Plakatmotiv: Sinola (1972)
Wortkarger Einzelgänger, böser Viehbaron
und die Mexikaner sind die neuen Indianer
Titel Sinola
(Joe Kidd)
Drehbuch Elmore Leonard
Regie John Sturges, USA 1972
Darsteller Clint Eastwood, Robert Duvall, John Saxon, Don Stroud, Stella Garcia, James Wainwright, Paul Koslo, Gregory Walcott, Dick Van Patten, Lynne Marta, John Carter, Pepe Hern, Joaquín Martínez, Ron Soble, Pepe Callahan u.a.
Genre Western
Filmlänge 88 Minuten
Deutschlandstart
8. September 1972
Inhalt

Ende des 19. Jahrhunderts in der US-amerikanischen Kleinstadt Sinola in New Mexico steht der Pferdezüchter Joe Kidd wegen Wilderei vor Gericht. Am selben Tag sollen die Landansprüche der mexikanischen Kleinbauern verhandelt werden, deren Besitzurkunden bei einem Brand vernichtet worden sein sollen. Während Joe Kidd vor dem Richter steht, stürmt der politische Aktivist Luis Chama mit einer Gruppe von mexikanisch-amerikanischen Bauern den Gerichtssaal. Chama verkündet einen Aufstand der Bauern gegen die Großgrundbesitzer und den geplanten Eisenbahnbau. Kidd kann eine geplante Geiselnahme des Richters verhindern, wandert dann jedoch wieder zurück in seine Zelle. Chama flieht mit seinen Gefolgsleuten derweil in die Berge. Die Verfolgung durch Bob Mitchell, den Sheriff von Sinola, wird ohne Ergebnis abgebrochen. Kaum ist auf Chama ein Kopfgeld ausgesetzt, tauchen auch schon Kopfgeldjäger in der Kleinstadt auf.

Der Großgrundbesitzer Frank Harlan tritt an den noch in seiner Zelle sitzenden Joe Kidd heran. Er hat eine Gruppe von Kopfgeldjägern um sich geschart, um Chama zu jagen; er will Kidd als Führer anheuern, da sich dieser in den Bergen auskennt. Harlan geht es einzig um die Beseitigung von Chama, da er einen Großteil seines Landes verlieren würde, wenn die Ansprüche der Kleinbauern tatsächlich durchgesetzt würden. Harlan zahlt die Kaution für Kidd, dieser lehnt eine Teilnahme an der Suche nach Chama jedoch ab und reitet zurück auf seine Ranch, die Chama allerdings überfallen hat und die Pferde hat mitgehen lassen. Nun schließt sich Kidd doch Harlan und dessen Männern an.

Als Harlan mehrere Mexikaner erschießt wird Kidd klar, worum es diesem wirklich geht. Während ihrer Suche treffen sie auf die Geliebte von Chama, Helen Sanchez. Sie nehmen sie mit. Als sie das mexikanische Bergdorf erreichen, in dem sie Chama vermuten, werden sie von den umliegenden Bergen aus beschossen. Harlan lässt daraufhin die Dorfbewohner an der Kirche zusammentreiben und stellt Chama ein Ultimatum. Falls er sich nicht bis zum Morgengrauen ergebe, würden Geiseln erschossen. Kidd, der sich gegen Harlan gestellt hat, wird zusammen mit den Geiseln in der Kirche gefangen gehalten …

Was zu sagen wäre

Das Justizgebäude in Pinola trägt die Jahreszahl 1896: Es ist die Zeit, als sich die Zivilisation schon weit in den Wilden Westen hineingefressen hat, die klassischen kriminellen Banden schon nach Süden Richtung Mexiko ausweichen mussten, um noch auf ihre Weise Geld zu machen. Frank Harlan versucht es mit Landraub bei den Mexikanern, so wie seine Vorfahren dies wohl bei den Indianern und armen Siedlern im Nirgendwo des einst viel wilderen Westens getan haben. Wie zivilisiert die Zeiten sind, erweist sich daran, dass Jo Kidd zehn Tage ins Gefängnis muss, weil er einen Hirsch geschossen hat wo er ihn nicht hätte schießen dürfen – vor nicht allzuvielen Jahren musste man schon einen Menschen erschossen haben, um mit dem gesetz in Konflikt zu geraten. Auch die Landräuber müssen sich an Verwaltungsauflagen halten: Sie können sich fremdes Land nicht mehr einfach mit Waffengewalt nehmen und dann bleihaltige Fakten schaffen, sie müssen schon die Besitzurkunden der echten Landbesitzer vernichten, bevor sie Ansprüche stellen können.

„Joe Kidd“ ist ein Western in prächtiger Landschaft, in dem die Mexikaner die Rolle der ihres Landes beraubten Indianer übernehmen. Das Personal ist das Erwartbare: ein skrupelloser Mann mit Geld – Robert Duvall gibt sein Bestes, um den Anforderungen eines reichen Klischee-Bösewichts, der in den 50er-Jahre-Western böser Großgrundbesitzer gewesen wäre, gerecht zu werden –, ein tumber Schläger (Don Stroud – Coogan's Bluff –  als Lamarr), der dem Helden als Punchingball dient und einen peinlichen/dummen/angemessenen Tod stirbt, ein paar echt menschenverachtende, kalte Killer und viele brave (mexikanische) Bürger, die einfach nur ihr Land bewirtschaften wollen und also auf einen wie Joe Kidd angewiesen sind. Der erschießt dann auch Obergauner Harlan prompt aus dem Stuhl des Richters – es lebe die Gerechtigkeit des Law and Order. Eine zentrale Szene spielt in einer Kirche. Eastwood-Filme haben bemerkenswerterweise immer eine religiöse Komponente – Kirchen, Kreuze, falsche Priester.

John Sturges (Eisstation Zebra – 1968; „Gesprengte Ketten“ – 1963; Die glorreichen Sieben – 1960; „Der letzte Zug von Gun Hill“ – 1959; „Der alte Mann und das Meer“ – 1958; „Stadt in Angst“ – 1955) kann dem Genre abseits der neuen Landschaftsbilder nichts Neues abgewinnen, erweist sich aber als solider Handwerker, der die Genre-Regeln beherrscht; aber irgendwann haben wir zu viele Berge und zu wenig Handlung gesehen. Der Film bietet Eastwood aber ausgiebig Gelegenheit zu viriler Imagepflege – „Na los, Süße!“

Wertung: 3 von 8 D-Mark