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Plakatmotiv: Exorzist II – Der Ketzer (1977)

Lucifer wird zur Austauschware
und damit wird er langweilig

Titel Exorzist II – Der Ketzer
(Exorcist II: The Heretic)
Drehbuch William Goodhart
Regie John Boorman, USA 1977
Darsteller Richard Burton, Linda Blair, Louise Fletcher, Max von Sydow, Kitty Winn, Paul Henreid, James Earl Jones, Ned Beatty, Belinda Beatty, Rose Portillo, Barbara Cason, Tiffany Kinney, Joey Green, Fiseha Dimetros, Ken Renard u.a.
Genre Thriller, Horror
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
22. September 1977
Inhalt

Vier jahre sind vergangen seit jenem fatalen Exorzismus in Georgetown. Pater Lamont soll den Tod von Pater Merrin untersuchen und klären, wie es dazu kam, dass Regan MacNeil vom Dämon Pazuzu besessen war.

Lamont reist nach Afrika und trifft auf Kokumo, der ebenfalls wie Regan von Pazuzu besessen war. Der Pater findet heraus, dass der Dämon in Form von Heuschrecken auf der Welt umherirrt. Regan wird wieder vom Dämon befallen, Pater Merrin erscheint Lamont in einer Vision und bittet ihn, sich um Regan zu kümmern.

Lamont reist mit Regan nach Washington und es gelingt ihnen Pazuzu gemeinsam zu bezwingen …

Was zu sagen wäre

Ach … auf einmal ist der christliche Dämon, jener Satan, nach dem es keine Steigerung mehr gibt, jener Erbsensuppe spuckende Teufel von 1974, gar nicht der Teufel, der uns beim sonntäglichen Kirchgang vorgehalten wird als Warnung, sollten wir den Glauben an den one and only God verlieren?

Jetzt ist das nur irgendein Dämon aus irgendeiner Religion im afrikanischen Hinterland, der auf den namen Pazuzu hört und sich in einem Schwarm Heuschrecken materialisiert? Na prima: Da höre ich die Franchisekassen schon gehörig klingeln. Das Original holte seinen Zauber doch auch aus jenem Schrecken, dass hier plötzlich der eine Teufel, den wir Christen seit Kindesbeinen als Luzifer vorgeführt bekommen, sein Zepter erhebt. Ist aber jetzt gar nicht mehr so.

John Boorman, der große Mystiker des Kinos („Zardoz“ – 1974; „Beim Sterben ist jeder der Erste” – 1972; „Die Hölle sind wir“ – 1968; Point Blank – 1967), versucht, Satan in eine Meta-Ebene einzubetten. Pater Merrin hatte vor vie jahren gar nicht Luzifer vor sich, als er antrat, der jungen Regan den teufel aus dem Leib zu treiben. Eigentlich jagte er Pazuzu, einen bösen Heuschreckendämon, der Regan, die über den Zauber eines afrikanischen Medizinmannes als Gegengift gegen die Dämonen dieser Welt installiert worden war, zerstören will. Alles sehr kompliziert und nicht vergleichbar mit den Dämonen der Frühgeschichte Hollywoods, die nur mit dem Finger zucken mussten, um Menschen explodieren zu lassen.

Mit viel erzählerischem Aufwand wird eine Hypnose-Therapie eingeführt, die es Pater Lamont über Umwege ermöglicht, zu jenem Dämn durchzudringen, der immer noch Regan besetzt hält. Und dann geht dieselbe Geschichte wieder los: Rätsel raten, verwundert sein, Angst, Vorausahnungen, einstürzende Wände – und im Zentrum Linda Blair (Airport '74 – Giganten am Himmel – 1974; Der Exorzist – 1973). Die heute 18-Jährige schultert tapfer ihr Schicksal, plötzlich als Schauspielerin gefragt zu sein, obwohl ihre diesbezüglichen Fähigkeit über das Spucken von Erbsensuppe dann doch nicht hinaus gehen. Blair ist einfach nur auf eine Rubensengelhafte Weise niedlich, proper. Große Augen, volle Lippen, üppige Kurven – Kindchenschema mit Titten. Ich bitte um Entschuldigung für die rüde Ausdrucksweise, aber so schlecht, wie Blair spielt, so albern, wie Boorman sie durch die Kulissen stolpern lässt, ist es offensichtlich, dass die Controller des Filmstudios genau diese Wirkung Linda Blairs intendieren, um die Jungs zum Kauf einer Kinokarte zu bewegen. Nicht ohne Grund läuft Blair zudem meist im Nachthemd durchs Bild.

