Plakatmotiv: Madame Mallory und der Duft von Curry
Leichte Sommerkomödie, in der
Kochkunst Fremdenhass besiegt
Titel Madame Mallory und der Duft von Curry
(The Hundred-Foot Journey)
Drehbuch Steven Knight
nach dem Roman „The Hundres-Foot Journey von Richard C. Morais
Regie Lasse Hallström, USA, Vereinigte Arabische Emirate, Indien 2014
Darsteller Helen Mirren, Om Puri, Manish Dayal, Charlotte Le Bon, Amit Shah, Farzana Dua Elahe, Dillon Mitra, Aria Pandya, Michel Blanc, Clément Sibony, Vincent Elbaz, Juhi Chawla, Alban Aumard, Shuna Lemoine, Antoine Blanquefort u.a.
Genre Komödie, Romantik
Filmlänge 122 Minuten
Deutschlandstart
21. August 2014
Inhalt
Die indische Familie Kadam betreibt ein Restaurant in Mumbai, wo der zweitälteste Sohn Hassan das Auswählen von Lebensmitteln und Gewürzen sowie die Kunst des Kochens schon im Kindesalter von seiner Mutter lernt. Bei Unruhen nach der Wahl wird ihr Restaurant durch den Mob niedergebrannt, wobei die Mutter ums Leben kommt. Der Vater beschließt, mit seinen fünf Kindern und dem wenigen verbliebenen Hab und Gut in Europa ein neues Leben anzufangen.

Nach einer Odyssee durch das verregnete England landen sie in Südfrankreich. In Saint Antonin kaufen sie am Ortsrand ein verlassenes Gebäude und eröffnen ein indisches Restaurant. Die Kinder sind allesamt nicht so sonderlich begeistert, weil gleich auf der anderen Straßenseite das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete „Le Saule Pleurer“ („Die Truwerweide“) Haute cuisine der klassischen französischen Küche anbietet. Madame Mallory, die Inhaberin, fühlt sich vom Treiben der neuen indischen Nachbarn gestört, und als die Eröffnung des „Maison Mumbai“ bevorsteht, kauft sie auf dem lokalen Markt alle Lebensmittel auf, die Chefkoch Hassan benötigt. Das ist der auftakt eines Zwists zwischen Madame Mallory und Papa, der immer neue Kapriolen schlägt.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten läuft das indische Restaurant gut. Hassan bietet seiner zunehmend größeren Gästeschar eine gemischte Küche lokaler Zutaten, die er mit seinen speziellen indischen Gewürzen verfeinert. Unterdessen entwickelt sich zwischen ihm und der Sous-Chefin des gegenüberliegenden Sternerestaurants Marguerite eine zaghafte Beziehung. Sie versorgt ihn heimlich mit Büchern zur klassischen Küche Frankreichs, die Hassan förmlich verschlingt. Das Küchenpersonal des Nobelrestaurants unter Chefkoch Jean-Pierre hingegen blickt verächtlich auf die ausländischen Nachbarn. Schließlich wird am Nationalfeiertag das „Maison Mumbai“ mit Brandbomben beworfen. Hassan kann die Unbekannten vertreiben, doch er verbrennt sich die Hände. Zudem wird die Außenmauer des Restaurants mit dem Spruch „La France aux Français“ („Frankreich den Franzosen“) beschmiert.

Hierauf beendet Madame Mallory den Zwist mit den Nachbarn. Weil sie längst um die herausragenden Fähigkeiten Hassans in der Küche weiß, bietet sie ihm eine Stelle in ihrer Küche an. Angesichts der neuen Konkurrenzsituation auf die freie Chefkochstelle führt dies zu Unstimmigkeiten zwischen Marguerite und Hassan …

Was zu sagen wäre

Liebe geht durch den Magen. Das ist eigentlich die ganze Geschichte dieses Films von Lasse Hallström, dem Edelschmalz-Künstler mit dem gehobenen Anspruch (Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht – 2013; „Lachsfischen im Jemen“ – 2011; Das Leuchten der Stille – 2010; „Ein ungezähmtes Leben“ – 2005; Schiffsmeldungen – 2001; Chocolat – 2000; Gottes Werk & Teufels Beitrag – 1999; Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa – 1993). Frankreich. Küche. Indien. Curry. Essen. Schöne Landschaften. Eine kulinarische Rivalität. Und ein Schuss jugendfreier Romantik. Der Film ist genau so, wie diese Zutaten vermuten lassen. Auf Überraschungen muss sich der Zuschauer nicht einstellen – es sei denn, er empfindet es als Überraschung, dass das Leben in dieser südfranzösischen Provinz völlig ohne alltägliches Grau auskommt.

