Plakatmotiv: Der Teufelshauptmann (1949)

Ein sentimentaler Militärfilm.
Abschied liegt in John Fords Luft.

Titel Der Teufelshauptmann
(She Wore a Yellow Ribbon)
Drehbuch James Warner Bellah + Frank S. Nugent + Laurence Stallings
nach den Erzählungen „War Party“ und „The Big Hunt“ von James Warner Bellah
Regie John Ford, USA 1949
Darsteller John Wayne, Joanne Dru, John Agar, Ben Johnson, Harry Carey Jr., Victor McLaglen, Mildred Natwick, George O'Brien, Arthur Shields, Michael Dugan, Chief John Big Tree, Fred Graham, George Sky Eagle, Tom Tyler, Noble Johnson u.a.
Genre Western
Filmlänge 90 Minuten
Deutschlandstart
1954
Inhalt

Der amerikanische Westen, 1876: Hauptmann Nathan Brittles ist Offizier in dem kleinen und eher unbedeutenden Fort Starke im Westen. Er steht sechs Tage vor seiner Pensionierung und sieht einer ungewissen Zukunft außerhalb einer Armee entgegen, die für ihn zur Heimat geworden ist. Brittles verlor Frau und Töchter. In seinem Büro hat Brittles Bilder der verstorbenen Frau und Töchter platziert, umwickelt von einem gelben Band. Brittles am nächsten steht der ungefähr gleichaltrige Sergeant Qinncannon, ein Iro-Amerikaner, dessen Schlagkraft und Durst gleichermaßen gefürchtet sind.

Es sind die Monate nach dem Tod General Custers am Little Big Horn. Brittles Vorgesetzter, Major Allshard, der Kommandeur des Forts, fürchtet angesichts bevorstehender Konflikte mit Indianern um das leibliche Wohlergehen seiner Frau und der bei ihnen lebenden Nichte, der attraktiven Olivia Dandridge. Diese wird heftig von zwei sich befehdenden Jung-Offizieren, Oberleutnant Cohill und Leutnant Penell, umworben. Sie trägt ein gelbes Band im Haar, um zu signalisieren, dass ihr Herz vergeben ist (Tradition bei der Kavallerie), lässt die beiden Bewerber allerdings im Unklaren, wem von beiden sie zugetan ist. Als Brittles, den Miss Dandridge als väterlichen Freund ansieht, sie diesbezüglich befragt, erwidert sie, sie trage das Band natürlich seinetwegen. Brittles quittiert dies mit einem Lächeln.

Plakatmotiv: Der Teufelshauptmann (1949)Brittles, der zu seiner letzten Patrouille auszieht, bekommt von Allshard den Auftrag, beide Damen zur nächsten Postkutschenstation zu bringen. Von dort sollen sie nach Osten in sicherere Gefilde reisen. Die Patrouille findet die Station völlig zerstört vor, die Bewohner wurden bis auf zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, getötet. So muss Brittles die Damen zurück zum Fort begleiten. Die resolute, trinkfeste und lebenstüchtige Mrs. Allshard erweist sich als tatkräftige Hilfe bei der Operation eines schwer verwundeten Soldaten im fahrenden Planwagen. Zur Deckung des Rückweges muss Leutnant Cohill mit einer kleinen Einheit zurückbleiben.

Nachdem Damen und Verwundete glücklich ins Fort zurückgebracht wurden, wird Brittles wegen der unmittelbar bevorstehenden Pensionierung gegen seinen Willen von der Aufgabe entbunden, das Kommando Cohill zu entsetzen. Statt seiner bekommt ausgerechnet Cohills Konkurrent Leutnant Penell das Kommando über die Entsatzeinheit. Brittles, der Penell als mit der Aufgabe überfordert ansieht, ihn gar als Baby in Uniform bezeichnet, reitet in Zivilkleidung dem Kommando hinterher. Da ihm noch wenige Stunden bis zur Pensionierung verbleiben, übernimmt er seine Position als Hauptmann erneut ohne seinen Vorgesetzten darüber zu informieren, sichert seine Truppe aber mit einem schriftlichen Befehl gegen ein eventuell nachfolgendes Kriegsgerichtsverfahren ab. Von seinen Männern wird seine Rückkehr mit Jubel begrüßt.

