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Plakatmotiv: Hope and Glory (1987)
Der Weltkrieg als Abenteuerspielplatz
Ein  Bilderbuch aus schwierigen Zeiten
Titel Hope and Glory
(Hope and Glory)
Drehbuch John Boorman
Regie John Boorman, UK, USA 1987
Darsteller Sebastian Rice-Edwards, Geraldine Muir, Sarah Miles, David Hayman, Sammi Davis, Derrick O'Connor, Susan Wooldridge, Jean-Marc Barr, Ian Bannen, Annie Leon, Jill Baker, Amelda Brown, Katrine Boorman, Colin Higgins, Shelagh Fraser u.a.
Genre Drama, Krieg
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
8. Oktober 1987
Inhalt

Großbritannien im Zweiten Weltkrieg: Der 9-jährige Bill Rohan lebt am Stadtrand von London. Dort erlebt er den Aufruhr und die Schrecken des Krieges als eine Zeit voller Abenteuer und genießt die Aufhebung aller Regeln und Ordnung.

Doch während er in den Ruinen der zerbombten Häuser in der Rosehill Avenue umherstreicht, wird er viel zu früh mit den Schattenseiten des Lebens konfrontiert: Der Tod und die Heuchelei und vielen Fehlentscheidungen der Erwachsenen.

Auch in der eigenen Familie findet er nicht den Schutz und die Ruhe, die er eigentlich braucht: Der Vater jagt seinen patriotischen Träumen von Ruhm und Ehre hinterher, die Schwester kämpft mit den Problemen der Pubertät und seine Mutter ist mit der schwierigen Situation vollkommen überfordert …

Was zu sagen wäre

Der Krieg ist kein Kindergeburtstag. Und doch ist er für Kinder häufig nur die Behauptung einer fernen Bedrohung. Der Donnerhall ferner Bomben und Granatwerfen hat auf den eigenen Spielplatz keinen Einfluss. Und wenn in der Nachbarschaft ein Haus in Flammen aufgeht, getroffen von einer Fliegerbombe, passiert auch das neicht im eigenen Haus und hat damit auf das eigene Leben nur insofern Einfluss, als dass man spannende Spielzeuge in Form von Granatsplittern im Rinnstein findet.

John Boorman inszeniert den Zweiten Weltkrieg aus der Sicht eines Jungen. Da wird der Krieg, den unsere Eltern und Großeltern als Albtraum und Zäsur kennen, zum großen Abenteuerspielplatz. Der Regisseur ist spezialisiert auf Fantasywelten, fremde Regionen und mystische Figuren, bei denen die Gesetze des gesellschaftlichen Alltags außer Kraft gesetzt sind („Der Smaragdwald“ – 1985; „Excalibur“ – 1981; Exorzist II – Der Ketzer – 1977; „Zardoz“ – 1974; „Beim Sterben ist jeder der Erste” – 1972; „Die Hölle sind wir“ – 1968; Point Blank – 1967). Insofern ist der Brite für diesen Film genau der Richtige. Bill erlebt Zerstörung und Tod, aber vor allem erlebt er, wie man mit Blindgängern chemische Reaktionen auslöst, wie man mit Hammer und Nagel Patronen abfeuert – und er entdeckt das Mysterium des anderen Geschlechts. „Sie sind eine andere Spezies als wir, Bill“, sagt Opa noch über Frauen, aber wir sehen schon, dass der junge Bill das nicht mehr allzulange glauben wird. Zumal Opa insgesamt komische angewohnheiten hat wie etwa die, beim Frühstück mit der Doppelläufigen auf Ratten im Garten anzulegen – und dann auch zu schießen.

„Hope and Glory“ ist im Prinzip ein sympathisch zusammengestelltes Album bewegter Erinnerungsbilder aus schwierigen Zeiten. Depression lässt Boorman nicht aufkommen. Weltkrieg. Na und? Boorman beschreibt ein Leben, in dem ein losgerissener Fesselballon mehr Aufregung verursacht, als die nächtlichen Bombenangriffe. Bill muss nicht um Angehörige oder Nachbarn trauern. Das bleibt ihm erspart. Nicht aber sein größter Verlust in diesem Krieg: Ein Feuer hat all seine Zinnsoldaten eingeschmolzen. „Das sind doch nur Dinge!“‚ versucht vergeblich seine Mutter ihn zu beruhigen. Für Bill aber sind die Dinge ihm näher als die menschen mit ihren seltsamen, unehrlichen Verhaltensweisen. Dads bester Freund und Mom sind offenbar schwer ineinander verliebt, berühren sich aber kaum, folgen offenbar einem Kodex – „Er hatte Arbeit, Grace. Ich konnte dir nichts geben.“ – der dem 9-Jährigen unverständlich bleibt.

So eine Erzählung läuft Gefahr, nach hinten loszugehen. Wie soll man auch die Schrecken des Krieges derart verharmlosen? Weil Boorman aber konsequent bei der Sicht des 9-jährigen Bill, seines Alter Ego, bleibt, schafft er mühelos die Gratwanderung zwischen Freude und Trauer, Dramatik und Komik. Boormans liebevoller Blick zurück erzählt nicht vom Krieg. Er erzählt von der Kindheit, erzählt weniger eine dramaturgisch gebeugte Story, malt statt dessen einen farbigen Bilderbogen, in dem nicht alles grau ist, was Krieg bedeutet.

Wertung: 7 von 10 D-Mark
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