Kinoplakat: SMS für Dich
Viele Vorbilder werden bemüht für ein
sehr charmante Romantic Comedy
Titel SMS für Dich
Drehbuch Karoline Herfurth + Sophie Kluge + Malte Welding + Andrea Willson
Regie Karoline Herfurth, Deutschland 2016
Darsteller Karoline Herfurth, Friedrich Mücke, Nora Tschirner, Frederick Lau, Katja Riemann, Tom Beck, Rasmus Borowski, Samuel Finzi, Friederike Kempter, Uwe Preuss, Cordula Stratmann u.a.
Genre Romantik
Filmlänge 107 Minuten
Deutschlandstart
15. September 2016
Website warnerbros.de/kino/sms_fuer_dich2.html
Inhalt

Auch zwei Jahre nach dem Unfalltod ihrer großen Liebe Ben ist es Clara nicht gelungen, den schweren Verlust zu verarbeiten. Claras Mitbewohnerin und beste Freundin Katja versucht seitdem nach Kräften, der Trauernden zu neuem Lebensmut zu verhelfen.

Doch Clara verliert sich viel lieber darin, sehnsüchtige SMS an Bens alte Handynummer zu schreiben. Dabei weiß sie (natürlich) nicht, dass die Nummer mittlerweile neu an den Journalisten Mark vergeben wurde, der eine unglückliche Beziehung mit Fiona führt. Völlig fasziniert von den romantischenn Nachrichtern, fasst Mark den ÄEntschluss, sich mit seinem besten Freund David auf die Suche nach der unbekannten Absenderin zu begeben …

Was zu sagen wäre

Romantic Comedies sind im Kino aus der Mode gekommen. Das ist schade. In Zeiten, in denen Liebesgeschichten im Real Life über Apps wie Tinder in Gang kommen oder eben nicht, wo man jeden möglicherweise Interessanten erst einmal googelt, lassen sich Liebeswirren und romantisch gesteuertes Chaos halt nicht mehr glaubwürdig erzählen. Ein Geschichte, wie die aus E-Mail für Dich würde heute gar nicht mehr funktionieren. Es sei denn, vielleicht, man macht die Smartphone-Technik zum Treibsatz der Romanze. Wie Karoline Herfurth das in ihrem Regiedebut macht. Gleichzeitig gibt sie selbst auch eine erstaunlich gute in Liebeschmerz verwickelte Hauptdarstellerin – wobei sie ihre großen Augen und die Sommersprossen gezielt einsetzt.

Die bislang nur als Schauspielerin bekannte Herfurth macht als Regisseurin nicht viele Worte, ist schnell mittendrin in ihrem Drama. Der Tod des Verlobten, ohne den die Geschichte nicht in Gang kommen kann, ist nach wenigen Sekunden erledigt und zwar auf erzählerisch sehr erfrischende Art und Weise. Wo im großen Hollywood mindestens eine in sanften Braun und Rottönen ausgeleuchtete groß-ar-tige Liebesnacht zeigen muss, dass der folgende Verlust wirklich ein großer Verlust ist, reicht bei Herfurth ein ByeBye-Bussie im Café und ein Unfall, der sich schemenhaft in der Fensterfront spiegelt, hinter der Clara alles sieht und der dann langsam die Gesichtszüge entgleiten. Punkt. Zwei Jahre später … und Auftritt Nora Tschirner als Claras beste Freundin. Tschirner liefert eine reife, unabhängige Leistung. Da spielt nicht Tschirner Tschirner, wie sonst häufig, sondern tatsächlich die Beste Freundin, die das Liebesleben vor allem über Dating-Apps kennt: „Und außerdem: Zwinkersmiley! … Also komm, Zwinkersmiley ist nun wirklich mega-verbindlich. Er hätte ja auch einen normalen Smiley machen können, so ein bin-glücklich-Ding.“

Auch Katja Rieman macht Spaß. Sie spielt eine exaltierte Schlagersängerin mit Hang zum Esoterischen – immer etwas überdreht, überschminkt, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Nach der neurotischen Schuldirektorin, die sie in den Fack-Ju-Göthe-Filmen spielt, läuft sie hier zum zweiten Mal zu großer Komödienform auf. Die als schwierig behauptete Schauspielerin hat einen langen Karriereweg hinter sich („Türkisch für Anfänger“ – 2012; „Ein fliehendes Pferd“ – 2007; „Rosenstrasse“ – 2003; Long Hello and Short Goodbye – 1999; Comedian Harmonists – 1997; Die Apothekerin – 1997; Bandits – 1997; Stadtgespräch – 1995; „Der bewegte Mann“ – 1994) und scheint ihren Spaß an überdehten Frauen zu haben.

Noch eine Erkenntnis dieser schöönen, nicht großartig überraschenden Romantic Comedy:Berlin eignet sich perfekt als Kulisse für solche Filme. Es stört eher verhalten, dass das Drehbuch einige Volten bereithält, die ins Nichts laufen – einmal können wie die SMSse von allen Passanten mitlesen, die des Wegs kommen, aber keine Rolle spielen. Da fehlt jeder Bezug. Ein anderes Mal arbeitet Journalist Mark daran, das erste große deutsche Portrait des Fußballers Lionel Messi schreiben zu können, was am Ende einfach unerledigt mit einem Schwenk auf ein Messi-Trikot im Sande verläuft. Und im letzten Drittel übermannen die Vorbilder den charmanten Film: Im Berliner Zoo leuchten, nein: strahlen die herbstlichen Blätter zu Dean Martins „Ain‘t that a Kick in the Head“ … da traut die Regie ihrer eigenen Geschichte nicht mehr und drückt auf die Harry-und-Sally-Tube und zur Auflösung gibt es noch ein wenig Notting-Hill-Drama – ganz überflüssig eigentlich, unterstreicht aber, was wir im Kino verloren haben.

Anders als die genannten Vorbilder ist „SMS für Dich“ nicht unbedingt ein Film, den ich ein zweites Mal sehen wollte. Aber er ist ein schöner Tränenzieher, der mit dem Finale Furioso während der Schlusstitel eine große Reife der Regisseurin beweist. Wer ein so stimmiges Ganzes mit Zicken wie Tschirner und großen Namen wie Lau und schwierigen Charakteren wie Riemann hinbekommt … à la Bonheur! Hier hatten eine Menge versierter Filmprofis offensichtlich eine Menge Spaß. Und der überträgt sich auf die Leinwand.

Wertung: 5 von 8 €uro