 1969; „Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe" – 1969; „Hängt ihn höher" – 1968) in der Rolle des einsamen Raumfahrers mit dem bezeichnenden Namen Freeman.

Der in zahllosen Variationen des Western-Bösewichts im TV, Bruce Dern, den stets eine Aura beginnenden Wahnsinns umflort, ist für diese Rolle perfekt. In seinen schauspielerischen Fähigkeiten durchaus limitiert, füllt er hier mühelos die Leeren des Alls und des Schiffs; Trumbull schenkt ihm viele Close Ups, in denen Derns ausdrucksstarke Augen zur Geltung kommen und den Zuschauer gefangen nehmen. Als Buddies stehen ihm zwei Blechbüchsen zur Seiten, die herzallerliebsten Drohnen „1" und „2", von Freeman liebevoll Huey und Dewey getauft.

Der Mensch muss den Maschinen beibringen, wie man pokert ohne zu bescheißen; er muss ihnen beibringen, wie man Bäume pflanzt. Das gibt genug Bild und Stoff, um Trumbulls Message über die 89 Filmminuten tragen zu können: Der Mensch ist nicht überlebenstauglich. Es werden Maschinen sein, die das Leben da draußen erhalten. Der Film, ein Mahnmal gegen die Zerstörung. So, wie sich die Science Fiction seit jeher verstanden hat: als Warnung gegen Verschwendung, Machtgier, Egoismus.

Trumbulls Roboter, der mit verbeulter Gießkanne aus dem Sandkasten ein Bäumchen pflanzt, ist eine der ewigen Ikonen des Kinos.

Wertung: 8 von 8 D-Mark
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