Plakatmotiv: African Queen (1951)
Großartig: Bogart und Hepburn
besiegen die deutsche Kriegsmarine
Titel African Queen
(The African Queen)
Drehbuch James Agee + John Huston + John Collier (uncredited) + Peter Viertel (uncredited)
nach dem gleichnamigen Roman von C. S. Forester
Regie John Huston, USA, UK 1951
Darsteller Humphrey Bogart, Katharine Hepburn, Robert Morley, Peter Bull, Theodore Bikel, Walter Gotell, Peter Swanwick, Richard Marner u.a.
Genre Abenteuer, Drama, Romanze
Filmlänge 105 Minuten
Deutschlandstart
19. August 1958
Inhalt

Deutsch-Ostafrika, zu Beginn des Ersten Weltkriegs – wobei man dem hier unten noch nichts weiß. In einer kleinen Siedlung, weit entfernt von jeder Zivilisation, lebt und wirkt die sittenstrenge und etwas altjüngferliche Rose Sayer als Missionarin zusammen mit ihrem Bruder Pastor Samuel Sayer.

Mit dem Nötigsten und mit Nachrichten versorgt wird die Siedlung von dem raubeinigen Kapitän Charlie Allnutt und seinem alten Dampfboot namens „African Queen“. Niemand erwartet, dass der Krieg große Auswirkungen auf die Siedlung haben könnte, sie wird aber durch deutsches Militär bei einer Strafexpedition völlig zerstört. Pastor Sayer fällt daraufhin in den Zustand geistiger Verwirrtheit und stirbt wenig später. Kapitän Allnutt sieht sich gezwungen, Rose auf seiner Reise weiter den Fluss hinunter mitzunehmen.

Plakatmotiv: African Queen (1951)Die spröde und strenge Rose macht dem etwas verwahrlosten, seinem Gin zugeneigten Charlie das Leben schwer – am dritten Morgen hat sie all seine Gin-Vorräte vernichtet. Eine strenge Zicke aber ist sie deshalb nicht, im Gegenteil: Sie zeigt Stärke und Mut, mit dem sie sogar Charlie ansteckt und ihn aus seiner eher resignierten Haltung herausholt. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, den Fluss ganz hinunterzufahren, obwohl dies als unmöglich gilt, und das im anschließenden See kreuzende deutsche Schiff „Luisa“ zu versenken.

Die Schwierigkeiten sind beträchtlich: Eine deutsche Stellung nimmt sie unter Beschuss, kaum haben sie das überlebt, beginnen die Stromschnellen, die unter Fachleuten als unpassierbar gelten – hier wächst Rose über sich hinaus und steuert das Boot, während Charlie sich um die unzuverlässige Maschine kümmern muss. Und im Mündungsdelta schließlich hat das Wasser so wenig Tiefgang, dass Charlie und Rose auf der trocken liegenden „African Queen“ zwischen Rohrschilf, Mücken und Blutegeln der Garaus droht. Nachts setzt starker Regen ein, der Wasserstand des Flusses steigt. Als die beiden aufwachen, bewegt sich das Boot von selbst in einer nun vorhandenen Strömung auf den See zu. In der Ferne sehen sie die Luisa kreuzen …

Was zu sagen wäre

Humphrey Bogart und Katherine Hepburn ziehen gegen die deutsche Marine in den Krieg. Daraus macht John Hustons einen der unterhaltsamsten Filme der vergangenen Jahre. Ein Abenteuerfilm mit einem gut gelaunten, aus dem Vollen spielenden Humphrey Bogart. Ein Kriegsfilm mit einer souverän agierenden Betschwester Katherine Hepburn. Die ersten 15 Minuten gehören aber Robert Morley. Ein großartiger Auftritt als Missionar, dem Bogart und Hepburn nur freundlich assistieren können; Morley überstrahlt in seinenSzenen alle anderen.

Aber dann übernehmen Bogart und Hepburn und die afrikanische Flusslandschaft. „African Queen“ wurde teilweise vor Ort in Afrika gedreht: Die Außenaufnahmen fanden in Butiaba am Albertsee und im Murchison Falls National Park statt – fast 2.000 km vom Tanganjikasee, dem angeblichen Schauplatz, entfernt. Während der Dreharbeiten zu dem Film in Uganda wurde das Filmteam durch die britische Kolonialverwaltung auch mit Trinkwasser versorgt. Aufgrund von Magenbeschwerden und Durchfall wurde der Krankenstand der Filmcrew so groß, dass die Dreharbeiten des Films für mehr als zehn Tage ausgesetzt werden mussten. Man sieht dem Film seine chaotischen Entstehungs-Umstände an. Zum Glück. „African Queen“ versprüht den angenehmen Geist des Improvisationstheaters.

Plakatmotiv (US): African Queen (1951)Die Dramaturgie ist denkbar einfach: Eine Betschwester und ein Trinker wollen einen schwierigen Fluss bezwingen, um dann ein deutsches Kanonenboot zu sprengen („The biggest Gun in Central Africa“). Deshalb gibt es Hürden aller Art – Stromschnellen, mit Kanonen bestückte Festungen, Mücken, Krokodile. Den ganzen Rest, der das Abenteuer zu einem Film macht, müssen die Schauspieler erledigen. Und dasb erledigen sie mit links. Bogart und Hepburn sind wunderbar, spielen sich gekonnt die Bälle zu. Bogart lässt mit Lust die alkoholisierte Sau raus, um die Etepetete-Nonne aus der Reserve zu locken. Und diese Schwester hat die richtigen Antworten. Für Schauspieler ist dieser Film – weniger offenbar die Dreharbeiten – ein Fest.

Frech setzt John Huston auf den Kommissar Zufall, weil der so wunderbar in die religiös angehauchte Situation passt. Passiert die „African Queen“ etwa das schwer bewaffnete Fort Shona, dann werden Schützen dort oben im richtigen Moment durch einen Sonnenblitzer geblendet, offenbar ebenso ein Fingerzeig Gottes wie der pünktlich einsetzende Regen, der das Schiff wieder flott macht.

John Hustons Abenteuerfilm hat eigentlich nurr einen Mangel: Diesem Großen Kino fehlt schmerzlich das Cinemascope-Format.

Wertung: 6 von 6 D-Mark