Auf der anderen Seite steht Richard Burton – Schwergewicht, Berserker der Schauspielerei („Hammersmith ist raus“ – 1972; Im Morgengrauen brach die Hölle los – 1971; Agenten sterben einsam – 1968; „Die Stunde der Komödianten“ – 1967; Der Widerspenstigen Zähmung – 1967; „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ – 1966; Der Spion, der aus der Kälte kam – 1965; Die Nacht des Leguan – 1964; Cleopatra – 1963; „Der längste Tag“ – 1962; „Das Gewand“ – 1953). Burton sult sich geradezu in seiner Kirchenkritischen Ader und John Boorman weiß Burtons kalte Augen gewinnbringend zu nutzen. Die meiste Zeit über muss Burton nur seinen kalten Blick starr geradeaus aufsetzen; das reicht ihm, um sich seine Szenen unter den Nagel zu reißen.

Louise Fletcher, seit ihrer beispiellosen Performance in Einer flog über das Kuckucksnest (1975) abgestempelt als Pflegerin, der man alles Misstrauen entgegenbringen muss, spielt hier gegen ihr Image. Nachdem sie die anfänglichen Zweifel beim Zuschauer beseitigt hat, gibt sie der loyalen Ärztin ein patentes Gemüt mit hartter Haltung. In dem Moment, in dem Richard Burton seine Zweifel ernst nimmt: „Halten wir uns an die Wissenschaft.(sagt sie).“ „Dahinter verstecken Sie Sich!“, entgegnet Burton. „Ich bin für Regan verantwortlich, wenn ihre Mutter nicht da ist.“ „Kämpfen Sie gegen den Dämon in ihr! Er nimmt ihr spirituelle Kraft!“ „Dämonen? Wir schaffen alle unsere eigenen Dämonen. Sie sind von dem Gedanken besessen!“ „Nein, es fasziniert mich! Pater Merrin hatte Angst, dass er es bewundern könnte.“ „Wohl eher verherrlichen!

Zwischen all dieser – mehr oder wenigen – Schauspielerei ist nicht mehr viel; ein paar Heuschrecken in Nahaufnahme mit glitschiken Spezialeffekten. John Boorman versucht mit grellem Score und düsteren Andeutungsdsdialogen, Spannung zu erzeugen („Die Welt will keine Heiligen mehr! Das ist keine offizielle Untersuchung. Wie hatte sich Pater Merrin vorbereitet, als er hierher kam? Hat er gebetet?“ „Die Polizei konnte es nicht erklären. Stimmt's?“ „Hat Pater Merrin den Dämon beim Namen genannt?“ „Nein! Aber der Dämon kannte ihn.“ „Woher wollen Sie das wissen?“ „Er rief seinen Namen.“) … aber dann flattert schon die nächste Heuschrecke in Übergröße durchs Zimmer, die außer dem Zuschauer niemand sieht, und verbreitet afrikanische Kino-Mystik, nach der die armen Ureinwohner Afrikas – egal welchen Landes dort (es heißt einmal Äquatorialafrika) – von bösen Geistern heimgesucht werden, die sie solange am Boden halten, bis ein Held aus der ersten Welt kommt und alles richtet.

Mit Afrika kann man's ja machen.

Wertung: 1 von 10 D-Mark
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