Plakatmotiv: Dark Star – Finsterer Steren (1974)
Eine absurde Komödie im All
Atombombe mit Dickschädel
Titel Dark Star – Finsterer Stern
(Dark Star)
Drehbuch John Carpenter + Dan O‘Bannon
Regie John Carpenter, USA 1974
Darsteller Brian Narelle, Cal Kuniholm, Dre Pahich, Dan O'Bannon, Adam Beckenbaugh, John Carpenter, Nick Castle, Cookie Knapp, Joe Saunders, Alan Sheretz, Miles Watkins u.a.
Genre Komödie, Sience Fiction
Filmlänge 83 Minuten
Deutschlandstart
9. Februar 1979
Website theofficialjohncarpenter.com/feature-films/
Inhalt

Noch 20 Minuten haben Doolittle und seine Crew zu leben. Es sei denn, sie können die mit einem hochentwickelten Gehirn ausgerüstete Superbombe überreden, nicht zu detonieren… Mitte des 21. Jahrhunderts: Von Weltraumschiffen getragen, schießen die Menschen mit Überlichtgeschwindigkeit ins All hinaus, um neue Planeten zu bevölkern. 20 Jahre vorab bahnt die „Dark Star“ den Weg: Sie sprengt instabile Planeten, die für die Kolonisten zur Todesfalle werden könnten.

Das Raumschiff Dark Star ist seit 20 Jahren unterwegs und hat schon bessere Zeiten gesehen. Die Schiffssysteme verfallen zusehends, ein Asteroidensturm zerstörte die Schlafkojen und Lagerabteil 9 sich selbst inklusive der gesamten Klopapiervorräte. Beim Passieren eines Asteroidenfelds wird der „Kommunikationslaser 17“ beschädigt, wodurch die Bombendecksysteme mehrfach fälschlicherweise aktiviert und die intelligente Bombe Nummer 20 ausgefahren wird.

Die verwahrlosten Mannschaftsmitglieder sind der Lethargie verfallen und gehen sich gegenseitig auf die Nerven. Commander Powell wurde durch einen Kurzschluss am hinteren Instrumentenbrett seines Sitzes getötet und liegt seitdem in Kryostase. Talby hat sich von der Crew in die Beobachtungskuppel des Raumschiffs zurückgezogen, wo er gelegentlich mit dem leidenschaftlichen Surfer Doolittle über die Schönheit des Wellenreitens und von Meteorströmen sinniert. Boiler macht derweilen derbe Späße und sicherheitswidrige Schießübungen mit Bordwaffen. Sergeant Pinback muss sich mit dem „Exoten“ (Original: „Alien“), dem widerspenstigen, außerirdischen Maskottchen herumplagen, welches die Crew aufgelesen hat, einer Art Wasserball bzw. schimmelige Tomate mit Füßen. Bei der letzten Fütterung ist der Exot ausgebüxt und jetzt hat Pinback ein Problem. Freilaufende Außerirdische an Bord bedeuten im Allgemeinen nichts gutes.

Plakatmotiv: Dark Star – Finsterer Steren (1974)Zum allgemeinen Desinteresse seiner Kollegen beschließt Talby, die Fehlerursache zu suchen, die die intelligente Bombe 20 ausgefahren und scharf gestellt hat. Der Bordcomputer lokalisiert den defekten Kommunikationslaser und Talby begibt sich ohne Wissen seiner Kollegen in einem Raumanzug in die Notluftschleuse. Während Talby den defekten Kommunikations-Laser repariert, startet Leutnant Doolittle den 24-minütigen Countdown von Bombe 20 …

Was zu sagen wäre

Schon mal in einer Wohngemeinschaft gewohnt? Stellen Sie sich vor, Sie könnten nicht ausziehen – Wohnungsknappheit, Horrormieten, kein Geld – und dann drei Mitbewohner, denen es genauso geht und die sich gegenseitig auf die Nerven gehen. So ist das Leben an Bord der „Dark Star“ – bis auf die Horrormieten. Und dann zieht ein philosophisch verstörter Nachbar ein, der Schein, Sein und die Existenz des Selbst solamnge durchdekliniert, bis er die gesamte Hausgemeinschaft sprengt.

Wunderbar. Die Autoren John Carpenter und Dan O'Bannon hatten 1970, als sie an der School of Cinema-Television der University of Southern California (USC) studierten, mit dieser Thematik eigentlich nur ein kleines Science-Fiction-Projekt im Sinn, das den großen, überirdisch verklärten Stanley Kubrick und dessen 2001 – Odyssee im Weltraum ein wenig veräppeln.

Lange, stille Weltraumtotalen, ein durch nichts aus der Ruhe zu bringender, indes ausgesprochen autoritär auftretender Bordcomputer – und besagter philosophischer Touch, den sie in die Diskussion dreier Astronauten mit einer Bombe einbauten, die partout nicht einsehen wollte, nicht detonieren zu sollen – egal, ob ihre Ankervorrichtung defekt sei oder nicht; sie sei schließlich eine Bombe und ihr Daseinszweck sei – eben – die Detonation.

Gegen Kubricks gewaltige Bildästhetik setzte Carpenter sein Minimalbudget und seine überbordende Lust auf Improvisation: Der „Exot“ – nur als Beispiel – ist deutlich erkennbar ein Wasserball! Als Pinback im endlosen Fahrstuhlschacht festhängt, dreht Carpenter dies mit auf den Kopf gedrehter Kamera auf dem Boden liegend. Kinoimagination kann so einfach sein. Carpenter erweist sich in diesen Szenen als einer, der das zeitgenössische Kino auf den Kopf zu stellen vermag – Phantasien und Ideen dazu hat er offenbar.

Bedauerlicherweise blieb es nicht beim Studentenprojekt. Die ursprüngliche Version war ungefähr 70 Minuten lang und wurde 1973 auf mehreren Filmfestivals gezeigt. Dann erwarb Jack H. Harris die Kinorechte und sorgte dafür, dass der Film mit zusätzlichen Szenen um rund zehn Minuten gestreckt wurde. Er brauchte eine passendere Länge für die Kinoauswertung. Das hat dem Timing des Films nicht gut getan. Außerdem ist es etwas anderes, ob man ein charmant-witziges Studentenprojekt auf LowLow-Budget-Basis auf kleinen Festivals feiert, oder ob man die LowLow-Budget-Produktion plötzlich vor zahlendem Publikum im kommerziellen Kino auswertet – dort gesehen fehlt es dem charmanten Studentenfilm dann an ordentlichen Spezialeffekten und an solidem Schauspiel. Seinen anarchischen, frischen, experimentierfreudigen Humor wenigstens kann man unter der Verlangweiligung immer noch erahnen.

So ist John Carpenters Groteske tatsächlich der seltene Fall eines echten Kultfilms – jedenfalls die originale, kürzere Version.

Wertung: 6 von 8 D-Mark