Plakatmotiv: Tod auf dem Nil
Urlaubsreise mit Mord und
großen Schauspielern
Titel Tod auf dem Nil
(Death on the Nile)
Drehbuch Anthony Shaffer
nach dem Roman „Death on the Nile“ von Agatha Christie
Regie John Guillermin, UK 1978
Darsteller Peter Ustinov, Jane Birkin, David Niven, Lois Chiles, Bette Davis, Mia Farrow, Jon Finch, Olivia Hussey, I.S. Johar, George Kennedy, Angela Lansbury, Simon MacCorkindale, Maggie Smith, Jack Warden, Harry Andrews u.a.
Genre Krimi
Filmlänge 140 Minuten
Deutschlandstart
13. Oktober 1978
Inhalt

Nachdem die wohlhabende amerikanische Lady Linnet Ridgeway und der eher arme Simon Doyle geheiratet haben, verbringen sie ihre Flitterwochen in Ägypten. Ebenfalls anwesend ist Jacqueline, genannt Jackie, die ehemals beste Freundin von Linnet und zuvor auch Simons Verlobte. Jackie ist offensichtlich sehr wütend. Sie verfolgt die beiden und sinnt auf Rache. Als Linnet bei einer Tempelbesichtigung fast von einem Stein erschlagen wird, beginnen die Ermittlungen des Detektivs Hercule Poirot, der zufällig auch in Ägypten ist. Er glaubt bei dem Steinschlag nicht an Zufall, sondern eher an einen kaltblütigen Mordanschlag.

Bei seinen weiteren Nachforschungen auf einer Nildampferfahrt erfährt Poirot, dass nicht nur Jackie, sondern auch diverse andere Mitreisende nicht gut auf Linnet zu sprechen sind. Da wären zum Beispiel ihr Dienstmädchen Louise Bourget, das den Dienst quittieren und heiraten möchte, dazu aber Geld von Linnet Doyle braucht, die trunksüchtige und sexbesessene Schriftstellerin Salome Otterbourne, welche Linnet vergeblich von einer Verleumdungsklage abbringen möchte, der junge Salonkommunist Ferguson, der sie für eine Parasitin hält, Frau van Schuyler, eine Gesellschaftsdame, die scharf auf Linnets Perlenkette ist, deren Gesellschafterin Bowers, deren Vater von den Ridgeways in den Ruin getrieben wurde, Dr. Ludwig Bessner, ein Schweizer Arzt, dessen Ruf sie ruiniert hat, und Pennington, ihr amerikanischer Rechtsanwalt, der sie betrügen möchte. Die Reihe der möglichen Täter des Mordanschlages ist also sehr groß.

Plakatmotiv: Tod auf dem NilAbends kommt es an Bord der „Karnak“ zu einem heftigen Streit zwischen Jackie und Simon, bei dem Jackie Simon mit einer Pistole ins Bein schießt. Man bringt die völlig aufgelöste Jackie in ihre Kabine und sorgt dafür, dass sie nicht alleine ist – Frau Bowers, die Krankenpflegerin ist, bleibt die ganze Zeit bei Jackie. Bald darauf wird Simon von Dr. Bessner versorgt und in seine Kabine gebracht.

Am folgenden Morgen wird Linnet Doyle von ihrem Dienstmädchen Louise tot in ihrem Bett aufgefunden, mit einer Schusswunde am Kopf. Ihre Zeigefingerkuppe ist blutbefleckt, und an der Wand neben dem Bett steht ein großes blutig-rotes J, das auf Jackie hinweisen könnte. Allerdings kann Linnet das nicht selbst geschrieben haben, da sie sofort tot gewesen sein muss. Poirot folgert, dass diese Initiale vom Mörder hinterlassen worden sein muss. Nun beginnen die Ermittlungen, und außer Simon und Jackie scheint keiner der weiteren Passagiere ein Alibi zu haben …

Was zu sagen wäre

Ein exotischer Schauplatz und touristischer Hotspot der Güteklasse A, dazu eine große Schar ebensolcher Schauspieler, ein Mord mit lauter Verdächtigen, die ein gutes Motiv haben. Im Grunde ist diese Agatha-Christie-Verfilmung eine Art Mord im Orientexpress (1974) auf dem Nil mit Sonne statt Schnee und Peter Ustinov („Drei Fremdenlegionäre“ – 1977; Flucht ins 23. Jahrhundert – 1976; „Hammersmith ist raus“ – 1972; „Das Millionending“ – 1968; „Topkapi“ – 1964; Spartacus – 1960; Wir sind keine Engel – 1955) statt Albert Finney als belgischer Meisterdetektiv Hercule Poirot. Mit David Niven („Eine Leiche zum Dessert“ –1976; „Das Superhirn“ – 1969; Casino Royale – 1967; „Der rosarote Panther“ – 1963; Die Kanonen von Navarone – 1961) als britischem Versicherungsdetektiv Johnny Race steht Poirot ein Stichwortgeber zur Seite, mit dem Poirot die offenen Fragen fürs Publikum diskutieren kann – John Guillermin („King Kong“ – 1976; Flammendes Inferno – 1974; „Shaft in Afrika“ – 1973; „Die Brücke von Remagen“ – 1969) inszeniert die beiden wie eine moderne Version von Laurel und Hardy.

Nach dem großen Erfolg des Orient-Express saß dem Studio das Geld offenbar locker. Der Star-besetzte Film, der seinen Figuren wenig Auslauf bietet, sieht aus wie die Blaupause für die vorliegende Agatha-Christie-Verfilmung, angereichert mit sonnendurchfluteten Panoramen der Pyramiden und der Tempel, die den Nil säumen wie Perlen auf einer Kette; dadurch ist der Film vor allem in der weitschweifigen ersten Hälfte lang geworden. Das Script (Anthony Shaffer) nimmt sich viel Zeit, um die Verdächtigen in Szene zu setzen. Das sieht schön aus vor der eleganten Kulisse des Old Cataract Hotels in Assuan, lenkt aber die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf die umständlich formulierten Dialoge, die selbst den superben Schauspielern schwer über die Lippen kommen.

Das Old Cataract Hotel lässt den zuschauer noch auf andere Weise stolpern: Eben noch klettert das verliebte Honeymoon-Paar die Pyramiden von Gizeh hoch und reitet ein paar Minuten später in dieses Hotel? Das eigentlich am anderen Ende einer Nil-Kreizfahrt liegt? Als nächstes steuern sie die Tempelanlagen von Karnak an, dann Abu Simbel und schließlich den Kom-Ombo-Tempel. Es ist das Risko solcher Filme im zunehmenden Tourismus, dass der Strecken-Zickzack auffällt.

„Das Spiel ist aus. ich, Hercule Poirot, bin mir nun völlig darüber im Klaren, wer der Mörder ist.“ John Gulllermins Krimi ist eine gemütliche Urlaubsreise mit großen Schauwerten, die sich an der Kinokasse gerade so amortisierte. 7,9 Millionen US-Dollar kostete die Produktion, an den Kinokassen holte er 14,5 Millionen US-Dollar.

Wertung: 6 von 9 D-Mark