Plakatmotiv: Der Schatz der Sierra Madre
Großer Abenteuerfilm mit
großartiger Besetzung
Titel Der Schatz der Sierra Madre
(The Treasure of the Sierra Madre)
Drehbuch John Huston
nach dem gleichnamigen Roman von B. Traven
Regie John Huston, USA 1948
Darsteller
Humphrey Bogart, Walter Huston, Tim Holt, Bruce Bennett, Barton MacLane, Alfonso Bedoya, Arturo Soto Rangel, Manuel Dondé, José Torvay, Margarito Luna u.a.
Genre Drama, Abenteuer
Filmlänge 126 Minuten
Deutschlandstart
14. Juni 1949
Inhalt
Mexiko im Jahr 1925: Der US-Amerikaner Fred C. Dobbs ist in Tampico an der mexikanischen Ostküste gestrandet; Hier gibt es einen der größten Ölhäfen der Welt. Dobbs überlebt, indem er reiche Landsleute anbettelt. Auf einer Parkbank lernt er einen jüngeren Landsmann kennen, dem es ähnlich geht: Bob Curtin.

Einmal bettelt er Pat McCormick an. Der Bauunternehmer bietet Dobbs statt dessen an, ihn beim Bau eines Bohrturms zu beschäftigen. Dobbs willigt sofort ein, Curtin wird sein Arbeitskollege. Aber McCormick haut sie übers Ohr und verschwindet. Sie spüren ihn auf, es kommt zur Schlägerei, der Unternehmer unterliegt und die beiden geprellten Arbeitskräfte bedienen sich aus der Brieftasche ihres Auftraggebers mit dem, was ihnen zusteht.

Im Schlafsaal einer billigen Herberge hören sie, wie der alte Goldgräber Howard von einer mexikanischen Goldader schwärmt und zugleich die zerstörerischen Folgen der Goldgier ausmalt.

Für Cobbs und Curtis ist schnell klar, wie sie das von McCormack erbeutete Geld am besten einsetzen. Sie werden auf Goldsuche gehen. Sie fordern den alten Howard auf, sich daran zu beteiligen. Er ist zwar alt, aber er ist ein Profi und er beherrscht als einziger die spanische Sprache.

Ihr Ziel ist der von Indios bewohnte Gebirgszug der Sierra Madre; die Eisenbahn soll sie bis nach Victoria de Durango bringen, der Hauptstadt des Bundesstaates Durango. Dort versehen sich Dobbs, Curtin und Howard mit Packeseln und Vorräten und beginnen mit dem Aufstieg in die Sierra Madre. Vom Dschungel wechseln sie in ein Gebiet mit karger Vegetation. Der alte Howard ist immer vorneweg, die beiden jüngeren sind bald erschöpft.

In dem Moment, in dem Dobbs kapituliert und umkehren will, klärt Howard ihn auf. Gerade jetzt haben sie ihr Ziel erreicht, sie stehen auf Gold - Unwissende wie seine beiden Begleiter würden Goldstaub eben mit gewöhnlichem Sand verwechseln.

Die drei graben einen Stollen, bauen eine Waschrinne und beginnen mit der Goldwäsche. Howard hatte recht, die Ader ist ergiebig. Die Goldgräberei der drei ist illegal; sie haben kein Schürfrecht erworben, da sie fürchten, von den großen Bergwerksgesellschaften vertrieben zu werden, wenn sie einen Antrag stellen.

Nach einigen Wochen erfolgreicher harter Arbeit regen sich Gier und Misstrauen, vor allem bei Dobbs. Er setzt durch, dass die Tagesausbeute an jedem Abend auf alle drei aufgeteilt wird. Sie verstecken ihre Vorräte voreinander, von der Furcht beherrscht, dabei von den anderen beobachtet zu werden.