Gut: Da ist die anfängliche Zickerei der Madame Mallory, von der aber eben auch klar ist, dass sich das legen wird. Helen Mirren in dieser Rolle gibt dem Film das Rückgrad, das er benötigt, um nicht in Seichtheit zu zerfließen (Hitchcock – 2012; R.E.D.: Älter. Härter. Besser. – 2010; Brighton Rock – 2010; State of Play – Stand der Dinge – 2009; Die Queen – 2006; Gosford Park – 2001; Das Versprechen – 2001; Tötet Mrs. Tingle! – 1999). Wo andere Ladys ein ausdrucksloses Gesicht aufsetzen, wenn sie „streng gucken“ spielen müssen, zuckt bei Mirren nur eine halbe Augenbraue. Das reicht. Als sie Hassans Omelett probiert, zeigt die Kamera sie von hinten. Sie nimmt einen Bissen, dann knarzt der Stuhl, auf dem sie sich gerade aufrichtet – und genießt. „Warum ein Rezept verändern, das seit 200 Jahren besteht?“ „Vielleicht, Madame, weil 200 Jahre irgendwann genug sind.“

Das sind dann diese Momente, die an Pixars Ratatouille erinnern, als der gestrenge Kritiker durch einen famos einfachen Gemüseeintopf wieder zum Menschen wird. Sowas passiert hier einmal mit einem Omelett, das Madama Mallory zum Mensch werden lässt und einmal mit einem indischen Gemüseeintopf, der Hassan, mittlerweile Spitzenkoch in einem Pariser Edelstahl-Restaurant mit Molekularküche, auf den rechte Pfad der durch den Magen gehenden Liebe zurückführt. Wobei gänzlich unverständlich ist, wieso es über Hassan an einer Stelle heißt, er sei längst auch im Pariser Nachtleben kein Unbekannter mehr, er dann am Silvesterabend aber mutterseelenallein an der Seine steht und traurigen Auges Feuerwerk guckt. In der Liebe und im Liebesfilm ist (fast) alles möglich.

Gut: Da sind ein paar nationalistische Töne einige Feierabend-Faschisten. Aber es reicht die zitierte Augenbraue der Lady Mirren, um dieses Thema aus dem Film zu kegeln, als es noch nicht einmal Fahrt aufgenommen hat. Im Kinosessel beschleicht einen auch so das Gefühl, als hätten die Provinz-Faschos gegen die geballte Liebe der indischen Familie ohnehin keine Chance: Om Puri als autoritäres Oberhaupt der Familie, der sich von niemandem – schon gar nicht von Helen  Mirren – das Curry vom Huhn nehmen lässt, dazu drei liebenswert quirlicge Halbwüchsige und Manish Dayal als Hassan, der in seiner großäugigen Liebenswürdigkeit wirkt wie Dev Patel 2.0.

Während der naiv liebenswerte meisterkoch ziellos die große Kochkarriere erlebt, die so zwangsläufuzg ist, dass sie das langweiligste am Film ist, gibt es eine kleine nette Romanze. Die ist auch zwangsläufig, indes nicht langweilig, sondern in ihrer sauberen harmlosigkeit herzig. An ihrem Beginn steht die Feststellung der realistischen Marguerite: „Wir sind Chefköche. Wir haben schlechte Arbeitszeiten. Wir sollten das nicht tun.“ Deswegen dauert es dann fast den ganzen Film, bis sie es endlich tun – und sich also endlich küssen. Bis dahin kocht das junge Paar zunächst einmal gegeneinander, dann nebeneinander, dann entfernt voneinander.

Schön gespielt. Malerisch fotografiert. Gefühlvoll inszeniert und musikalisch liebevoll untermalt. Ein schönes Sommermärchen: Liebe geht eben durch den Magen.

Wertung: 5 von 8 €uro