Brittles fordert die Truppe zum Stillhalten auf und reitet selbst in das Lager der Indianer, um mit seinem alten Widersacher, Häuptling Pony That Walks zu verhandeln. Dieser befindet sich in einer ähnlichen Situation wie Brittles. Er verfügt zwar noch über einige Autorität, hat aber die praktische Befehlsgewalt über die jungen Wilden, die von Red Shirt angeführt werden, verloren.

Zur Truppe zurückgekehrt entwickelt Brittles einen Plan, wie die drohende kriegerische Auseinandersetzung ohne Blutvergießen vereitelt werden kann. Diesen Plan umsetzend treibt man nachts die Indianerpferde aus dem Lager und dann zurück zum Reservat. Am darauf folgenden Tag sieht man die Indianer zu Fuß und friedlich in ihr Reservat zurückkehren.

Plakatmotiv (US): She Wore a Yellow Ribbon – Der Teufelshauptmann (1949)Brittles sieht seine Aufgabe bei der Armee nun als erfüllt an, findet sich damit ab, als Zivilist gen Westen zu reiten. Ihm wird jedoch der beste Reiter des Forts Sergeant Tyree mit einem Telegramm nachgesandt, das vom Präsidenten Grant unterzeichnet ist. Das Schreiben verkündet Brittles Ernennung zum Inspekteur der Kavallerie im Rang eines Oberstleutnants …

Was zu sagen wäre

Die Armee bleibt immer dieselbe. Sonne und Mond verändern sich. Aber die Armee verändert sich nie!“ Das Leben in der Armee ist bisweilen mit Todesfällen verbunden, im Allgemeinen aber pflegt man einen fröhlichen Umgangston und kabbelt sich um die Tochter des Majors, protestiert förmlich gegen einen Befehl, der in einer Zeit, in der die Cheyennes sich formieren, erhöhte Gefahr bedeutet, den man dann aber selbstverständlich freundlich befolgt, als würde man den Befehl auf dem Schlachtfeld abklatschen. John Fords Kavallerie-Gemälde ist eine kernige Party blau uniformierter Männer, die den Job erledigen, der getan werden muss, nachdem ihr Freund und Kollege, General Custer, von bösen Indianern ausgetrickst und getötet worden ist. Zum Glück gilt es, einen  sentimentalen Abschied zu moderieren und und den Tod Custers und seiner Leute zu betrauen, sonst hätte dieser Film zu einem Testosteron-Comic geraten können.

Abschied ist dieser Film überschrieben. Der kommandierende, hoch geachtete und sehr geschätzte Captain des kleinen Forts wird in ein paar Tagen in Pension geschickt, Trauer und Wehmut durchziehen also diesen sentimentalsten aller Ford-Western, der den zu verabschiedenden John Wayne in exemplarischen Offiziersmomenten zum Thema Klarer Befehl und Gute Menschenführung zeigt. Die Perspektive des Films ist ein Zurückblicken, wobei allerdings die so wehmütig betrauerte Vergangenheit an keiner Stelle des Films eine visuelle Rolle spielt. Kameramann Winton C. Hoch macht aus den Männern in Uniform in Fords Wohnzimmer, dem Monument Valley, lyrische Bilder, die eine abwechslungsarme Handlung verpacken, die Männlichkeit und militärische Tugend feiert. Wayne, Mitte 40 während der Dreharbeiten, spielt seinen in Pension gehenden Hauptmann Brittles zurückhaltend und unaufdringlich – und die obligatorische Saloonprügelei die Victor McLaglen anzettelt, der Brittles Sergeant Major Quinncannon spielt, ist eine der komischeren, die ich im Western gesehen habe.

Nach dem Vorgängerfilm „Bis zum letzten Mann“ war „Der Teufelshauptmann“ der zweite Teil seiner später so genannten Kavallerie-Trilogie (als dritter Teil folgte Rio Grande – 1950; im darauffolgenden Jahr). Dem Drehbuch lagen die Erzählungen „War Party“ und „The Big Hunt“ von James Warner Bellah zugrunde.

Wertung: 4 von 6 D-Mark