Dobbs wird im Stollen verschüttet und – nach kurzem Zögern – von Curtin gerettet. Trotz dieser Hilfeleistung geht Dobbs’ Misstrauen allmählich in Verfolgungswahn über. Er glaubt, dass Curtin und Howard nichts anderes im Sinn haben, als sein Goldversteck ausfindig zu machen und ihn zu töten …

Was zu sagen wäre
Großer Abenteuerfilm mit großartiger Besetzung. John Huston inszeniert eine Geschichte über die Gier, über Misstrauen und obwohl er irgendwo in der unwirtlichen Bergwelt dreht, istz sein Film ein aktueller Kommentar zur modernen Leistungsgesellschaft: Solange die Protagonisten am unteren ende der Nahrungskette sitzen, halten sie zusammen, helfen sich, stehen gegen den äußeren Feind, den bösen Reichen/Kapitalisten zusammen. Aber wenn man dann selbst zu Wohlstand gekommen ist, fängt man an, diesen zu verteidigen gegen die Partner von gesetrn. Geld/Gold verdirbt den Charakter. „The Treasure of the Sierra Madre“ zeiggt exemplarisch, wie Gier und Misstrauen eine Gesellschaft verformen, in der der Starke alles bekommt und der Schwache ausgenommen wird und verendet.

Mit „Treasure“ schließt sich ein Kreis in Bogarts Karriere (Die schwarze Natter – 1947; „Die zwei Mrs. Carrolls“ – 1947; Tote schlafen fest – 1946; „Tatort Springfield“ – 1945; Haben und Nichthaben – 1944; „Fahrkarte nach Marseille“ – 1944; „Thank Your Lucky Stars“ – 1943; Casablanca – 1942; Abenteuer in Panama – 1942; Die Spur des Falken – 1941; „The Wagons Roll at Night“ – 1941; Entscheidung in der Sierra – 1941; Nachts unterwegs – 1940; „Die wilden Zwanziger“ – 1939). Wenn er langsam in Schizophrenie und Verfolgungswahn verfällt, erinnert sein Spiel an seinen Duke Mantee im „Petrified Forest“ (1936). Die Bandbreite dieses Schauspielers ist bemerkenswert. Bogart schafft es mit einem Augenlid, sein souveränes Gesicht in ein Antlitz aus Misstrauen und Wut zu verwandeln. Dass wir einen anderen Bogart erleben werden, einen abgerissenen abseits der Großstadt (seinem natürlichen Habitat) macht Regisseur John Huston (Abenteuer in Panama – 1942; „Ich will mein Leben leben“ – 1942; Die Spur des Falken – 1941) gleich in der ersten Einstellung deutlich: Die Kamera erfasst einen Mann, Bogart, und als sie in seinem Gesicht ankommt, ist der berühmte Bogart-Hut darüber löchrig und rissig.

Huston gelingen Bilder von grandioser Tiefenschärfe. Einmal hat er Bogarts Kompf bildfüllend im Frame, da strahlen im Hintergrund noch zerklüftete Schlucht-Landschaften. Überhaupt kommt er seinen Protaginisten sehr nah, Großaufnahmen zerklüfteter, abgekämpfter Gesichter dominieren immer wieder die Szene, zerklüftete Gesichter in ebensolchen Landschaften. Great filming, kluge Bilder, die ohne viele Worte auskommen.

Die Rolle des alten, erfahrenen Howard hat John Huston mit seinem Vater Walter besetzt, der hier eine großartige Performance liefert. Sein altersweiser Stoizismus als Gegenentwurf zum zunehmend wilder werdenden Dobbs balanciert den Film wunderbar aus, in dem Tim Holt die etwas undankbare Rolle des Otto Normalverbrauchers zufällt. Er ist anständig, will nichts Böses, wird nur kurz einmal in böse Versuchung geführt, hilft mit dieser Blässe aber, die Story zu erden, dem Zusachauer, dessen moralisches Alter Ego Holt ist, die Story nahe zu bringen. Walter Huston fällt die Rolle des Mentors zu, der Ziele annimmt, wenn sie des Wegs kommen, der aber keine Ziele mehr anvisiert. Logisch, dass er am Ende den höchsten Gewinn mitnimmt – der, und das ist die Moral von der Geschicht‘, („Das Schicksal hat uns einen Streich gespielt. Das Gold ist dorthin zurückgekehrt, wo wir es gefunden haben!“), nicht im Gold liegt, sondern in der richtigen Gemeinschaft richtiger Menschen, und dem Schicksal, das sein Gold gerade in alle vier Himmelsrichtungen bläst, laut ins Gesicht lacht.

Wertung: 6 von 6 D-Mark