Kinoplakat: Der mit dem Wolf tanzt
Ein faszinierende Epos, das
alte Vorurteile gerade rückt
Titel Der mit dem Wolf tanzt
(Dances with Wolves)
Drehbuch Michael Blake
nach seinem gleichnamigen Roman
Regie Kevin Costner, USA, UK 1990
Darsteller Kevin Costner, Mary McDonnell, Graham Greene, Rodney A. Grant, Floyd 'Red Crow' Westerman, Tantoo Cardinal, Black Shawl, Robert Pastorelli, Charles Rocket, Maury Chaykin, Jimmy Herman, Nathan Lee Chasing His Horse, Michael Spears, Jason R. Lone Hill, Tony Pierce, Doris Leader Charge u.a.
Genre Western
Filmlänge 181 Minuten
Deutschlandstart
21. Februar 1991
Inhalt

John Dunbar, First Lieutenant der Nordstaaten-Armee, lässt sich 1863 im amerikanischen Bürgerkrieg auf einen entlegenen Außenposten im Indianergebiet versetzen; er wolle den Westen kennenlernen, solange es ihn noch gebe, sagt er seinem vorgesetzen Offizier.

Den Außenposten, Fort Sedgwick, findet er verlassen und vollkommen verwahrlost vor. Das Trinkwasser ist mit Tierkadavern verseucht. Trotzdem beschließt er – seinem Befehl folgend – zu bleiben. Er setzt den Posten wieder instand, entfernt die Kadaver aus dem Wasserreservoir und richtet sich häuslich ein. Dabei schließt Dunbar Freundschaft mit einem Wolf, der ihn regelmäßig besucht und sich allmählich von ihm zähmen lässt, und gibt ihm den Namen „Socke“.

Nach einiger Zeit kommt es zu einer ersten Begegnung mit dem Indianer-Stamm der Lakota. Es kommt zu einer langsamen Annäherung, als auf beiden Seiten die Einsicht wächst, dass keiner den anderen unmittelbar bedroht. In einer Ausnahmesituation hilft Dunbar schließlich einer bei den Lakota lebenden weißen Frau, was dazu führt, dass beide Seiten von friedlichen Absichten der anderen Seite ausgehen. Ein noch stummer Austausch von Geschenken findet statt, wodurch das Vertrauen wächst, Dunbar erhält sogar einen Lakota-Namen: Der mit dem Wolf tanzt (Šuŋgmánitu Tȟaŋka Ob'wačhi) …

Was zu sagen wäre

„Ich will den Westen sehen. Solange es ihn noch gibt“, sagt Dunbar zu Beginn. Gespielt wird er von Kevin Costner, der auch Regie bei diesem Mammutprojekt geführt hat. Er hätte auch sagen können „Ich will einen Kinofilm drehen. Solange das noch geht.“

„Dances with Wolves“ ist eine Überraschung, ein erstaunlicher Film, weil so etwas heute eigentlich nicht mehr möglich scheint. Kevin Costner (Feld der Träume – 1989; „Annies Männer“ – 1988; No way out – Es gibt kein Zurück – 1987; Die Unbestechlichen – 1987; „Silverado“ – 1985) feiert die großartigen Landschaften des Westens in epischem Cinemascope, Kameramann Dean Semler taucht seine Bilder in satte Farben mit großer Tiefe. Die Bilder stehen lange, Costner verweigert sich dem gehypten schnellen Filmschnitt. Die Indianer reden in ihrer Sprache, Lakota. Die langen Dialoge in diversen Wigwams werden untertitelt präsentiert. Die produzenten in Hollywood sehen all so etwas nicht gerne, aber Costner hat sich durchgesetzt und schafft damit eine besondere Nähe.

Die Verlorenheit John Dunbars in der ersten halben Stunde, in der er noch unter seinesgleichen ist, ist mit Händen zu greifen. Je einsamer sein Ritt in den Westen wird, desto lebendiger wird die Leinwand – Langeweile kommt bei diesem langen Film nicht auf. Wenn Dunbar den Wolf kennenlernt, über den die Sioux ihm später seinen Sioux-Namen geben, Dances with Wolfes, dann lässt sich Costner Zeit, baut das Tier zu einem eigenen dramaturgischen Bogen aus, der eine Form stummer Kommunikation präsentiert, die später wichtig wird im Kontakt zu den fremdsprachigen Indianern.

Das Zusammenspiel mit den Indianern, den Edlen Wilden, ist erfreulich geerdet. Im Wigwam darf gelacht werden. Diese Sioux sind normale Menschen wie du und ich, leben in Zelten und sind um einiges zivilisierter, als die ungehobelten Weißen, als die Costner und sein Autor Michael Blake die Soldaten zeichnen. Elementar zum Gelingen des Films trägt eine Frau bei, Steht mit einer Faust. Sie ist die Tochter von weißen Siedlern, die von Pawnee-Indianern getötet worden waren. Die Lakota hatten das junge Mädchen aufgenommen und als eine der ihren erzogen; Steht mit einer Faust spricht daher nicht nur fließend Lakota, sondern erinnert sich auch bruchstückhaft an ihre Muttersprache. Mary McDonnell spielt sie ohne Pathos als resolut und schüchtern, willenstark und romantisch. Die Frau tut diesem Männerfilm sehr gut .

Bildgewaltiger Höhepunkt ist die Jagd der Indianer in der Büffelherde. Diese Szene ist ein Meilenstein des Kinos.

Der Film bemüht sich um größtmögliche Authentizität, nimmt sich aber Freiheiten, wenn sie der Spannung dienen: Dass die Pawnee-Indianer im Film als blutrünstige Aggressoren auftreten, obwohl historisch verbürgt scheint, dass eher die Sioux die Pawnee angriffen als umgekehrt, schafft ebenso ein Spannungselement wie der Winterfeldzug der US-Armee im Film, die in der realen Historie erst vier Jahre später begannen.

Wertung: 10 von 10 D-Mark